Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ornamentenschatz
Person:
Dolmetsch, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1882183
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1883768
Tafel 
ROMANISCH-GOTHISCH. 
FUSSBODEN-BEKLEIDUN GEN. 
 o nicht verschiedenfarbige Steinarten zur Herstellung eines kunstreichen Bodenbelags zu Gebote 
standen, lag es nahe, zur Ausschmückung von Böden Thonplättchen oder gravierte Steinplatten zu ver- 
wenden. Solche Steinplatten mit ihren in farbigem Zement ausgeführten Zeichnungen (Fig. 1-8) trafen 
wir schon bei der Besprechung der" arabischen Ornamentik, wie auch Thonplättchen, die zu einer Art 
Mosaikboden (Fig. 9-16) zusammengefügt wurden. Im letzteren Falle Enden wir namentlich in der Zeit 
der Herrschaft des romanischen Stiles entweder jede einzelne Farbe durch ein besonderes Plättchen in der 
entsprechenden Form vertreten (Fig. 13-16) oder wird das Ornament in eine Thonplatte eingedrückt, die 
Vertiefung mit verschieden gefärbtem Zement ausgegossen und das Ganze endlich mit einer durchsichtigen 
Glasur überzogen (Fig. 17-27). 
Daneben kam auch der Gebrauch auf, der sich dann besonders in der Zeit der Gothik verbreitete, 
die einzelnen Fliesen mit Hilfe eines Modells mit einer vertieften oder erhabenen Zeichnung zu versehen. 
Diese Plättchen, von denen gewöhnlich vier in ihrer Zusammensetzung erst das beabsichtigte Ornament 
bilden, wurden in ihrer Naturfarbe belassen und mannigfach auch glasiert. 
Natürlich stofsen wir bei der mosaikartigen Zusammensetzung fast nur auf einfache geometrische 
Motive, während bei den andern oben erwähnten Arten von Fufsbodenbekleidungen hauptsächlich die 
Menschen-, Tier- und Pflanzenwelt zur Erscheinung kommt. Unter den Pflanzen sind es insbesondere die 
Lilien in den mannigfachsten Stilisierungen und, wie bei der Glasmalerei, die Blätter der Eiche und Rebe, 
die überall wiederkehren.  
Fig. 1-8.  Gravierte Steinplatten aus der alten Kathedrale zu St. Omer, XIII. Jahrhundert. (Grund braun, 
innere Zeichnung bei Pferd und Reiter rot ausgefüllt.) 
„ 9u.Io. Mosaikböden von gebranntem Thon emailliert, aus einer Sammlung in Dresden (schwarz und 
 rot, Mittelpunkte mit weifser Einfassung), XIII. Jahrh. 
 IIu. I2. Desgleichen aus der Klosterkirche Colombe-les-Sens (rot, schwarz und gelb), XII. jahrh, 
„ 1311.14. Desgleichen aus der Abteikirche zu St. Denis (rot, schwarz und gelb), XII. jahrh. 
„ 15u.16. Desgleichen aus der alten Abteikirche zu Pontigny, XII. Jahrh. (gelb, rot und schwarz auf 
grünem Grunde.) 
„ 17-23. Emaillierte Thonfliese aus St. Pierre-sur-Dive, XII. jahrh. (gelb und schwarzbraun). 
 24u.25. Desgleichen aus der Kirche zu Bloxham, XIII. Jahrh. (rot und gelb). 
„ 26u.27. Desgleichen aus der Beddington-Church in Surrey, XV. Jahrh. (rot und gelb). 
„ 28. Gravierte Thonfliese aus dem Rathause zu Ravensburg (Naturfarbe ohne Glasur), XIV. jahrh. 
 29. Desgleichen aus einem Patrizierhause daselbst, XIV. Jahrh. 
„ 30. Thonfiiese mit vertieftem Grund, Naturfarbe ohne Glasur, XIVÄJahrh. aus d. Kirche zu Gaildorf. 
„ 31. Thonfliese mit vertieftem Grund und reliefierten Figuren aus d. Kloster zu Alpirsbach, XII. Jahrh. 
Fig. 24-25. Nach Aufnahmen von Architekt Theophil Frey in Stuttgart. 
„ 2811.29. „ „ „ Zeichenlehrer Bosch in Ravensburg. 
„ 30. „ „  „ H. Dolmetsch.  
Das Ubrige entnommen aus: 
.,lIassler, Schwäbische Fliese. Verhandlungen des Vereins für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben." 
"Cahier et Martin, Suite aux mölanges dälrchäologie."  
„Calliat, Encycloläödie (Parchitectureß 
"Amö, Les cnrrqlages emaillös du moyen-äge et de la renaissance." 
"Vinllet-le-Duc, Diciionnaire raisonnö de Parchitecture frangaise du XI. au XVI. siecle." 

        

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