Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886605
Drittes Buch. 
bezeichnet 1. Clemens Alexandrinus spielt mehrmals auf das Sinnbild des guten 
Hirten an 2 und nennt in dem dem zweiten Buch des Paedagogus beigegebenen 
Hymnus Christus den ,Hirten der königlichen Lämmer'3. Dazu stimmt merk- 
würdig, dass die ältesten uns erhaltenen christlichen Malereien des Orientes, 
die von Pacho in der Gyrenaica entdeckten, das Bild des guten Hirten (in 
Cyrene selbst) bieten 4.  
Gleichwol muss man Anstand nehmen, mit Bayet in diesen Indicien einen 
Beweis für den orientalischen Ursprung dieses Typus zu sehen. Abgesehen 
davon, dass der ,Hirt' des Hermas in Italien geschrieben ist, findet sich die 
Idee des guten Hirten als des Führers des auserwählten Volkes bereits in 
dem seit einigen Jahren erst bekannt gewordenen Stück des ersten Briefes 
des Clemens Romanus, also in einem zu Rom in den letzten Jahren des 
1. Jahrhunderts verfassten Schreiben. 
Dagegen dürfte ein anderes dem christlichen Alterthum entstammendes 
Sinnbild entschieden auf den Orient, und zwar auf Alexandrien hinweisen. 
Die altchristlichen Symbole sind im allgemeinen Bilder, welche von dem 
dargestellten Gegenstand zwar verschieden sind, aber doch eine natürliche 
oder eonventionelle Beziehung zu ihm besitzen. Das springt z. B. sofort in 
die Augen bei dem guten Hirten, dem Lamme, dem Schiff oder Anker. Nicht 
so bei dem Fisch (dem Ichthys), den Clemens Alexandrinus neben diesen 
Symbolen erwähnt. Man würde hier vergebens nach einem Zusammenhang 
des Dargestellten mit der Darstellung suchen. Die Beziehung ist im Gegen- 
theil vollkommen künstlich und willkürlich. Eusebius hat uns die Belehrung 
hinterlassen, dass wir es hier mit einem Akrostichon zu thun haben, d. h. mit 
einem WIorte, dessen einzelne Buchstaben die Initialen anderer Worte sind, 
deren Zusammensetzung den Sinn ergeben, welchen das Akrostichon in ge- 
heimnissvoller Weise andeutet 5. Optatus und Augustinus haben diese An- 
gaben bestätigt 6. Demnach bedeutet der Ichthys: IIICOYC XPSICTOC GSOY 
TIOC CoiYfl-IP  Jesus Christus, Sohn Gottes, Heiland. 
Die Liebhaberei, solche Tesserae, die in einem einzigen Worte einen ganzen 
Satz oder ein Bekenntniss enthielten, herzustellen, war aber eine Specialitat 
der alexandrinischen Juden. Der Name der Makkabäer war aus den Initialen 
der Devise gebildet, welche Judas der Makkabäer auf seinen Lippen wie auf 
seinen Fahnen trug: ,Wer unter den Gewaltigen ist dir ähnlich, o Herr?" 
Die Juden haben bis tief ins Mittelalter diese Neigung beibehalten; man weiss, 
welche Rolle dieselbe in der Kabbala gespielt hat. 
Aber die Juden waren nicht die Einzigen, welche das Spiel mit Akrostichen 
trieben. Die orphische Geheimlitteratur scheint einen ausgiebigen Gebrauch 
' Vgl. die neuesten Ausgaben des jetzt 
restituirten Abercius-Epitaphs: PITRA Spie. 
Solesm, anal. sacr. II (Par. 1884) 162-188; 
Proleg. p. XXVI.  DE Rossl Inser. II, prooem. 
p. xn-xxrv.  LIGHTFOOT Apost. Fathers 
II (Lond. 1889) 1, 476: äßäpzzrfg ein:  
noguäuog riyvnü. 
2 Paedag. I o. 7.- 9; Strom. I c. 26. 
3 17040211 zlpwüu ßao-zlzzzüv (v. 4); vgl. 
v. 19. 20. 
4 PACHO Relation d'un voyage dans 1a 
Marmarique, 1a Cyränaique etc. (1827-1829) 
pl. 13. 51.  GARRUCCI Stur. tav. 1056. 
5 EUSEB. Constantini Orat. ad Sanct. 
coetum c. 18 (ed. HEINIGFIEN p. 383  
"E07: öä v? äzpoonzäg {4Ürq' 7170-05; Xpzerwig, 
19:06 uiäg, o-wnjp, a-raupög u. s. w., wozu eine 
lange, angeblich den sibyllinischen Büchern 
entlehnte Epexegese folgt. 
6 OPTAT. De sohism. Donat. III 2.  
AUG. De civ. Dei XVIII 23: ,H0rum autem 
graecorum quinque verborum quae sunt 
71700üg Xpunög 9.9017 Tiög Zarräp Si primas 
lit-teras iungas, erit ilzüüg, i. e. piscis, in 
quo nomine mystice intelligitux- Christus." 
7 2 Mos. 1-5, 11.
        

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