Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ornamentenschatz
Person:
Dolmetsch, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1882183
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1884714
DEUTSCHE 
RENAISSANCE. 
WAND- 
UND 
DECKENMALEREI, 
INTARSIEN 
UND 
LEIN EN STICKEREI. 
Totz der eigenartigen Richtung, welche die Kunst der Renaissance in Deutschland nimmt und durch 
welche sie sich noch mehr von der Antike entfernt als in Italien und Frankreich, treten doch immer Spuren, 
und oft sehr deutliche, hervor, welche auf das Mutterland der Renaissance zurückführen. So zeigen Fig. 2A5 
unverkennbar italienischen Einfluss, der sich aber leicht durch Studienreisen der Urheber jener Malereien 
in Italien erklären läfst, wie sich ja z. B. auch Dürer u. A. längere Zeit dort aufhielten, um die neue 
Kunst an Ort und Stelle genau kennen zu lernen.  
Diese Malereien bevorzugen helle und heitere Töne auf ganz oder wenigstens beinahe farblosem 
Grunde. In ihrem Charakter haben sie manche Ähnlichkeit mit altrömischen Verzierungen. Dies gilt auch 
von Fig. I; der Schöpfer dieser und anderer ähnlicher Dekorationen im Fuggerhause dürfte jedoch in der 
Person eines italienischen Meisters zu suchen sein, welcher wahrscheinlich nach der Sitte jener Zeit von 
dem reichen Fugger aus Italien berufen und mit der Ausschmückung seines grossartig angelegten Hauses 
betraut worden war. 
Fig. 6 zeigt uns eine jener vielen eingelegten Arbeiten, die ebenso durch den Reiz der Zeichnung, 
die Feinheit der Ornamente, die unerschöpfliche Abwechslung der Motive, wie durch die geradezu erstaun- 
liche Geduld und Mühe, von welcher sie Zeugnis geben, die gerechte Bewunderung unserer Zeit erregen. 
Auch bei diesen Gegenständen wurde viel Gewicht auf eine Wirkung durch Farben gelegt, wobei die 
Schattierungen durch Einbrennen hervorgebracht wurden. 
Im mittleren Teile dieser Figur finden wir sodann eine der deutschen Renaissance eigentümliche 
Ornamentbildung, deren Entstehung zweifellos auf die damals zu hoher Blüte gelangte Schmiedekunst 
zurückgeht. Es werden nämlich flache Metallbeschläge geradezu nachgebildet mit ihren Nieten und Nägeln; 
die Bänder, in welche das nachgeahmte Metallblech ausläuft, werden häufng zu stylisiertem Blattwerk 
ausgearbeitet oder umgebogen und aufgerollt. 
Was die Leinenstickerei betrifft, so dürfte bekannt sein, welclf sorgfältiger Pflege in der deutschen 
Familie sich dieselbe zu erfreuen hatte. Selbst grofse Künstler, wie die beiden Holbein, hielten es nicht 
unter ihrer Würde, diesen Zweig des Kunstgewerbes durch eigenhändige Entwürfe zu unterstützen. 
Fig. 
77 
77 
77 
7') 
Wandmalerei von den Baderäumen im Fuggerhause zu Augsburg. 
3 u. 5. Desgl. im Rittersaale der Trausnitz zu Landshut. 
Deckenmalerei daselbst. 
Eingelegte Holzarbeit vom Deckel einer Kassette. 
Gestiekte Bordüre an einer Leinendecke. 
Fig. 
n 2' 
n 
n 
Aufgenommen von Zeichner Paul llaaga in Stuttgart. 
„ „ G. Gräf, Vorstand der Fachabteilung der gewerbl. Fortbildung: 
„ „ Fabrikant C. Baur in Biberach. 
Nach dem im Besitze des Konditor; Schauffele in Schwäbisch Hall befindlichen 
zu München. 
Fortbildungsschule 
Originale.
        

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