Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ornamentenschatz
Person:
Dolmetsch, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1882183
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1884123
ITALIENISCHE 
RENAISSANCE. 
SPITZENTECHNIK. 
Im Altertum unbekannt und jedenfalls erst seit Ende des 15. Jahrhunderts zu künstlerischer Vollkommen- 
heit gelangt, kann die Spitzentechnik so recht eine Schöpfung der Renaissance genannt werden. Und 
zwar ist Italien, namentlich mit den beiden Städten Venedig und Genua der Boden, dem man sowohl die 
Nadelspitzen als auch die feinste Gattung der auf dem Klöppelkissen gefertigten Arbeiten zu verdanken 
hat. Die ersteren, die sogenannten "points", sind als die kostbarere Gattung zu betrachten. Ihre Technik, 
bei welcher Grund und Ornamente aus lauter a jour gefertigten einzelnen Stichen bestehen, läfst eine 
äufserst zarte und graziöse Gestaltung zu. Ihre Ausführung beruht aber auf einem sehr umständlichen und 
schwierigen Verfahren, wobei nur kleine Stückchen von ca. 10 cm Ausdehnung ausgeführt werden können, 
die alsdann nach ihrer Vollendung zu einem zusammenhängenden Ganzen aneinandergefügt werden müssen, 
weshalb bei der Komposition der Spitzenmuster notwendig auf die Möglichkeit einer unbemerkbaren 
Zusammensetzung der einzelnen Teile Rücksicht genommen werden mufs. Die geschätzteste der genähten 
Spitzen ist die venetianische Reliefspitze, bei welcher alle Blätter, Blumen etc. erhabene Ränder zeigen. 
Eine noch höhere Stufe dieser Spitzengattung wird in Arbeiten mit hochaufgestellten Blättern erreicht 
(Fig. 7 u. 8). Die Technikder geklöppelten Spitzen oder Kissenspitzen (dentelles) besteht in kunstvollem 
Verknüpfen und Verflechten von Fäden nach einem durchdachten Systeme. Bezüglich der Feinheit dieser 
Klöppelspitzen gibt es bedeutende Gradverschiedenheiten, welche auf die Schwierigkeit der Ausführung, wie 
auf die Kostbarkeit derselben von gröfstem Einflüsse sind. 
Das Spitzen-Ornament schliefst sich dem übrigen Renaissance-Ornament vollständig an, mit der 
Beschränkung, dafs hier natürlich Pflanzenmotive entschieden vorwiegen, obgleich auch bildliche Darl 
Stellungen, 
Vögel 
keineswegs 
fehlen. 
Venetianische 
Spitze. 
Venetianische Relief-Spitze. 
Desgl. mit hochaufgestellten 
Blättern. 
Genähte 
Arbeit. 
Roselina-Spitze. 
Reticella-Spitze. 
Italieriische 
Guipure. 
Genueser 
Kirchenspitze. 
Klöpp elarbeit. 
Kragen 
venetianischer 
Guipure. 
Diese aus dem I6. u. I7. Iahrhundert stammenden Spitzenmuster sind nach Kopien reproduziert, welche in der vom k. k. öster- 
reichischen Slaale zur Ausbildung von Spilzenlehrerinnen errichteten Zentral-Spitzen-Schule zu Wien in meisterhafter Weise gefertigt und 
durch Vermittelung der bekannten aus dem Erzgebirge stammenden Spitzen-Firma „A. Kliegl 8c S ohn, Kg], Hofliefcranten in Stuttgart" 
für unsere Publikation zur Verfügung gestellt wurden.
        

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