Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886585
Drittes Buch. 
dieselbe Meinung sprach der hl. Gregor d. Gr. in der oft angezogenen classi- 
schen Stelle aus: was denen, welche zu lesen verstehen, die Schrift, das sei 
den Ungebildeten die Malerei (quod legentibus SCMIJÜILTCL, hoc Iicliotiis praestat 
pictura cernevztiibzes) 1. Die nämlichen Grundsätze herrschten auch in der 
griechischen Kirche. Basilius d. Gr. äussert sich dahin, dass Schriftsteller 
(Äofofpufgaoz) und Maler (Carfpzigpnr), jene durch Worte, diese durch Gemälde, 
Kriegsthaten darstellten, um dadurch zur Tapferkeit zu gemalmen. ,Denn was 
das Wort der Geschichte durchs Gehör Wirkt, das stellt das schweigende 
Gemälde (die ypagßmä auumüaa) dem Auge zur Nachahmung vorf 
Die Apostolischen Constitutionen scheinen uns höher hinaufzuführen. 
,Derjenige,' heisst es in ihnen, ,welcher Lazarus, der seit vier Tagen todt 
War, der des Jairus Töchterlein und den Sohn der Wittwe zum Leben er- 
weckte; der selbst am dritten Tage wieder auferstand; der Jonas nach drei 
Tagen lebendig und unversehrt aus dem Leibe des Meerungeheuers und die 
drei Jünglinge aus dem Feuerofen zu Babylon und den Daniel aus dem Rachen 
der Löwen herausführte u. s. w., der wird auch uns dem Tode entreissenfg 
Ein neuerer Kunsthistoriker hat aus dieser Stelle den Schluss gezogen, 
man könne die Katakombenbilder also als Illustrationen oder auch als die 
Texte der altchristlichen Predigten auffassen 3. Gegen diese Schlussfolgerung 
lässt sich einwenden, dass die Apostolischen Constitutionen in ihrer jetzigen 
Zusammensetzung nicht über das 4., vielleicht 5. Jahrhundert hinaufreichen. 
Indessen kann kaum zweifelhaft sein, dass gerade dieser Text den Widerhall 
der Empfindung enthält, aus welcher heraus unsere Katakombenbilder ge- 
schaffen sind. 
Die Inschriften der Katakomben wollen nicht bloss die Erinnerung an 
den Namen der Verstorbenen erhalten; dass sie auch ganz bestimmte er- 
bauliche Zwecke haben, wird hier und da ausdrücklich bezeugt. Seiner Gattin 
Lucifera setzt z. B. ihr Gemahl ein Epitaph, ,auf dass die Brüder, welche 
es lesen würden, Gott bitten möchten, ihre heilige und unschuldige Seele 
zu sich zu nehmen" (VT QVISQVE DE FRATRIBVS LEGERIT ROGET 
DEVm  VT SANOTO ET INNOCENTI SPIRITO AD DEVM SVSCIPIATVR) 4; 
und eine Grabschrift von Salona erzählt, dass Marcianus zum Besten der 
Seele seiner Gattin ein Denkmal gesetzt hat (PRO CVIVS SPIRITVM  
MARITVS SVPER ARCAM TESELIAM FIGI FECIT) 5. 
Nicht unbeachtet darf die Thatsache bleiben, dass die früheste Aus- 
schmückung von kirchlichen Bauten, über welche wir Nachricht besitzen, den 
lehrhaften Zweck an der Stirne trägt. Die uns nur durch die Beschreibung 
Ugoniois bekannten ältesten Mosaiken an der Decke von S. Costanza (also 
Mitte des 4. Jahrhunderts) stellten biblische Wunder dar, deren Serie dem 
der Taufe vorangehenden katechetischen Unterricht entsprach 6. 
Man darf jetzt die Frage aufwerfen, welcher Grund für die Annahme 
spricht, die nach 312 so entschieden und stark hervortretende lehrhafte Ab- 
1 GREG. M. Epist. IX, ind. IV, ep. 9. 
Cf. ibid. VII, ind. II, cp. 54. 
2 Const. Apost. V 10, a1. 7 (ed. DE LA- 
GARDE p.  
3 SALOMON Vöamm Ueber das Verhält- 
niss der Christen zur bildenden Kunst wäh- 
rend der ersten vier Jahrhunderte (Basel 
1872) S. 27. 
4 LUPI Epit. Severae p. 167.  WILPERT 
Ein Cykl. christol. Gemälde (Freib. 1891) 
S. 50. 
5 Bumö Inscript. e. r. musei Salonitani 
p. 288, n. 160.  WILPERT a. a. O. S. 51, 
Anm. 1. 
G DE Rossl Musaici crist. Lfg. 17_l8. 
Vgl. ,Repert. f. Kunstwissenschafif XII 407.
        

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