Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1871771
Die Befestigungswerke, 
Mauern, Thürme und Thore. 
und einer Erdanschüttung auf der Innenseite bestand, und dass erst später, viel- 
leicht als man gegen 420 den Angriff der Samniten fürchtete, die innere Stein- 
wand hinzugefügt worden sei. Unmöglich ist dies nicht, doch kann es nicht 
als ein sicheres Resultat gelten. In den Quadern der Innenwand finden sich 
vielfach buchstabenähnliche Steinmetzzeichen eingehauen, welche in vielen 
Fällen, aber nicht immer, mit Buchstaben der altitalischen Alphabete überein- 
stimmen. Andere, einfachere Zeichen und in viel geringerer Anzahl zeigen 
die Steine der Außenwand. 
Dem gegenüber bestehen die jüngeren Theile aus opus incertum, kleineren 
Bruchsteinen, fast ausschließlich Lava, welche durch Mörtel verbunden sind 
und nach außen mit stellenweise noch bemerkbarem Stuck überkleidet waren. 
Diese jüngere Bauart findet sich vorwiegend in der Außenwand; ihr gehören 
ferner die Thürme an, und an diesen sind besonders ausgedehnte Reste 
der Stuckbekleidung erhalten, welche zweifellos dem ersten pompejanischen 
WVanddecorationsstil angehört: es ist hier in Weiß die Schichtung von Qua- 
dern mit Fugenschnitt nachgeahmt. Der Ursprung dieser jüngeren Theile ist 
ein doppelter. Zum Theil sind es offenbar Wiederherstellungen zerstörter oder 
verfallener Strecken, zum Theil aber ist die alte Quadermauer absichtlich ein- 
gerissen worden, um an den betreffenden Stellen die Thürme einzusetzen. 
Wir dürfen also annehmen, dass die ursprüngliche, aus Quadern bestehende 
Blauer ohne Thürme war. Es fragt sich nun, aus welcher Zeit diese jüngeren 
Theile stammen. Man hat in ihnen die Ausbesserung der durch Sulla gelegten 
Breschen erkennen wollen; und es könnte hierfür geltend gemacht werden, 
dass sie sich ganz vorzugsweise auf der nördlichen, einem Angriff am leichte- 
sten zugänglichen Seite finden. Dagegen spricht jedoch ihre große Ausdeh- 
nung: es ist kaum glaublich, dass Sulla einen so bedeutendenJTheil der äußern 
Steinwand niedergeworfen haben sollte, ohne doch an irgend einer Stelle bis 
an die innere vorzudringen. Es sind hier aber noch andere Umstände zu er- 
wägen. Zunächst der Charakter des Mauerwerkes und noch mehr derjenige der 
Stuckdecoratiori, welcher entschieden auf vorrömische Zeit weist. Ferner eine 
Anzahl merkwürdiger gemalter oskischer Inschriften, auf welche wir noch 
zurückkommen müssen, und welche mit Wahrscheinlichkeit auf die sullanische 
Belagerung bezogen worden sind, jedenfalls aber eine Erwähnung der Thürme 
enthalten. Es ist also durch diese lnschriften mindestens die Existenz der 
Thürme, und mit ihnen der jüngeren Mauertheile, in vorrömischer Zeit erwie- 
sen: Wollen wir sie dennoch mit den Breschen der sullanischen Belagerung in 
Beziehung setzen, so können wir nur an die Zwischenzeit zwischen eben dieser 
Belagerung und der Deduction der römischen Colonie denken, an die achtziger 
Jahre des letzten Jahrhunderts v. Chr., als Sulla, in Asien mit Mithridates 
kämpfend, den Samniten und den mit ihnen verbündeten römischen Demo- 
kraten Zeit ließ, sich für neue Kämpfe zu rüsten. Sind aber die Inschriften 
mit Recht auf die Belagerung bezogen worden, alsdann waren zur Zeit der- 
selben, im Jahr 89 v. Chn, die Thürme und die jüngeren Mauertheile schon 
vorhanden. Wir haben dann in den Lücken, welche hier geschlossen wurden, 
nicht die Wirkung einer Belagerung, sondern die der langen Friedenszeit vom 
hannibalischen bis zum Bundesgenossenkrieg (201_90) zu erkennen. Nichts
        

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