Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Anatomie der Tiere für Künstler
Person:
Ellenberger, Wilhelm Baum, Hermann Dittrich, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1878737
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1879946
Tiere in die Erscheinung' tritt, ist deshalb sehr schwierig und immer nur 
relativ zu verstehen. 
Die meisten Muskeln werden von dünnen, weissen Faserhäuten, den Fascien 
(Sehnenhautcn), umhtillt, welche unter anderem auch dazu bestimmt sind, den 
Fleischkörper zusarnmenzuhaltenf Die meist rundlichen, seilartigen Sehnen der Mus- 
keln können auch als platte, hautartige Gebilde auftreten und heisscn dann Aponeu- 
r osen (Sehnenhäute). Wo bedeutende Reibungen vorkommen, werden die Sehnen 
durch härtere, kuorpelige oder knöcherne Einlagerungen, die Sehnen- oder Sesam- 
bein e, verstärkt, die sich von den Sehnen ablösen können und ihnen dann als Unter- 
lage dienen. An den Stellen, wo die Sehnen über Knochenvorragungen gehen oder 
wo dieselben gegenseitigen Reibungen ausgesetzt sind, finden sich neben oder unter 
denselben entweder die mit einer schmierigen Masse, der Synovia, gefüllten, sackartigen 
Schleimbeutel, oder die Sehnen werden von synovialen Scheiden, den Sehnen- 
sch eiden, umgeben. 
Was den Bau der Muskeln anbetrifft, so genügt es, hier festzustellen, dass sich 
dieselben aus einem bindegewebigen Stützgerüst, das auch den Muskel umhüllt, und 
aus den zu Bündeln aneinander gelegten Muskelfasern aufbauen und dass dazu noch 
Gefässc und Nerven kommen, die im Stützgeriiste ihre Lage haben und zu den Muskel- 
fasern in bestimmte Beziehungen treten. 
In Bezug auf die Lage der Muskeln unterscheiden wir vom Standpunkte des 
Künstlers aus oberflächliche und tiefe Muskeln. Die ersteren sind an dem entbäuteten 
Körper m. o. w. direkt sichtbar; ihre Fleischkörper und ihre Sehnen zeichnen sich 
deshalb grösstenteils am lebenden Körper, namentlich bei der Muskelkontraktion 
plastisch ab. Über diese Muskeln, ihre Form, Lage, Ansatzpunkte, Wirkungen u. dgl. 
muss der Künstler genau orientiert sein. Die tiefen Muskeln, welche Vertiefungen im 
Skelett ausfüllen und die oberflächlichen Muskeln vorwölben, kommen plastisch nicht 
so wesentlich in Betracht als die oberflächlichen; sie können deshalb kürzer besprochen 
werden. Dies ist aber mit Einschränkung zu verstehen. An manchen Körperstellen 
sind die oberflächlichen Muskeln so dünn, dass sich die tieferen Muskeln durch die- 
selben hindurch modellieren und dass es sonach nicht die oberflächlichen, sondern die 
tieferen Muskeln sind, welche die Formung bedingen und die Formveränderungen 
hervorrufen. In diesem Falle sind also auch die tieferen Muskeln genau zu schildern. 
Nach der Form der Muskeln unterscheidet man lange, breite und kurze Muskeln. 
Die langen, hauptsächlich an den Gliedmassen liegenden Muskeln haben meist einen 
spindelförmigen Fleischkörper und gehen in der Regel an einem Ende in eine seil- 
ähnliche Sehne aus. Die breiten, meist am Rumpf- und Gliedmassengürtel liegenden 
Muskeln haben einen breiten, platten Fleischkörper und flache, hautähnliche Sehnen. 
Die kurzen Muskeln finden sich an den Enden der Gliedmassen, im Gesicht und ver- 
einzelt auch an anderen Körper-stellen; sie bestehen aus einem kurzen Fleischkörper, 
der sich direkt oder mit kurzer Sehne an die Knochen anheftet. Man kann endlich 
auch noch von dicken Muskeln sprechen, die auch nur kurze Sehnen haben, und von 
Ringmuskeln, welche rund um Körperölfnungen liegen und keine Sehnen besitzen. 
An jedem Muskel, vor allem aber an den langen Muskeln, unterscheidet man 2 End- 
stücke und ein Mittelstück; das eine Endstück heisst Kopf, das andere Schwanz und 
das Mittelstück Muskelbauch. Welches Ende eines Muskels man als Anfang und 
welches man als das Ende auffassen will, ist Ansichtssache und richtet sich nach Her- 
kommen und Gebrauch. Bei Muskeln, die ein flXCS und ein mobiles Ende haben, wird 
ersteres als Anfang, letzteres als Ende bezeichnet. Fängt ein Muskel an 2 und mehr 
Punkten an, dann wird er als Qköpfig, 3köpfig, mehrköptig bezeichnet; endet er an
        

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