Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1871814
Die Befestigungswerke, Mauern, Thürme und Thore. 
daraus, dass die Nordseite, wie schon erwähnt, bei einem Angriff am meisten 
gefährdet war. WVeiter nach Osten, wo die Treppe aufhört, ist die Mauer durch 
eine Erdanschüttung auf der Innenseite verstärkt; stellenweise finden Sich ReSte 
einer diese Ansßhüftllllg gegen die Stadtseite stützenden Futtermauer. Wir dür- 
fen hier an die Anweisung des Vegetius (IV, 3) denken, dieMauer von innen durch 
Zwei Von Futtelmß-llern gestützte Erdterrassen zu verstärken; freilich schreibt 
auch er Wieder weit größere Dimensionen (20 Fuß für jede Terrasse) vor. 
Zwischen der Mauer und den Häusern war natürlich ursprünglich überall 
ein freier Raum, auf welchem die Vertheidiger von einem Punkte zum andern 
gelangen konnten. Nur auf geringen Strecken kann dieser Streifen (pomoerium) 
constatirt werden, doch erkennen wir, dass die Breite an verschiedenen Stellen 
verschieden war. Auf der Nordseite, östlich vom Herculaner Thor, schwankt 
die Entfernung zwischen der innern Steinwand der Mauer und den Häusern 
von 8 bis 15 Meter; dagegen können wir auf der steil abfallenden Westseite, 
wo von der Mauer nur Reste erhalten sind, constatiren, dass schon die ältesten 
Iläuser (Kalksteinatrien) sich der innern Steinwand bis auf höchstens 4 M. 
näherten. Dieser Unterschied erklärt sich dadurch, dass im Norden die Mauer 
durch die erwähnte Erdböschung und stellenweise durch Treppen verstärkt war, 
Welche eine ziemliche Fläche einnahmen, während sie im Westen an den hinter 
ihr steil ansteigenden Abhang des Stadthügels angelehnt war und einer Bö- 
schung nicht bedurfte. 
Es scheint nun, dass in derselben Zeit, welche die Befestigungen der Nord- 
seite in Verfall gerathen ließ, die WVestmauer von den Anwohnern occupirt, 
überbaut und zerstört wurde: die Untersuchung des Mauerwerks und der 
Reste von Malereien in den die Zerstörung der Mauer voraussetzenden Räum- 
lichkeiten führt mit WVahrscheinlichkeit auf die Zeit vor der römischen Co- 
lonie, und somit, da man die Mauer gewiss nicht während des Bundesgenos- 
senkrieges zerstört hat, auf die Zeit vor diesem Kriege, d. h. vor 90 v. Chr. 
Auch auf der Nordseite wurden wohl schon damals Theile des Pomoeriums 
von den Anwohnern überbaut; doch respectirte man noch die Mauer mit den 
Treppen und der Erdböschung. Erst später, etwa zur Zeit des Augustus oder 
etwas früher, ward das nördlichste Haus der ersten Insula der sechsten Region 
(casa (Zelle Vestali) bis unmittelbar an die Mauer ausgedehnt. Noch später 
Wurde in der sechsten Insula derselben Region die casa dbipollo über die 
zwischen den Häusern und der Mauer hinlaufende gepflasterte Straße 
erweitert. 
Am Südende des Forum triangulare bildete die Mauer eine vorspringende, 
wahrscheinlich durch einen Thurm verstärkte Ecke, welche , durch antike 
Steinbrüche unterhöhlt, eingestürzt ist. Irrthümlich geben einige Pläne einen 
Thurm am. Südende der Osthalle des Forum triangulare an; das betreffende 
Mauerwerk erklärte La Vega (bei Mazois) für Wasserreservoirs. 
Was nun die Thürme betrifft, so schreibt Vitruv vor, dieselben nicht 
mehr als einen Pfeilschuss von einander zu entfernen, damit! die Angreifer der 
Mauer stets von zwei Thürmen aus wirksam beschossen werden können. Dies 
an sich sehr einleuchtende Princip ist in Pompeji nur auf der von Natur 
schwächsten Strecke, im Norden, eingehalten worden; im übrigen sind die
        

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