Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886640
Drittes 
Ausdruck. Die Anordnung der Gruppe entbehrt nicht einer gewissen Eleganz. 
Die in der Mitte stehende, die Amphoren segnende Gestalt des Erlösers ist 
später restaurirt werden, und auch von dieser Erneuerung ist nicht mehr viel 
erhalten. Den einzelnen Figuren der Gruppen waren Inschriften beigegeben, 
die uns hier und da noch die Existenz jetzt verschwundener Personen ver- 
rathen, so z. B.: HAIAIA, IlAFlA MAPlA u. s. w. Sehr viel mehr überarbeitet 
ist die zur Linken geordnete Scene dieses Vorranms, die unverdorbene Ver- 
mehrung der Brode und Fische, über der man die Worte TAC SYAOFLXC TOT 
XT ECOIONTEC liest. 
Auch diese beiden Sujets gehören der römischen so gut wie der morgen- 
ländischen Kunst an, wenn auch in Rom die Hochzeit zu Kana weniger 
von der Malerei als von der Sarkophagsculptur und dem Mosaik des 4. und 
5. Jahrhunderts dargestellt wird. Dagegen bestehen Unterschiede der An- 
ordnung, auf welche Bayet mit Recht hingewiesen hat. In Rom liebt man 
es, die Scenen zusammenzuziehen, die nicht Wesentlichen Personen beiseite 
zu lassen; man begnügt sich mit der Gruppe Christi und der Apostel, zu- 
weilen mit dem Herrn allein. In Alexandrien wird das Sujet mit grösserer 
Freiheit und Behaglichkeit entwickelt; die Details werden nicht übergangen. 
Das Ganze gewinnt dadurch den Eindruck grösserer Natürlichkeit und Wahr- 
heit. Die Composition erscheint lebensvoller und anmuthiger, und zwar sowol 
als Ganzes wie in den Einzelheiten der Stellung, Bewegung und Costümirung 
der Figuren. Unverkennbar ist das Streben nach symmetrischer Anordnung. 
Dieser Zug nach Symmetrie in Stellung der Figuren und Vertheilung der 
Gruppen ist auch der spätern byzantinischen Kunst eigen; aber ihre Künstler 
verlieren seit dem 7. Jahrhundert meist den Zug von Freiheit in der stilisti- 
schen Behandlung, der dies Fresco von Alexandrien auszeichnet und der als 
ein Erbstück der classisehen Kunst der Hellenen angesehen werden darf. 
Ziehen wir das Facit aus diesen Betrachtungen, so ergibt sich, dass 
erstens, soweit wir diese ersten Ansätze verfolgen können, Orient und Occident 
über denselben Bilderschatz verfügen; zweitens, dass Nuancen in stilistischer 
Hinsicht Vorliegen, welche auf den Charakter der umgebenden profanen Kunst 
und ihre Einflüsse zurückgehen. Besassen wir ein reicheres Material zur 
Vergleichung, so würden sich wol Unterschiede zwischen der Kunst der griechi- 
schen und römischen Christen ergeben, welche denjenigen entsprächen, die 
der Genius der beiden Reichshälften auch sonst in Kunst, Poesie, Litteratur 
darstellt. 
In Italien selbst lassen sich zwischen der Katakombenmalerei Roms, 
Neapels und Siciliens Unterschiede aufweisen. Syrakus und Neapel stehen, 
wie auch die Inschriften darthun, unter dem Einfluss des griechischen Ele- 
ments: wir bemerken daher in diesen Städten eine stilistische Behandlung, 
die nicht undeutlich an Alexandrien gemahnt. 
Dass die römische Katakombenkunst von griechischem Einflüsse gänzlich 
unberührt blieb, ist gewiss nicht anzunehmen. Der Contact mit dem Orient, 
speciell mit Alexandrien, war zu rege und zu bedeutend. Im 2. und 3. Jahr- 
hundert, ja noch im 4., war die Hauptstadt Aegyptens der grosse Weltmarkt, 
auf welchem Europa, Africa, Asien, bis hinein ins ferne Indien, ihre Waaren 
und ihre Ideen austauschten. Die religiösen und philosophischen Bewegungen, 
welche im Zeitalter Plotins von Alexandrien ausgingen, ergrilfen Rom sofort. 
Auch zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert erhielt sich Alexandrien seinen 
Einfluss in den kirchlichen Kreisen, nicht am wenigsten dadurch, dass ihm das
        

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