Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Anatomie von Hirsch, Reh und Ziege
Person:
Ellenberger, Wilhelm Baum, Hermann Dittrich, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1881643
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1881957
Im Anschluß an die vorstehende Schilderung der auf den 
Tafeln gezeichneten anatomischen Teile seien noch 
einige Besonderheiten besprochen, die sich auf 
Lippen, Nase, Auge und äußere Behaarung be- 
ziehen.  
Lippen. Die Spürhaare der Lippen sind verhältnismäßig groß und 
zahlreich an der Unterlippe und hier ziemlich gleichmäßig 
verteilt. An der Unterlippe tritt das Kinn hervor; Es er- 
scheint beim Hirsch gespalten durch eine mittlere Furche, 
die schmal nahe dem freien Lippenrande beginnt und dann 
nach hinten zu allmählich weiter wird. Bei der Ziege be- 
finden sich hinter dem Kinn der deutliche Bart und hinter 
diesem in der Kehlgangsgegend nicht selten die sogenannten 
Glöckchen, welche scheinbar Hautverlangerungen von ver- 
schiedener Form darstellen. An der Unt erlippe reichen 
die Deckhaare bis auf wenige Millimeter an den freien Rand 
der Lippe heran. Der letztere erscheint schwarz bzw. schwärz- 
lich und ist dadurch ausgezeichnet, daß er in der dem Lippen- 
Winkel benachbarten Partie große, vorspringende Wärzchen 
(Papillen) tragt, die freilich nach Form und Länge bedeuten- 
den Schwankungen unterworfen sind. Bei der Ziege er- 
strecken sich die kegelförmigen Wärzchen auch auf die dem 
Mundwinkel abgekehrte Partie der Unterlippe und reichen 
bis zu deren Mitte. Die nach dem behaarten Teile der Lippe 
zu gelegenen Wärzchen sind mehr kegelförmig (besonders bei 
Hirsch und Reh), die nach innen stehenden hoch und 
meist zungenförmig, außerdem öfter geteilt bzw. gelappt. Sie 
gehen am Lippenwinkel in die Warzchen der Backenschleim- 
haut über. Die den freien Lippenrand überziehende Haut ist 
haarlos und sehr oft schwärzlich bzw. braunschwarz. Die 
Schleimhaut der Unterlippe und vor allem das Zahnfleisch 
erscheinen ebenfalls an einzelnen Stellen schwärzlich (pig- 
mentiert). Eine Ausnahme hiervon machen die weißen 
Ziegen. 
Papillen in der dem Mundwinkel abgekehrten Partie der Lippe 
sogar bis zur Mitte der Oberlippe. Am Zwischenkiefer ist die 
Schleimhaut verdickt zur Zahnplatte, die beim Hirsch eine 
feinkörnige Oberfläche hat. Nahe der Zahnplatte und an deren 
Randpartien ist die Schleimhaut meist pigmentiert (ausge- 
nommen bei weißen Ziegen). Der mediane (mittlere) Teil der 
äußeren Fläche der Oberlippe und die zwischen beiden Nasen- 
Hügeln gelegene Nasenspitze sind unbehaart; so entsteht eine 
dem Flotzmaule des Rindes zu vergleichende Bildung, die 
bei der Ziege, bei der sie am wenigsten deutlich ist, als 
Nasenspiegel bezeichnet wird. Sie ist bei Hirsch und 
Reh und an einem kleinen Teil auch bei der Ziege ge- 
feldert und erscheint feucht und mehr oder weniger glänzend. 
Im Gegensatz zum Rinde trägt sie bei Hirsch und Reh 
vereinzelte deutliche und ziemlich lange Haare. Das Flotz- 
maul erstreckt sich vom unteren Nasenwinkel aus zum kleinen 
Teil noch auf den äußeren Nasenflügel und ungefähr auf die 
untere Hälfte des" inneren Nasenflügels, bei der Ziege sogar 
fast auf den ganzen inneren Nasenflügel. Bei der Ziege ist 
außerdem die Oberlippe in der Mitte durch eine tiefe Furche 
 (Lippenrinne) gespalten. 
Die Oberlippe ist viel wulstiger als die Unterlippe, so daß der freie 
Rand dicker ist als dort." Die Haare reichen direkt bis an 
den freien Rand heran. Auch bei der Oberlippe trägt die 
Schleimhaut in der dem Mundwinkel benachbarten Partie 
Wärzchen, die vom behaarten Teil aus zunächst in der Regel 
niedrig, kegelförmig und fast körnig sind, dann aber höher 
werden. Bei der Ziege erstrecken sich diese warzenförmigen 
Das Nasenloch hat im allgemeinen eine halbmondförmige Gestalt, so 
daß der untere Nasenwinkel nach unten und innen, der obere 
nach oben und außen gerichtet ist. Die Behaarung hört 
bei Hirsch und Reh nicht direkt am äußeren Rande des 
Nasenloches ganz auf, sondern erstreckt sich ein wenig noch 
auf die Innenfläehe der Nasenflügel. Beim äußeren Nasenflügel 
tritt dies am deutlichsten hervor, am wenigsten deutlich am 
unteren N asenwinkel. Der innere Nasenflügel trägt sogar an 
seiner Innenfläche in seiner unteren (inneren) Hälfte etwas 
stärkere Haare, die das Eindringen von Staub verhindern 
sollen. Bei der Ziege ist die Behaarung ähnlich; sie 
hört aber am freien Rande der Nasenflügel auf. Nur an 
der Innenfläche der inneren Nasenflügel finden sich ver- 
 einzelte, etwas stärkere Schutzhaare gegen das Eindringen 
von Staub usw. 
Auge. Die Augenlider zeigen die bekannten Lidfurchen und 
die großen Spürhaare , die besonders über dem inneren 
Augenwinkel zahlreich sind. Die Behaarung der Augenlider 
ist im übrigen die übliche. Am freien Rande des oberen 
Augenlides finden sich die Wimpern, die zwar verschieden 
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