Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Anatomie der Tiere für Künstler
Person:
Ellenberger, Wilhelm Baum, Hermann Dittrich, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1878737
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1879078
Notwendigkeit 
anatomischer 
Kenntnisse 
für 
den 
Künstler 
Manche Künstler sind der Ansicht, dass das Studium der Anatomie 
für die Ausübung der bildenden Künste überflüssig, ja für viele angehenden 
Künstler sogar nachteilig sei, indem es die naive künstlerische Gefühls- 
empündung; schadige. Sie stützen sich in ihrer Anschauung Wesentlich 
auf die griechischen Künstler, Welche in ihren Werken eine wunderbare 
anatomische Genauigkeit zeigen, trotzdem sie keine eigentlichen anato- 
mischen Kenntnisse besassen. Diese Thatsache ist aber so oft besprochen 
und erklärt worden, dass es überflüssig erscheint, hier nochmals auf diesen 
Punkt einzugehen?) Die Verhältnisse, unter denen die griechischen 
Künstler schufen, unter denen diese grossen Naturalisten und Realisten 
bei aller Naivetat der Empfindung ihre Seh- und Naturstudien machten, 
kehren nicht Wieder. Staunend und bewundernd stehen Wir vor ihren 
Werken, unvermögend ganz zu erfassen, wie diese Vereinigung des höchsten 
Realismus und Idealismus bestehen konnte und wie es ohne anatomische 
Studien, ohne Zirkel und Massstab möglich War, die grössten anatomischen 
Feinheiten bei Menschen und Tieren festzustellen und zur Darstellung 
zu bringen. Auf der anderen Seite wissen wir aber auch, dass in der 
nachgriechischen Zeit viele Kunstwerke unter dem Mangel anatomischer 
Kenntnisse ihrer Schöpfer leiden und dass im Mittelalter geniale Künstler, 
wie Lionardo da Vinci, Michel Angelo, Raphael, Tizian u. A. die Not- 
Wendigkeit anatomischer Studien betonten und sich denselben mit grossem 
Eifer hingaben. Sicherlich kann das Genie ohne anatomische Ke11nt- 
nisse zu besitzen, auch heute noch wundervolle Werke schaffen. Ebenso 
sicher aber auch ist es, dass anatomische Kenntnisse dem genialen Künstler 
das Sehen und Schaffen erleichtern und dass das Wissen häufig die 
Grundlage des Könnens ist und dass das Wissen das Schauen und Sehen 
schärft, erweitert und vertieft und damit das künstlerische Schaffen 
i) Vergl. die Einleitung in: Duval, Grundriss der Anatomie für Künstler. 
Autorisierte deutsche Übersetzung (1. Aufl. herausgegeben von weil. Prof. (Neelsen). 
2. Auü. bearbeitet von Prof. Dr. Ernst Gaupp in Freiburg i. Br. Verlag von Enke 
in Stuttgart 1901.
        

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