Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1878237
Anhang. 
Anmerkungen. 
635 
unmittelbar anstoßenden Stadttheil überragt wird, welcher sich in ziemlich rascher 
Steigung zu 32,43 und weiter zu 33,30 M. erhebt. Die Bezeichnung dieses Platzes 
als am: scheint also wenig geeignet: die Burg musste doch vor allen Dingen als Zu- 
fluchtsort nach Einnahme der Stadt dienen können. Wenn dem gegenüber der Höhen- 
unterschied zwischen Capitol und Palatin ins Feld geführt worden ist , so kann dies 
wohl nur als ein Scherz gelten. Auch was Nissen neuerdings (Pomp. St. S. 338, 495) 
in dieser Beziehung verbringt, kann wenig in Betracht kommen : ein Platz, auf wel- 
chem ein vom Meer aus sichtbarer Tempel liegt, und der für die Vertheidigung eine 
gewisse lwichtigkcit hat, wird doch dadurch nicht zur Burg. Und die Frage: nwas 
in aller YVelt sollte der Platz sonst seine, welche nach Nissen (S. 236) jeden nähern 
Beweis unnöthig macht, kann uns keinen Eindruck machen. 
32) zu S. 77. Die frühere Gestalt der Treppe ist nachgewiesen bei N issen, Pomp. 
St. S. 257. 
 zu S. 84. Auf die von Nissen, Templum S. 162 ff. aufgestellte Theorie 
von der Orientirung der Tempel kann hier nicht eingegangen werden. In Pompeji sind 
augenscheinlich keine derartigen Theorien zur Anwendung gekommen, sondern man 
hat da (abgesehen von dem griechischen Tempel) die im Text citirte Vorschrift Vitruvs 
befolgt, welche Nissen S. 175 sich nicht scheut, auf ein griechisches (Jompendium 
zurückzuführen, während sie doch augenscheinlich der italischen Praxis entstammt. 
34) zu S. 85. Die Basis steht an ihrem Ort, wie die Fußbodenreste bezeugen; 
ihre Stellung neben der Axe ist eine auch für den dürftigen jüngern Bau höchst auf- 
fallende Nachlässigkeit. Wollte man sie daraus erklären, dass sie aus dem alten Bau 
stammte und an ihrem alten Ort stehen geblieben wäre, so müsste der alte Bau zwei 
Basen für zwei Götterbilder gehabt haben, deren eine beim Neubau entfernt wor- 
den wäre. 
35) zu S. 87. Acht Frontsäulen nahm Mazois wohl nur an , weil er wegen der 
breiten Umgängc hier einen Pseudodipteros erkannte, für welchen dies nach Vitruv 
die regelmäßige Zahl ist. Für einen solchen aber ist es wesentlich, dass den Seiten- 
wänden zwei Frontsäulen entsprechen , was hier nur durch Annahme von 4, 10 oder 
7 Säulen erreicht werden kann: Zahlen, die aus verschiedenen Gründen gleiclurnzu- 
lässig sind. Reste von F rontsäulen sah Mazois gewiss nicht, und es liegt keine der- 
artigc Aussage von ihm vor. Wie Breton (Pompeia, S. 44) da, wo seitwärts die 
Quadermauer vorgelegt ist, einen Seiteneingang in die Cella erkennt, ist schwer 
verständlich  
36) zu S. 89. Schwerlich auch älter als das Grab der Mamia, wohin nach Nissen 
später das Begräbniss der Priesterinnen verlegt wurde. Über die vermeintliche Ana- 
logie des Begräbnisses der römischen Vestalen s. Jordan in Bursians Jahresber. XV 
(1875) S. 414. 
37) zu S. 90. Obiger Sachverhalt wurde im Sommer 1882 durch Nachgrabung 
festgestellt. Der Curiosität halber sei erwähnt, dass Nissen (Pomp. St. S. 338) hier 
den Tempel der Vesta erkennt und zweifelt, dass dagegen irgend ein ernste Prüfung 
erheischender Grund geltend gemacht werden könne. Eine Cellamauer des Vesta- 
tempels geht doch schon aus der von Nissen citirten Ovidstelle (Fast. VI, 291) her- 
vor und ist überdies selbstverständlich; für einen Heerd in Form einer Brunnen- 
mündung sind die nmancherlei Analogienu der sFeuerstättcn in den ältesten Atrienq 
nicht vorhanden: s. Mau, Pomp. Beitr. S. 89 f. 
38) zu S. 91. Nach Servius zu Aen. I, 422 muss die nach etruskischem Ritus 
gegründete Stadt drei Tempel, des Iuppiter, der luno und der Minerva, haben; vgl. 
Vitruv I, 7 (der übrigens nicht die Haupttempel hierfür beansprucht). Da nun, so 
argumentirt Nissen, die drei Haupttempel Pompejfs nicht dieser capitolinischen Trias, 
sondern Iuppiter, Cercs und Venus geweiht waren, so kann dieselbe Trias (als Ueres, 
Liber, Libera, wie im Cerestempel zu Rom) auch im Iuppitertempel vermuthet wer- 
den. Nun ist Nissens Zutheilung des Apollotempels an (Jeres irrig, die des griechi- 
schen Tempels an Venus Pompeiana Sehr zweifelhaft. Und wenn auch Venus und 
(leres in Pompeji besonders verehrt wurden, so wissen wir doch durchaus nicht, dass
        

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