Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1871784
Erstes Capitel. 
ist natürlicher, als dass man damals die Hauer in Verfall gerathen ließ, ja viel- 
leicht gar dieselbe gelegentlich als Steinbruch für außerhalb ihrer entstehende 
Gebäude benutzte. Beim Herannahen des Bundesgenossenkrieges, als der 
Gedanke reifte, sich gegen Rom zu erheben, stellte man sie her und versah sie 
mit Thürmen. Und so wird es sich wohl in der That verhalten. 
Die Mauern und Thürme Pompejis entsprechen nun keineswegs den 
Regeln der voll entwickelten antiken Befestigungskunst, wie sie uns nament- 
lich durch Philon von Byzanz (um 100 v. Chr.), Vitruv und Vegetius überlie- 
fert sind. Nach diesen Regeln soll die Mauer in Krümmungen (circumitionibus) 
geführt werden, mit einspringenden und ausspringenden Winkeln, von welchen 
die letzteren durch starke Thürme geschützt, die einspringenden Theile aber 
dadurch gedeckt sein sollten, dass der Feind , hierher vorgedrungen, von 
mehreren Seiten beschossen werden konnte. Die Thore sollten so gelegt sein, 
dass der Anrückende von der rechten, vom Schild nicht bedeckten Seite be- 
schossen wurde; für die Thürme wird runde oder Polygone Form empfoh- 
len. Dagegen sind die Mauern Pompejis in graden Linien geführt und 
folgen im Osten, Süden und Westen so ziemlich den Abhängen des alten 
Lavastromes, auf dem die Stadt erbaut ist, während sie im Norden quer über 
den Nacken des hier sich weiter fortsetzenden Hügels laufen. Die Thore sind 
einfach an den Endpunkten der Hauptstraßen angelegt und durchschneiden 
die Mauer in der Richtung eben dieser Straßen, woraus sich beim Nolaner 
Thor ergiebt, dass grade die linke, vom Schild gedeckte Seite des Angreifers 
den Geschossen der Vertheidiger am meisten ausgesetzt war. Was es mit den 
Vorbauten auf sich hat, Welche die Pläne am Capuaner Thor angeben, kann 
bei dem jetzigen Stande der Ausgrabung nicht festgestellt werden. Die Nord- 
seite war die von Natur schwächste, da hier keine Abhänge den Befestigungen 
zu Hilfe kamen; deshalb hat man der hier die Mauer erreichenden Haupt- 
straße, der Stmda di Mercurio, kein Thor entsprechen lassen, was um so eher 
anging, als das der Stabianer Straße entsprechende Vesuvthor nicht weit e11t- 
fernt war. Dagegen hat man die kurze Strecke zwischen dem Herculaner und 
Vesuvthor durch drei Thürme verstärkt, deren Distanzen der Vorschrift Vitruv's 
entsprechen, dass nämlich die Thürme nicht mehr als einen Pfeilschuss von 
einander entfernt sein sollen, während sie im übrigen in größeren Zwischen- 
räumen angebracht sind. Die Thürme endlich sind viereckig, nicht rund oder 
polygon. Kurz, Wir haben hier nicht eine nach allen Regeln der Kriegskunst 
angelegte Festung vor uns. sondern eine alte, kunstlose Umfassungsmauer, 
welche später Verstärkt wurde, um den mittlerweile sehr vervollkommneten 
Belagerungsmitteln widerstehn zu können. 
Die Bauart der Mauern erinnert an die Vorschriften, welche Vitruv (I, 5) 
für die Herstellung der stärksten, agger genannten Befestigungen giebt. Er 
schreibt vor, hinter einem breiten und tiefen Graben zwei Steinmauern auf- 
zuführen, eine äußere und eine innere, und sowohl an diese als an jene Quer- 
mauern anzusetzen, der Art, dass die einen den Zwischenräumen der anderen 
entsprechen (pectinatim) , und dann den Zwischenraum mit Erde auszufüllen; die 
Breite soll so groß sein, dass Cohorten auf der Mauer in Schlachtordnung auf- 
marschircn können. Pompejis Werke sind in geringeren Dimensionen, aber in
        

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