Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886528
Drittes 
der christlichen Kunst" (1846) dem Einüusse Rochettes nicht gänzlich ver- 
schliessen. Aber auch er verliess den Boden der symbolisch-allegorischen 
Auslegung nicht. 
e. In gewisser Beziehung gilt das selbst von Victor Schultze, welcher 
es (seit 1880) unternahm, der bisherigen traditionellen Auffassung den Krieg 
zu erklären 1. Er geht von der Analogie der bildnerischen Ausstattung der 
antiken griechisch-römischen Gräber und der Zwcckbestimmung der Kata- 
komben aus und sucht eine rein sepulcrale Bedeutung der coemeterialen 
Malereien und Sculpturen festzustellen. Indem er zugleich den Gedanken der 
Auferstehung und des Fortlebens im Jenseits in Gemeinschaft mit Gott und 
Christus in diesen Darstellungen beschlossen findet, meint er ,die ganze 
Symbolik auf einen einfachen Grundgedanken zu stellen und für die Aus- 
legung einen festen Punkt zu gewinnen". In der typischen Auslegung der 
altchristlichen Schriftsteller sieht er bloss ,subjective, nur durch eine all- 
gemeine Tradition geregelte Willküri Mit Unrecht haben, meint er, de Rossi 
und die ihm folgenden Erklärer hinter den symbolischen Bildwerken der 
Katakomben ,dogmatisch-lehrhafte und paränetisch-praktische Zwecke als 
Motive der einzelnen Darstellungen" gesucht,  für die Zeit nach der Mitte 
des 4. Jahrhunderts muss er selbst allerdings die Werthschätzung der christ- 
liehen Bildwerke als Hülfsmittel zu sittlich-religiöser Erziehung als erweisbar 
zugeben. In der vorconstantinischen Zeit erscheine der christliche Bilder- 
kreis nirgends unter einen solchen Gesichtspunkt gestellt, und da die Coeme- 
terien nur geringen Raum gewährten, so sei nicht anzunehmen, dass sie gerade 
zur Erbauung und Belehrung verwendet worden seien  Die Arcandisciplin 
erkläre die christliche Symbolik nicht, sie sei erst gegen Ende des 2. Jahr- 
hunderts nachweisbar, habe also (ein Schluss von einer ungewissen Hypothese 
auf eine feste Thatsache!) den Bilderkreis schon ausgebildet gefunden. Die 
christliche Kunst sei vielmehr einfach der antiken darin gefolgt, dass sie 
Zustände des Lebens' auf dem Grab vorstellte, und habe zunächst, wie in 
den Mahlzeiten, ähnliche Momente geschildert. Dann habe sie auch den 
symbolischen Zug nachgeahmt, der sich in den letzten Zeiten der griechischen 
Kunst zeigte und der sich in gewissen mythologischen Scenen ausspricht. S0 
seien auch die auf christlichen Gräbern vorgestellten biblischen Scenen u. a. 
nichts als Trägerinnen sepulcral-symbolischer Gedanken und Zwecke. Im 
Anschlusse an eine Stelle der Apostolischen Constitutionen2 wird dann an- 
geblich nachgewiesen, dass die Auferweckung des Lazarus, Daniel in der 
Löwengrube, die J onas-Scenen nur den Auferstehungsgedanken ausdrücken 
wollen. Andere Scenen, wie die heilige Familie, Susanna, die Tribunalscene 
in S. Callisto, liessen sich nur als historische Stücke begreifen. Dass zum 
Theil dieselben Scenen auf den Sarkophagreliefs wie auf den Goldgläsern des 
1 Vrcmon SCHULTZE Archäolog. Studien 
über altchristliche Monumente (Wien 1880) 
S. 1 ff.; Die Katakomben S. 95 f., und Ueber 
den gegenwärtigen Stand der kirchlich-archäo- 
logischen Forschungen (Lurnnnnrs Zeitschr. 
für kirchliche Wissenschaft und kirchliches 
Leben 1888, S. 301i). Vgl. dagegen meine 
Besprechung des erstgenannten Werkes in 
der ,Literar. Rundschau" 1881, Nr. 1, lSp. 2. 
 In Frankreich hat MARIGNAN (Etudes 
diconographie relig. Paris 1889) die Schultze- 
sehen Ansichten zu verbreiten gesucht. Vgl. 
dazu ALLARD in der Revue de Part chretien 
XXXI (1888) 299. In seinem neuesten 
Werke ,Archä01. der altchristlichen Kunsif 
(Miinch) 1895 hat Hr. Prof. V. SCHULTZE 
seine frühere Auffassung sehr zurücktreten 
lassen und sich der unsrigen entschieden 
genähert. 
2 Const. Apost. V 7.
        

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