Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886624
Drittes Buch. 
Gebrauch der Bilder bei Häretikern zieht: ,L'Eglise strictement orthodoxe füt 
restäe iconoclaste, si Vkäreisie ne Feüt pänäträe, ou plutöt Weißt ewige d'elle, peu-r 
les beso-ins de Za concurrence, plus d'une concession aux faiblesses paiennesf 
Es ist schwer zu verstehen, wie der Verfasser der ,Vie de Jesus diese Satze 
aufstellen kann, da er anderwärts die Einführung der Kunst bei den Christen 
als eine selbstverständliche Folge der Adoption der neuen Religion durch 
Griechen und Römer darstellt 1. Niemand wird das frühe Auftreten der Bilder 
bei den gnostischen Irrlehrern in Abrede stellen; aber Niemand sollte sich 
auch die Augen darüber verschliessen, dass in der orthodoxen Kirche bild- 
liche Darstellungen mindestens ebenso früh, wenn nicht noch viel früher, vor- 
kommen und die ganze altchristliche Kunst von einer innern, doctrinellen 
Beeinflussung durch den häretischen Gnosticismus vollkommen frei erscheint. 
Alexandri- Immerhin aber wird man den bedeutenden Einfluss des Alexandri- 
"isälißssäimnismus auf die Entwicklung der christlichen Kunst nicht in Abrede stellen 
dürfen. Sein Einfluss auf die Ausgestaltung der theologischen Litteratur war 
geradezu massgebend; es Widersprüche allen Gesetzen des geistigen Lebens, 
wenn sich diese Einwirkung nicht auch auf dem Gebiete der Kunstvorstellungen 
bewahrt hätte. Einzelne derselben, wie der Ichthys, sind, wie wir gesehen, 
gewiss auf Alexandrien zurückzuführen. Die geringe Zahl der uns erhaltenen 
Denkmäler erlaubt uns keine weiteren Schlüsse; es fragt sich, 0b wir an- 
gesichts des kleinen Vorraths von monumentaler Bezeugung ein Urteil über 
den Unterschied der stilistischen Behandlung in Rom und Alexandrien fällen 
dürfen,  eine Frage, die von grösster Wichtigkeit ist für die Beantwortung 
jener andern: ob der Charakter der altchristlichen Kunst der ersten Jahr- 
hunderte ein vorwaltend griechischer oder ein vorwaltend römischer ge- 
wesen ist. 
Zur Beurteilung der alexandrinischen Kunst haben wir nur wenige Daten. 
Es sind die Fresken von Cyrene, deren Bekanntmachung wir Pacho's Reise 
(1827) verdanken, und die von Wescher 1864 zuerst beschriebenen, ein- 
gehender von de Rossi illustrirten Katakombenbilder in Alexandrien 2. 
Der gute Hirte auf dem Fresoo von Cyrene ist als bartloser Jüngling 
geschildert. Er trägt eine kurze, ärmellose, gegürtete Tunica, darüber eine 
Paenula, die Beine sind nackt, die Füsse mit Sandalen bekleidet. Der Jüngling 
tragt das Lamm auf seinen Schultern und hält die Füsse desselben mit je 
einer Hand zusammen. In der Linken halt er den Hirteustab, neben ihm 
erscheinen sechs Lämmer, die ihm den Kopf zuwenden. Die Landschaft ist 
durch zwei Bäume angedeutet. 
In Composition und Details ist diese Scene anscheinend ganz identisch 
mit den Pastordarstellungen der römischen Katakomben. Dennoch weicht 
der cyrenaische Typus in zwei Punkten von dem abendländischen ab. Der 
griechische Künstler hat seinen Hirten mit einem Laubkranz gekrönt, ein dem 
Hirtenleben entlehntes, anmuthiges Detail (Fig. 18). In der Höhe bemerkt 
man sieben grosse, sorgfältig gearbeitete Fische, vielleicht ein Pendant zu 
den sieben Lämmern. 
In der nämlichen Region Cyrene's, nahe an Aphrodisias, bietet eine Grab- 
kammer eine andere, etwas jüngere Malerei. Sie besteht aus einfachem 
Weinlaub mit Trauben, geometrischem Ornament und zwei Medaillons, von 
RENAN 
Marc-Auräle 
540. 
2 DE ROSSI Bull. 1865, n. 
die Bemerkungen BAYETS 1. c. 
Vgl.
        

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