Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886531
Altchristliche Malggji 
4. Jahrhunderts, die doch nichts mit Sepulcralzwecken zu thun haben, wieder- 
kehren, ist dabei ganz übersehen. Darstellungen wie Odysseus, das Bild des 
den Versuchungen der Welt unzugänglichen Christen, beseitigt Schultze, indem 
er sie ,als Trümmerstücke eines fremdartigen Ganzem (sie!) bezeichnet. Dass 
schon bei Clemens Alexandrinus eine Anzahl der auch in den Katakomben 
vorkommenden Symbole, und zwar gerade die wichtigsten, als Ringverzierungen, 
demnach durchaus als nicht sepulcralen Charakters, erwähnt werden, wird 
ganz übersehen 1. 
Es ist denn auch in den Kreisen der protestantischen Theologie den 
Schultzeschen Aufstellungen kein ungetheilter Beifall gezollt worden, vielmehr 
haben sich auch einzelne Stimmen vernehmen lassen, welche Zugaben, dass 
dieselben mit den Thatsachen vielfach nicht vereinbar seien und in sich selbst 
zusammenbrechen. 
Nicht ganz verwirft sie Heinrici, welcher jedoch einen etwas ver- Heim-id- 
schiedenen Weg einschlägt, indem er den Charakter der religiösen Bilder als 
Symbole des unverlierbaren Heilsbesitzes in Christo betont, mithin die bestimmte 
Beziehung auf Tod und Auferstehung nur als Theil eines grössern Ganzen, des 
Gedankens der sich in allweg, vorzüglich aber im Jenseits bewahrenden 
Lebensgemeinschaft im Herrn auffasst und in der christlichen Hoffnung das 
die Auswahl des Sujets bedingende Motiv erblickt 2. 
Zu all den bisher vorgelegten Interpretationsmethoden verhalt sich Ihsenelever- 
Ad. Hasenclever völlig ablehnend 3. Er will nichts von einer, wie er 
sich ausdrückt, hierarchischen Leitung oder Ueberwaohung der Katakomben- 
künstler wissen; dagegen spreche die Anwesenheit heidnischer Elemente sowie 
die Unvollkommenheit der in Frage stehenden Kunstwerke, deren Ausführung 
man wol Handwerkern, aber nicht gebildeten Klerikern zutrauen dürfe  
auch sei das römische Volk für das Verständniss der angeblichen Symbolik 
nicht vorbereitet gewesen, da die allegorische Exegese des Morgenlandes erst 
seit Hieronymus und Augustinus ihren Weg nach Rom gefunden:  alles 
Behauptungen, die, wie man sofort sieht, auf gänzlicher Unkenntniss des 
Alterthums beruhen. Hasenclever greift insofern dann auf Rochette zurück, 
als er auch die völlige Abhängigkeit der christlichen von der antiken Kunst 
Zllgibt, tadelt aber an ihm, dass er doch den symbolischen Charakter der 
erstern festgehalten habe. Er selbst will nun den altchristlichen Graberschmuck 
nur im engsten Zusammenhang mit demjenigen der antiken römischen Welt 
untersuchen, indem er sich damit der modernen (naturalistischen) Betrachtungs- 
weise über die Entstehung und Ausbildung des Christenthums anschliesst. 
Nachdem man, sagt er, hinsichtlich der Gemeindebildung und der Ableitung 
der Basilika (aus der Domus oder der Schola der Römer) den Zusammenhang 
mit der römischen Cultur und Kunst erkannt habe, müsse für die Sepulcral- 
kunst das nämliche Princip in Anwendung kommen, und es müssen auch die 
1 Es ist denn freilich eine auch von An- 
dern bemerkte Inconsequenz V. ScnULTzEs, 
Wenn er den lehrhaften Inhalt und Charakter 
unserer Bildwerke bestreitet, aber den ,Theo- 
logischen Ertrag der Katakombenforschung 
(LPZ. 1882) gegen Harnack vertheidigt. 
2 HEINRICI Zur Deutung der Bildwerke 
altchristlioher Grabstätten (Theologische Stu- 
dlen und Kritiken 1382,  720 a). 
3 AD. HASENCLEVER Der altchristliche 
Gräberschmuck. Braunschweig 1886. Vgl. 
dazu KRAUS im Repertorium für Kunst- 
wissenschafif X 189 H".  POHL in den ,Göt- 
tinger Gelehrten Anzeigen' 1886, S. 966 f.; 
Ders. Die altchristliche Fresko- und Mosaik- 
malerei S. 140 f.  Acmaus Das Symbol 
des Fisches und die Fischdenkmäler der röm. 
Katakomben (Marburg 1888) S. 100 f.
        

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