Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886553
Altchristliche Malerei: 
Die junge Gemeinde hatte keinen weiten Weg zurückzulegen, um sich 
eine symbolische Ausdrucksweise, eine Bildersprache zu schaffen. Sie war 
im Orient geboren, und die Sprache dieses Orients war von jeher eine sym- 
bolische; die ganze Kunst und Poesie des Morgenlandes war seit Jahrhunderten 
gewohnt und ist noch gewohnt, in Hieroglyphen ihre Gedanken zu verbergen 
und in Gleichnissen sie anzudeuten. So war die Sprache des Alten Testaments; 
die mächtigen Bilder der Propheten und ihre Visionen konnten bei den Christen 
nicht ohne Einfluss sein: vor allem aber war es das Evangelium, war es der Herr 
selbst, der in Gleichnissen zu reden pflegte (Matth. Kap. 24. Marc. Kap. 8): 
sein eigener Mund hatte Allegorien gelehrt wie die des guten Hirten, wie die des 
Weinstocks und der Schösslinge, wie die des Saemanns. Mehr noch als dies. 
Der hl. Paulus hatte in seinem Galaterbrief (4, 22-26) die Juxtaposition 
alt- und neutestamentlicher Vorgänge und Anschauungen gezeigt und von 
der Geschichte Abrahams und seiner beiden Söhne, jenes der Magd und dieses 
der Freien (1 Mos. 16, 5; 21, 2), ausdrücklich erklärt, es sei die Geburt dieser 
Söhne secmzduan carnenz und per promissiovzevn    per allegoriam gesagt, und 
damit war der Weg zur allegorischen Interpretation gewiesen. 
 Dieser Weg ist am frühesten und am energischesten in der alexandri-  
nischen Schule betreten werden. Hier war zu einem solchen freilich der legmjg 
Boden am besten vorbereitet. Hatten schon die Juden Palästinas dogmatische 
Interessen mittelst der allegorischen (Midrasch) wie haggadischen Auslegung 
Zu stützen gesucht, so gingen die alexandrinischen Juden darauf aus, platonische 
Philosophie mit dem alttestamentlichen Gottesworte zu decken: das geschah 
mittelst der allegorischen Interpretation, in welcher Philo der Meister war 
und welche sich von der Art, wie Jesus und die Apostel alttestamentliclie 
Stellen aufnahmen und auslegten, wesentlich dadurch unterscheidet, dass die 
Auslegung Christi und der Apostel niemals einen religiös falschen oder sitt- 
lieh bedenklichen Satz durch Belegstellen des Alten Testaments zu decken 
sucht, während die jüdisch-rabbinische Exegese durchaus nicht von derartiger 
Willkür und Künstelei freizusprechen ist. Philo bildet die Brücke zu dem 
Neuplatonismus; aber noch ehe dieser auftritt, sehen wir die ersten Ansätze 
einer allegorischen Auslegung des Alten Testaments schon bei Clemens von 
Rom, weit mehr noch in dem Barnabasbrief, den aller Wahrscheinlichkeit 
nach ein alexandriniseher Christ des beginnenden 2. Jahrhunderts verfasst hat. 
_Seine Typologie kann schon geradezu ausschweifend genannt werden; mit 
Ihm befinden wir uns sofort auf dem Boden der Zahlenallegorie 1, in welcher 
sich namentlich die Gnostiker des 2. und 3. Jahrhunderts so stark zeigen 2. 
III massvoller Weise folgten Justin, Irenaeus, I-Iippolytus, Cyprian 
dem allegorischen Zug der Zeit, immer in der Absicht, das Dogma zu stützen, 
während der Gnosticismus einen förmlichen Gegensatz zwischen dem Alten 
und Neuen Testament schuf und die grösste Willkür in seine Allegorik hinein- 
1 Man vgl. BARNAB. Ep. c. 9 die Allegorie 
der Zahl 318, wo zu 1 Mos. 17, 26 f. gesagt 
wird: ,Es besehnitt Abraham aus seinem 
Hause 318 Männer  verstehet erstlich die 18, 
dann die 300  Die 18 anlangend, bedeutet 
l zehn, das H acht: da hast du (den abge- 
kürzten Namen) Jesus. Weil aber das Kreuz 
(durch den Buchstaben) T die Gnade unserer 
Erlösung ausdrücken sollte, so spricht die 
Heilige Schrift von 300. So zeigt sie in den 
zwei Buchstaben (IH) Jesum, und in dem 
einen das Kreuz auf Die Stelle ist wichtig 
für die Entstehungsgeschichte des Mono- 
gramms Jesu. 
2 Vgl. REUss Die Heilige Schrift des 
Alten Testaments. II 5 (Braunschw. 1874) 
253.  HEINRIGI Die valent. Gnosis und die 
Heilige Schrift (Berl. 1871) S. 81 f.
        

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