Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Anatomie der Tiere für Künstler
Person:
Ellenberger, Wilhelm Baum, Hermann Dittrich, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1878737
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1881404
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diegen, nur schwach ausgebildet. Die Beuger und Strecker der Gelenke 
der Schultergliedinassen, die im grossen und ganzen mit den entspr. 
Muskeln der Säugetiere übereinstimmen, sind kurz und dick. Als be- 
sondere Muskeln sind die Muskeln der Flughaut u n d der S chw u ng- 
und St euerfedern zu erwähnen. Die Muskeln der Flughaut entspringen 
vor den Rippen mitten am Brustkasten oder in der Schultergegend und 
gehen in der entsprechenden Hautfalte an die elastische Flughaut. Die 
Muskeln der Schwung- und Steuerfedern gehören zur Hautmuskulatur. 
Die Muskulatur der Beine liegt um das Becken und das Ober- 
schenkelbein und z. T. auch am Unterschenkel, während sich am Fusse 
nur die bald verknöchernden Sehnen und rudimentären Muskeln befinden. 
Am Becken fehlen allerdings die meisten inneren Hüftmuskeln, während 
die äusseren zwar Vorhanden sind, aber fast alle miteinander verschmelzen. 
Als ein besonderer, den Vögeln eigentümlicher Muskel kommt am Becken 
noch der Quermuskel des Schambeins vor, der das Becken unten 
schliesst. Die Muskeln am Ober- und Unterschenkel gleichen denen der 
Säugetiere. Es muss aber auf eine besondere Anordnung der die Zehen 
bewegenden Muskulatur aufmerksam gemacht werden. Die Muskulatur 
der Zehen, bezw. des Beines ist nämlich so angeordnet, dass bei einer 
Beugung des Fuss- und Kniegelenkes durch das Gewicht des Körpers 
beim Niedersetzen der Vögel die Zehenbeuger derart angespannt werden, 
dass eine Beugung der Zehen herbeigeführt wird und dass dabei diese 
Beugung durch eine ganz besondere Einrichtung noch erheblich gesteigert 
wird. Es geht nämlich von dem schlanken Schenkelmuskel eine Sehne 
durch eine Rinne über die Vordere Fläche des Kniees nach der äusseren 
Seite desselben; sie geht, nachdem sich ein Ast von ihr an das Waden- 
bein befestigt hat, zum grössten Teil in den oberflächlichen Zehenbeuger 
über. Jede Beugung des Kniegelenks spannt also diese über dieses Ge- 
lenk hinwegziehende Sehne an; dadurch übt dieselbe einen derartigen 
Zug auf den oberflächlichen Zehenbeuger aus, dass eine starke Beugung 
der Zehen eintreten muss. Setzt sich also ein Vogel auf einen Baumast, 
dann umklammern seine Zehen infolge der beschriebenen Einrichtung den 
Ast, ohne dass eine Anstrengung (eine Kraftaufwendnng durch Muskel- 
kontraktion) nötig ist und ohne dass demnach eine Ermüdung eintreten 
kann. Viele Vögel können auch lange, um sich auszuruhen, auf einem 
Beine stehen, ohne zu ermüden; das ermöglichen besondere anatomische 
Eimichtungen, wie sich solche z. B unter den Säugetieren auch bei den 
Einhufern finden und oben beschrieben worden sind. 
In der Haut finden sich auch zahlreiche Hautmuskeln, die sowohl 
die Haut als auch die Federn zu bewegen haben; sie bewirken z. B. auch 
das Sträuben der Federn.
        

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