Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Anatomie der Tiere für Künstler
Person:
Ellenberger, Wilhelm Baum, Hermann Dittrich, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1878737
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1879960
Drehbewegungen u. s. w. Die Kontraktion eines Muskels geht mit Kraftverlust 
einher, sie fuhrt also zur Ermüdung. Dies ist nicht der Fall bei den durch die Dehn- 
bsrkeit und Elastizität der Muskeln bedingten Wirkungen. Wird bei Wirkung eines 
Muskels durch die Bewegung des betr. Skelettteilcs der antagonistisch wirkende Muskel 
gedehnt, so führt der letztere durch seine Elastizität bei Aufhören der YVirkung des 
ersteren Muskels den Skelettteil ohne Aufwendung von Kraft in seine Lage zurück. 
Auch die Sehnen ermüden bei Abspannung und elastischer Gegenwirkung nicht. 
Werden also z. B. beim Stehen der Tiere die Gelenke der Gliedmassen durch Spannung 
von Muskeln, Sehnen, Bändern u. dergl. ohne Muskelkontraktion in ihrer Lage un 
Stellung gehalten, dann geschieht dies ohne Ermüdung. Müssen aber Muskeln durch 
aktive Kontraktion die Gelenkstellung festhalten, dann tritt Ermüdung und das Be- 
dürfnis nach Niederlegen oder Setzen ein. 
Die Benennung der Muskeln erfolgt nach verschiedenen Gesichtspunkten; so 
nennt man die Muskeln nach ihren Ansatzpunkten (z. B. Brustzungenbeinmuskell, oder 
nach der Lage (Bauchmuskel, Brustmuskel), oder nach dem Verlauf (gerader, schiefer 
Muskel), oder nach der Grösse (grosser Gesässmuskel), oder nach der Gestalt (Rauten- 
muskel, Sägemuskel, zweiköpfiger Muskel), oder nach der Zusammensetzung (halb- 
häutiger Muskel) oder nach der Wirkung (innerer Beuger des Unterarms, Finger- 
beuger) u. s. w. 
Für die nachfolgende Schilderung müssen wir die Muskeln nach 
ihrer Lage in einige grosse Gruppen einteilen und diese wieder in Unter- 
gruppen zerlegen; als g'rosse Hauptgruppen unterscheiden wir: die Muskeln 
des Kopfes, des Stammes, der Schultergliedniassen, der Beckengliedmassen 
und die Stammgliedinassenmiiskelii. 
Für den Künstler ist es zweifellos "ausserst wichtig, die Wirkungen 
der Muskeln zu kennen. Da aber, wie oben angegeben, fast nie ein 
Muskel allein, sondern, da er meist mit anderen zusammemvirkt und 
da sich danach seine Wirkunrg Wesentlich modifiziert, so ist es unmög- 
lich, in fdnserer Darstellung; die mannigfaltigen Wirkungen jedes einzelnen 
Muskels zu schildern. Wir müssen uns auf die Angabe der linearen 
Zugwirkung" und einiger Hauptwirkungen beschränken. 
-Die Muskeln aller Körpergegenden greifen in ihren WVirkungen ineinander; da- 
durch stellt das ganze Muskelsystem ein harmonisches Ganze dar. Aus pädagogischen 
Gründen muss man auch physiologisch die Muskeln in Muskelgesellschaften zusammen- 
fassen, die auf einzelne Körpergegendeir wirken (z. B. Beugergruppe, Streckergruppe 
eines Gelenkes). Aber, man darf dabei nicht vergessen, dass diese Muskelgesellsehaften in 
die 'l'hätigkeit anderer (eingreifen können, und dass die Thätigkeit jeder Muskelgesell- 
schaft durch die der anderen beeinflusst werden kann und beeinflusst wird. Oft vermag 
eine Muskclgesellschaft ihre Wirkung gar nicht zu entfalten, wenn nicht andere Muskel- 
gruppen mitwirken. Auch die Art der Wirkung jedes einzelnen Muskels hängt von 
der anderer Muskeln ab. Es ändert sich ferner die Wirkung des einzelnen Muskels 
und der Muskelgruppen während der Bewegung; die Endpunkte jedes Muskels geraten 
während der Bewegung der Hehelarme in eine neue Richtung, wobei sich natürlich 
die Zugrichtung abändern muss u. dergl. Ein wesentlicher Punkt ist die Umsetzung 
der Richtung dcr Wirkung eines Muskels je nach den mitwirkenden Muskeln; je nach- 
dem wirkt ein MllSkCl auf seinen oberen oder auf seinen unteren, auf seinen vorderen 
oder auf seinen hinteren Endpunkt Hin.
        

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