Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Anatomie der Tiere für Künstler
Person:
Ellenberger, Wilhelm Baum, Hermann Dittrich, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1878737
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1879914
kann das Kauen natürlich unter den gegebenen Umständen nur auf einer Seite statt- 
finden, d. h. auf der Seite, nach der der Unterkiefer hingezogen wird. Beim Kauen 
wird die Gelenkiläche des Unterkiefers der unthätig bleibenden Seite lippenwärts auf 
die Gelenkwalze gezogen, während die der thätigen Seite zurückgedrängt wird bis 
an den Gelenkfortsatz des Schläfenbeins. Dadurch wird der Unterkiefer nach der 
Kauseite derart bewegt, dass die betr. Zahnreihe des Unterkiefers in ihrer ganzen 
Länge unter die des Oberkiefers gelangt, während die andere Zahnreihe ganz nach 
innen von der Zahnreihe des Oberkiefers tritt. Zum Zermalmen des Futters werden 
die Gelenktlächen des Unterkiefers unter kräftigem Heranpresseir des Unterkiefers an 
den Oberkiefer in die Ruhestellung zurückgeführt; dabei werden die Reibeflächen der 
Zahnreihen des Unterkiefers an denen des Oberkiefers kräftig vorbeigerieben, und da- 
durch wird die Nahrung zermalmt. Das seitliche Bewegen des Unterkiefers nach der 
thätigen Seite findet mit Abziehen und das Zurückbewegexi mit Anziehen des Unter- 
kiefers statt. Es sind also beim Kauen 2 Momente zu unterscheiden 1. Abziehen des 
Unterkiefers mit Bewegung desselben nach der Kauseite und 2. Anziehen des Unter- 
kiefers mit Bewegung desselben nach der unthätigen Seite. 
Die Fleischfresser und Schweine bewegen zum Zwecke des Kauens den 
Unterkiefer nur ab- und aufwärts, das Kauen gleicht dem Öifnen und Schliessen einer 
Scheere; sie zerschneiden mit den vorderen, Scheerenblättern gleichenden Backzähnen 
die Nahrung; mit den hinteren, an der Reibefläche höckerigen Zähnen wird die Nah- 
rung zerquetscht. 
Beim Kauen werden die Lippen geschlossen gehalten, nur die Wiederkäuer 
kauen, besonders beim Wiederkauen, mit geöffnetem Munde, halten dabei aber den 
Kopf wagereeht zum Schutze gegen das Herausfallen des Futters aus dem Munde. 
Die Backen werden fest gegen die Backenzähne gepresst, um das Heraustreten des 
Futters in den zwischen Backenzähnen und Backen befindlichen Backenvorhof zu 
hindern; eventuell haben sie das Vorgefallene wieder zwischen die Reibeilächen der 
Backzähne zu schaffen. 
Die 
Atmung. 
Die Atmung zerfällt in die Ein- und Ausatmung. Die Einatmung erfolgt 
durch eine Erweiterung des Brustkastens, bezw. der Brusthöhle durch Muskelwirkung. 
Die Erweiterung des Brustkastens führt zu einer Erßveiterung (Ausdehnung) der Lungen, 
deren Folge das Einsaugen von Luft durch die Nasenlöcher und die Luftwege in die 
Lungen ist. Die Erweiterung des Brustkorbs erfolgt z. Th .durch die Bewegung der 
Rippen, z. Th. durch die Wirkung des Zwerchfells. Die Rippen werden durch be- 
stimmte Muskeln aus- und vorwärts (kopfwärts) gedreht; dadurch wird der Querdurch- 
messer des Brustkorbs erheblich vergrössert. Erfolgt die Atmung wesentlich in 
dieser Weise, sodass das beobachtende Auge die Bewegungen des Brustkorbs deutlich 
sieht (wie z. B. bei den Frauen), dann spricht man vom Rippenatmen (Costaltypus). 
Durch die Bewegungen des Zwerchfells wird der Längsdurchmesser der Brusthöhle 
vergrössert; dies ist äusserlich am Brustkorb nicht sichtbar, wohl aber an der Bauch- 
wand. Das Zwerchfell drängt nämlich die Baucheingeweide beckenwärts; da dieselben 
aber wegen des knöchernen Beckens nach hinten nicht ausweichen können, drücken 
sie gegen die weiche Bauchwand; dadurch wird die Bauchhöhle im Quer- und Höhen- 
durehmesser vergrössert. Findet die Atmung wesentlich in dieser Weise statt (wie 
Ellenberger, Baum u. Dittrich, Anatomie für Künstler. 6
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.