Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Anatomie der Tiere für Künstler
Person:
Ellenberger, Wilhelm Baum, Hermann Dittrich, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1878737
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1881479
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Die vorn freie Zunge ist sehr verschieden; bei den Krokodilen und 
Schildkröten ist sie nur wenig beweglich und nicht aus dem Munde 
vorstreckbar, Während sie bei den Eidechsen eine längere, oft sogar 
sehr lange und gespaltene, freie Spitze besitzt. Auch bei den Schlangen 
ist die Zunge lang, schmal und gespalten und kann weit aus dem Munde 
hervorgestreckt werden. Der After ist bei den Schlangen und 
Eidechsen eine quergestellte, bei den Schildkröten und Kroko- 
dilen hingegen eine rundliche oder längliche Spalte. 
Die Nasenlöcher sind klein und bei einzelnen (Krokodilen und 
Wasserschlangen) durch Klappen verschliessbar. 
Augen. Die Augen sind wohl entwickelt und besitzen fast stets 
ein oberes und ein unteres Augenlid, von denen das erstere nur Wenig 
beureglich ist, während das untere vor das Auge hinaufgeschoben werden 
kann; das untere Lid ist in der Mitte oft etwas durchscheinend oder 
sogar ganz durchsichtig. Bei einzelnen Eidechsen und bei den 
Schlangen ist das untere Lid ebenfalls durchsichtig, ausserdeni aber 
stets vor das Auge hinaufgezogen und mit dein oberen Lide verwachsen; 
scheinbar können diese Tiere das Auge nicht schliessen, weil das durch- 
sichtige Augenlid eine Hornhaut vertauscht; thatsachlich ist das Auge 
stets geschlossen. Ausserdeni ist i. d. R. eine Nickhaut vorhanden. 
Ein ausseres Ohr fehlt. Als erste Anlage desselben findet sich 
eine Hautklappe bei den Krokodilen. 
Skelett. Das Skelett der erwachsenen Reptilien ist durchaus knöchern. Der 
Schädel schliesst sich eng dem der Vögel an und ist durch einen einzigen Gelenk- 
höcker mit dem 1.Halswirbel verbunden. Der Oberkiefer ist bei den Krokodilen 
und Schildkröten fest, bei den Eidechsen und Schlangen hingegen beweglich 
mit dem Schädel verbunden (grossc Erweiterungsfähigkeit der Mundhöhlel). Der aus 
mehreren Stücken bestehende Unterkiefer verbindet sich mit dem Schädel durch 
Vermittelung eines Quadratbeines, welches fest (Krokodile, Schildkröten) oder beweg- 
lich (Eidechsen, Schlangen) mit dem Schädel verbunden ist. Bei den Schlangen 
sind die beiden Unterkieferhälften durch ein elastisches Band verbunden und daher 
beweglich. Die Wirbel sind untereinander fast gleich gebaut. Ihre Zahl schwankt 
zwischen 30 (Schildkröten) und 400 (Riesenschlangen). Ausser den beiden ersten 
Wirbeln, die als Beuger (der erste) und Dreher (der zweite) wirken, können alle Wirbel 
Rippen tragen; Halsrippen fehlen nur den Schildkröten. Ein Brustbein kommt nur 
den Eidechsen und Krokodilen zu; bei letzteren setzt sich hinten an das Brustbein 
noch ein Bauch-Sternum an mit rippenartigen, aufwärts gerichteten Fortsiitzen, welche 
jedoch die Wirbelsäule nicht erreichen; vorn legt sich dem Brustbein i. d. R. das platte 
Vorderbrustbein an. 
Der Schultergürtel, welcher den Schlangen fehlt, wird gebildet von dem 
Schulterblatt, welches oberhalb der Gelenkpfanne liegt, und dem Rabenbein, 
das sich unterhalb der Gelenkpfanne befindet und i. d. R. durch 1 oder 2 Löcher in 
 grössere Abschnitte zerfällt. Bisweilen gesellt sich hierzu noch ein Schlüssel- 
bein, das vom Schulterblatt zum Vorderbrustbein geht. Der Becken gürtel ist bei 
den Schlangen und fusslosen Eidechsen nicht vorhanden oder rudimentär. Bei den
        

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