Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Anatomie der Tiere für Künstler
Person:
Ellenberger, Wilhelm Baum, Hermann Dittrich, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1878737
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1879084
VIII 
fördert. Der mit anatomischen und physiologischen Kenntnissen aus- 
gerüstete Künstler weiss, Wohin er bei seinem Modelle zu sehen, was er 
bei einer Bewvegung desselben zu erwarten hat, er weiss, Welche Stellungen 
und Bewegungen möglich oder unmöglich sind u. dergl. Er wird also 
rascher und richtiger sehen als derjenige, Welchem diese Kenntnisse ab- 
gehen. Die Vorteile anatomischer Kenntnisse treten in höherem Grade 
bei der künstlerischen Darstellung von Tieren hervor als bei der Dar- 
stellung des Menschen. Bei der Beobachtung der Tiere ist das schnelle 
Sehen, das rasche Erfassen des Wesentlichen deshalb notwendig, weil 
sich die Tiere die Stellungen und Bewegungen, die der Künstler dar- 
stellen will, in der Regel nicht vorschreiben lassen und weil die Tiere 
die gewünschten Stellungen nicht eine dem Belieben und dem Bedürf- 
nisse des Künstlers passende Zeit beibehalten. Häufig wird eine schöne, 
zur bildlichen oder plastischen Darstellung besonders geeignete Stellung 
oder Bewegung stets nin' für Augenblicke sichtbar. Wenn in einem 
solchen Falle der Künstler infolge seiner anatomischen und physiologischen 
Kenntnisse weiss, welche Formveränderungen er bei der betreffenden Be- 
wegung zu erwarten, was er zu sehen hat, dann wird es ihm auch 
möglich sein, in dem kurzen Momente alles Wichtige richtig zu sehen. 
Auch das Studium des Baues am lebenden Individuum, welches beim 
Menschen so bequem auszuführen ist und in so reichem Masse ausgeführt 
wird, bietet bei den Tieren wegen der Widerspenstigkeit derselben und 
wegen der für den Untersucher oft damit verbundenen Gefahren erl1eb- 
liche Schwierigkeiten. Deshalb müssen anatomische Studien am toten 
Tiere die Untersuchung und Betrachtung des lebenden Individuums er- 
ganzen und zum Teil geradezu ersetzen. Auch die grossen Rassen- und 
Geschlechtsverschiedenheiten der Tiere verlangen anatomische Grundlagen 
zur richtigen Beurteilung. 
Die Anatomie befähigt auch den Künstler, die Momentphotographien 
der Bewegungen der Tiere richtig zu deuten und bewahrt ihn vor 
Täuschungen. Wer sich mit den Momentphotographien beschäftigt und 
dieselben studiert, sieht bei den in Bewegung begriffenen Menschen und 
Tieren Bewegungsformen, die er früher nicht wahrnahm, ja für unmöglich 
hielt. Die Anatomie setzt den Künstler auch in den Stand, krankhafte 
Veränderungen der Körperformen (z. B. Gallen) als solche richtig zu er- 
kennen und bewahrt ihn vor dem Fehler, dieselben als etwas Normales 
bildlich darzustellen. 
Mjanches Bildwerk der Neuzeit lehrt 
Künstler anatomische Studien und Studien 
wendig gewesen Wären. Man kann da 
Stellungen sehen, die nie vorkommen. 
uns, dass dem betreffenden 
am lebenden Tiere sehr not- 
Formen, Bewegungen und
        

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