Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ornamentenschatz
Person:
Dolmetsch, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1882183
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1883577
Tafel 
BYZANTINISCH. 
GLASSTIFTMOSAIK, 
EMAIL- 
UND 
MANUSKRIPTMALEREI. 
Mit dem Verfall des weströmischen Reiches und dem Aufblühen des oströmischcn oder byzan- 
tinischen geht vom  Jahrhundert Hand in Hand auch der Untergang der Kunst auf italienischem 
Boden, während dieselbe unter dem Schirm des mächtigen Kaisertums, das seinen Mittelpunkt zu Byzanz 
hatte, an dem glanzvollen Hofe eine sichere Heimstätte gefunden hatte. 
Obgleich diese byzantinische Kunst keineswegs eine originale war, sondern im wesentlichen an die 
spätrömische anknüpfte, auch von der altgriechischen naturgemäfs vieles in sich aufnahm und selbst dem 
Einflufs des Orients sich nicht verschlofs, so bewirkten doch die zerrütteten Zustände des Westens, dafs 
dort nicht nur der byzantinische Stil bis zum Ende des ersten Jahrtausends und darüber hinaus eine be- 
herrschende Stellung einnahm, sondern sogar Kunstgegenstände aus dem oströmischen Reiche massenweise 
in Italien eingeführt wurden und Künstler und Handwerker von dort ihre Technik und ihren Stil daselbst 
zur Geltung brachten. S0 begreifen wir auch, dafs in fast allen Ländern Europas sich Kunstgegenstände 
finden, die ihren byzantinischen Ursprung nicht verleugnen können. 
Staatsgebäude, Paläste, Kirchen waren im Innern aufs herrlichste geschmückt. Ganz besonders 
entsprach der Prachtliebe der damaligen Grofsen die sogenannte Glasstiftmosaik, welche mit kleinen Glas- 
i-lusswürfeln von verschiedener Gröfse die gewaltigen Gemälde (z. B. in der Sophienkirche zu Konstantinopel) 
schuf. Charakteristisch ist bei denselben die durchgängige Anwendung des Goldgrundes, wie überhaupt 
Gold eine fast unbegrenzte Verwendung fand.  Daraus ergab sich, dafs die daneben vorkommenden 
Farben sehr satt und kräftig gehalten sein mufsten.  Es sind dies meist Rot, Blau und Grün. 
Auch beim Zellenschmelz kehren diese satten Farben überall wieder. Diese Technik wurde höchst 
wahrscheinlich aus China oder aus Indien schon in sehr früher Zeit eingeführt. Zur Unterlage für den 
Schmelz und die trennenden Metallfäden wurde entsprechend dem herrschenden Luxus fast nur Gold 
verwendet. 
Die Ornamentik bewegt sich entweder in geometrischen, mehr oder weniger einfachen Mustern 
(vergl. Figur 6 u. 7) oder bringt sie schönes stilisiertes Rankenwerk zur Darstellung. Letzteres hat in der 
ersten Zeit viele Aehnlichkeit mit altgriechischer Behandlungsweise, aber bald läfst sich, so z. B. bei Akan- 
thusblättern, eine zunehmende Erstarrung der Formen erkennen, namentlich bei der Manuskriptmalerei. 
Zu erwähnen ist noch die vielfache Anbringung christlicher Symbole, namentlich des Kreuzes. 
Fig. 
77 
77 
77 
11 
E1 
I. Glasstiftmosaik vom Tonnengewölbe über dem Hauptschiffe der Grabkirche der Galla Placidia. 
zu Ravenna. 
2. Glasstiftmosaik von den Wänden der Markuskirche zu Venedig. 
3- „ an einer der Halbkuppeln der Sophienkirche zu Konstantinopel. 
4- „ vom Gewölbe des Baptisteriums der Ecclesia Ursiana (S. Giovanni in Fonte) zu 
Ravenna. 
5  9. Zellenschmelz von einem Altar-Antependium in der Klosterkirche zu Komburg bei Schwäb. Hall. 
IOU..II. Manuskriptmalereien aus Evangelienbüchern des X. u. XI. Jahrhunderts in der Kaiserlichen 
Bibliothek zu St. Petersburg. 
1211.13. Ornamente aus einem Manuskripte des XIII. Jahrhunderts im öffentlichen Museum zu Moskau. 
Fig. I. Nach Aufnahme des Bauinspektors A. Knoblauch in 'l'ubingen. 
„ 4-  „ „ Reg-Baumeisters A. Borkhardt in Stuttgart. 
„ 5-9. „ „ „ Malers H. Grofs, Professors an der Kgl. Kunstgewerbeschule zu Stuttgart. 
Das Übrige entnommen aus:  
„Hessemer, arabische und altitalienische Bauverzierungen." 
"Salzenberg, altchristliche Baudenkmale von Konstantinopel." 
„I3outovsky, histoire de Pornemenl russe du X. au XVI. siecle, (Papres les manuscrits."
        

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