Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Anatomie der Tiere für Künstler
Person:
Ellenberger, Wilhelm Baum, Hermann Dittrich, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1878737
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1879802
stellung der Gelenke kontrahieren müssen, wenn die Unterstützungssehnen fehlten. 
Diese werden vor allem von den Zehen aus durch das Gewicht des Rumpfes an- 
gespannt (s. Textfig. 31 u. 32). 
Das Sprunggelenk wird in erster Linie durch den rein sehnigen oberfläch- 
lichen Zehenbeuger getragen, der sich an den Fersenhöcker anheftet; unterstützt wird 
dieser von dem z. T. sehnigen tiefen Zehenbeuger, der bei Belastung der Gliedmassen 
angespannt wird, und durch die stark sehnigen Zwillingswadenmuskeln, deren einfache 
Spannung fast allein genügt, um das Gelenk zu stützen. Das Kniegelenk findet 
seine Stütze in dem rein sehnigen dritten Wadenmuskcl. Das Schienbein ist zwischen 
diesen Muskel und den sehnigen oberflächlichen Zehenbeuger förmlich eingespannt. 
Das Verhalten des vierköpfigen Schenkelmuskels beim Stehen ist noch nicht klar ge- 
stellt. Bei der einfachen Ruhestellung ist der Muskel offenbar nicht in Spannung, er ist im 
Gegenteil schlaff. Nur bei der Streckung des Gelenks und beim Feststellen in bestimmten 
Stellungen (beim Ziehen von Lasten, Auifangen der Körperlast beim Galopp u. s. w.) 
tritt er mit den Hinterbackenmuskeln, die das Kniegelenk wie ein Schraubstock um- 
fassen, zusammen in Aktion, um das Kniegelenk zu einem unnachgiebigcn Punkte zu 
machen. Bei dem Stützen und Tragen des Kniegelenks kommt, namentlich beim 
Schildern, zweifellos auch die Spannung des Spanners der Schcnkelbintle sehr in Be- 
tracht. Man sieht deutlich, dass dieser Muskel beim Schildern an dem belasteten 
Beine deutlich angespannt ist und sich deutlich von der Umgebung abhebt. Das 
Pfannengelcnk wird durch die Spannung der Gesäss- und Hinterbackenmuskeln 
und des kleinen Lendenmuskels gestützt. Für seine Feststellung ist die gleichzeitige 
Feststellung des Kniegelenks, bezw. des Oberschenkelbeines wichtig. .Ob aber bei der 
Fixierung des Pfannengelenks nicht auch Muskelkontraktionen, die zur Ermüdung und 
zum Schildern führen, erforderlich sind, bleibt zweifelhaft. 
Das Tragen des Kopfes und Halses erfolgt durch einfache Muskelspannung 
und durch Bänder, namentlich das Nackenband. Die Baucheingeweide werden 
beim Pferde wesentlich durch die gelbe Bauchhaut und Anspannung sehniger Apparate 
getragen. Den zwischen den Brustgliedmassen schwebenden Rumpf tragen starke 
Bandmassen und Fascien und der gespannte grosse Sägemuskel. Bei den anderen 
Haustieren sind weniger sehnige Apparate als bei den Einhufern vorhanden; sie müssen 
ihrc Gelenke auch durch Muskelkontraktionen stützen; sie ermüden deshalb beim Stehen 
und müssen sich zum Ausruhen niederlegen. 
Das Niederlagen, Liegen und Aufstehen erfolgt bei den verschie- 
denen Haustierarten in verschiedener Art. 
Die Pferde versammeln beim Niederlegen unter Krümmen des 
Rückens (durch den geraden Bauchmuskel) die 4 Füsse recht nahe unter 
dem Leibe und beugen die Gliedmassen dann in den Gelenken, damit der 
Rumpf dem Boden möglichst nahe kommt. Indem nun die Überzieher der 
Schwerlinie den Rumpf nach einer Seite ziehen, lasst sich das Tier auf 
die betr. Seite fallen. Es liegt dann in der Regel mit ausgestreckten 
Beinen auf der Seite, seltener halb aufgerichtet mit aufrecht gehaltenem 
Hals und Kopf. Zum Zwecke des Aufstehens wälzt es sich zunächst so, 
dass es auf der Unterbrust liegt; es bringt dann die beiden Vorderbeine 
vor, fusst mit denselben und hebt durch deren Streckung das Vorderteil 
hoch; nun fussen auch die Hinterbeine und heben, indem sie sich strecken, 
das Hinterteil in die Höhe.
        

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