Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886617
Altchristliglge Malfslgii 
mit solchen Akrostichen und Alphabetarien getrieben zu haben 1. Es kann 
kaum zweifelhaft sein, dass die orphischen Kosmogonien auf die Speculationen 
über die Weltschöpfung eingewirkt haben, welche die Vorläufer der gnostischen 
Systeme waren 2. In den Zspol 2.670: der ersten Gnostiker zeigt sich noch 
kaum eine Einwirkung christlicher Vorstellungen: frühzeitig aber gewahren 
wir in den gnostischen Kreisen die Neigung zu bildlichen und speciell zu 
symbolischen Darstellungen. 
Ernst Renan hat den Satz aufgestellt, die christliche Kunst sei eine Aiigenliehei- 
Schöpfung der Haretiker 3. Er stützt sich dafür auf die bekannten Mit-  
theilungen des Irenaeus und Celsus über den Gebrauch von Bildern unter chrigälgchen 
den Gnostikern, Berichte, welche gewiss zuverlässig sind und durch Epi- Kunst. 
phanius und Augustin bestätigt sind. Der Erstere erzählt von den Basili- 
dianern, dass sie sich der Magie und der Bilder bedienen4 (inzaginibus, doch 
ist die Lesart nicht ganz sicher), wobei man gewöhnlich an die dieser Secte 
hauptsächlich zugeschriebenen Geminen und Abraxasbilder zu denken pflegt. 
Von einer andern gnostischen Partei, den Karpokratianern, welche sich durch 
ein hinter dem rechten Ohr eingebranntes Merkmal den Angehörigen ihrer 
Secte erkennbar machten, sagt Irenaeus, sie besässen gemalte und aus andern 
Stoffen gefertigte Bilder, auch des Herrn, angeblich nach einem zur Zeit des 
Pilatus entstandenen Original. Diese Bilder bekrönten und verehrten sie zu- 
gleich mit denjenigen des Pythagoras, Plato und Aristoteles 5. Von den 
Marcioniten endlich erfahren wir durch Theodoret, dass sie Schlangenbilder 
besassen, denen sie einen geheimen Oult erwiesen 6. 
Man wird bei diesen Angaben einerseits an die Bilder Abrahams und 
Christi erinnert, welche, neben denen des Apollonius u. s. w., Kaiser Alexander 
Severus in seinem Hause aufstellen liess7; andererseits an die Spottbilder, 
welche, wie es scheint, seit Mitte des 2. Jahrhunderts bis ins 3. Jahrhundert 
hinein unter den Heiden verbreitet wurden und auf welche wir seiner Zeit 
wieder zurückzukommen haben. 
Renan hebt, um seine These zu stützen, die unbezweifelte Thatsache 
hervor, dass die zum grössten Theil von Gnostikern verfassten apokry- 
phen Evangelien einen bedeutenden Einfluss auf die christlichen Kunst- 
Vorstellungen gehabt haben? Diese Thatsache ist, wie gesagt, unbestreit- 
bar. Sie erklärt sich zum guten Theil daraus, dass die Künstler in den Apo- 
kryphen eine Anzahl von Zügen und Details fanden, deren Verwerthung ihnen 
sehr erwünscht kam: das Bedürfniss des ,Genre' machte sich auch hier 
geltend. Scenen wie das Bad des neugebornen Kindes; Ochs und Esel an 
der Krippe des Herrn, gewisse Details bei der Verkündigung (Maria spinnend 
oder Wasser schöpfend), verdanken diesem Bedürfniss ihre Popularität. Gänz- 
lich unberechtigt ist aber der Schluss, welchen Renan aus dem frühzeitigen 
1 Vgl. jetzt DIETERICII. Abraxas Studien 
zur Religionsgeschichte des spätem Alter- 
thums (Lpz. 1891) S. 165. 
2 Ebd. S. 132 f. 
3 E. )RENAN Marc-Aufele P. 145. 540 s. 
544; L'Eglise chrät. p. 155 s. In den betr. 
Ausführungen Renans ist leider fast jeder 
Satz eine Unrichtigkeit. 
4 IREN. Adv. haeres. I c. 24. 
5 Ibid. I c. 25. Vgl. EPIPIIAN. Haares. 
XXVII (ed. PET.) n. 6, p. 108. AUG. De 
haeres. c. 7. Jon. DAMASC. De haeres. 
c. 27, und die Erläuterung dieser Texte bei 
AUGUSTI Beitr. I 118.  Zu CELSUS vgl. 
Oma. C. Gels. VI 30. 33. 34. 
6 THEODORET. Haeret. fab. I e. 24. 
7 LAMPRID. Vit. Alex. Sev. c. 29, vgl. 40. 
44. 51. 
8 RENAN LTlglise chrcät. p. 509 s. 517 s. 
518. 526; Marc-Auriale p. 145.
        

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