Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ornamentenschatz
Person:
Dolmetsch, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1882183
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1884296
ITALIENISCHE 
RENAISSANCE. 
M AJOLIKA- MALEREI. 
Höchst wahrscheinlich stammt der Name Majolika her von der Insel Majorka, wo die Thonbildnerei 
namentlich von den Mauren in grofsem Umfang betrieben wurde und von wo diese Kunst sodann nach 
Italien verpiianzt wurde. Man pflegt gegenwärtig unter Majolika alle feineren und mit gröfserer Sorgfalt 
als die gewöhnlichen Töpferwaren ausgeführten Fayencegegenstände zu verstehen, d. h. solche, welche im 
wesentlichen aus gewöhnlichem Thon hergestellt und mit einer undurchsichtigen Glasur und mit Farben 
überzogen sind. Das technische Verfahren war ein doppeltes: entweder wurde das Geschirr aus Thon 
(terra cotta), nachdem es seine bestimmte Gestalt erhalten, gebrannt, sodann wurde es in die flüssige Zinn- 
glasur, welche nicht durchscheinend ist, eingetaucht und sogleich bemalt und durch ein nochmaliges Brennen 
fertig gestellt, oder aber, weil das genannte Verfahren lange Zeit Geheimnis einzelner Meister blieb, half 
man sich auf folgende Weise: man überzog den rohen Thongegenstand mit einer dünnen Schichte von 
weifsem Pfeifenthon, welcher dann erst die (durchscheinende) Bleiglasur erhielt. Als Erfinder der Zinnglasur 
gilt Lucca della Robbia, welcher gegen Ende des XV. Jahrhunderts hiemit einen totalen Umschwung in der 
Fayencetechnik zuwege brachte. Eine besondere Berühmtheit haben die zahlreichen aus dieser Künstler- 
farnilie hervorgegangenen prächtigen Reliefs erlangt. 
Die italienischen Majolikaarbeiten der Renaissancezeit erregen heute noch unsere gerechte Bewun- 
derung, nicht allein wegen der edlen Formen, die bei den mancherlei Gefäfsen zu Tage treten, sondern 
hauptsächlich auch wegen der Malereien, von denen sie bedeckt sind. Meister in ihrem Fache waren jene 
Thonbildner und Thonmaler, und wenn auch manche wegen des grofsen Absatzes ihrer Erzeugnisse sich zu 
mehr handwerksmäfsiger Fabrikation verleiten liefsen, so spricht doch aus allen diesen Gegenständen ein 
feines Gefühl für künstlerische Form und edle Schönheit. 
Bei den Farben herrschen, wie schon früher bemerkt, blau, grün, gelb, orange und violett vor. 
Manche Gefäfse weisen auch reichen perlartigen Lüster, andere Stücke besonders das sonst seltene Rot 
u. s. w. auf: Kennzeichen, welche auf einen bestimmten Meister oder eine bestimmte Fabrik schliefsen lassen. 
Dargestellt wurden auf solchen Platten, Tellern u. s. w. nicht blofs Ornamente, Rankenwerk, einzelne 
Figuren u. dergl., sondern sogar Kopien oder freie Umbildungen ganzer Bilder und Gemälde bedeutender 
Meister und zwar mit Vorliebe oft so, dafs diese bildlichen Darstellungen das ganze Gefäfs, den Rand der 
Platten 
bedeckten. 
Fig. I. Untere Endigung eines Madonnenreliefs von der Schule der Robbia. 
„ 2. Flächenmuster am Sakristeibrunnen in der Kirche St. Maria novella in Florenz. 
„ 3-5. Randverzierungen an Platten aus der Fabrik zu Facnza. 
 6. Bauchverzierung an einer Henkelvase von dorten. 
„ 7-9. Profilverzierungen an einer Vase von dorten. 
„ 10. Profilverzierung an einem Schreibzeug von dorten. 
„ 11-13. Randverzieru-ngen an Platten von dorten. 
„ 14-49. Desgleichen an Platten aus der Fabrik zu Chaffagiolo. 
27 20' 11 n 11 n 11 n n   
n 2I_"'23' n n n 7-1 n zu n Urbino- 
„ 24-27. Diverse Gefäfse aus der Fabrik zu Urbino. 
„ 28. Platte aus der Fabrik zu Pesaro. 
„ 29. Randverzierung an einer Platte aus der Fabrik zu Pesaro. 
Fig. l, 21, 22, 24-27 nach den im Bargello zu Florenz befindlichen Originalen, aufgenommen von Regierungs-Bauineister 
Borkhardt in Stuttgart.  
Fig. 2 von Bauinspektor Knoblauch in Tübingen. 
Das Übrige entnommen aus: I) "Darcel, Recueil de faiexices italiennes des XV., XVI. et XVII. sieclesß 
z) „Waring, Art treastires of the United-Kingdon1f'
        

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