Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1878177
Anhang. 
Anmerkungen. 
629 
und zwar im Tablinum: eine Wachtel; endlich in dem letzten Hofe in dem Zimmer 
mit blauen Wänden: eine der Bakchantinnen und einen Kopf. Das Ganze ist mit 
Geschicklichkeit gemacht und der Raub davongetragen worden; die Nacht war sehr 
rauh durch Regen und Windxr 1815 , 16. Juni heißt es unter Anderem: vjetzt, wo 
die Arbeiten für die Ausgrabungen dieser alten Stadt aufgehört haben, ist dies Local 
(das Amphitheater) so gut wie alle die übrigen verlassen und der YVillkür ungebildeter 
Menschen anheimgegeben , und leicht könnte es vorkommen, dass , indem man von 
dem Holzwerk stiehlt (mit dem die Wölbungen gestützt waren), man Einstürze des 
Gebäudes selbst hervorriefe, abgesehn von der Gefahr, dass irgend ein Neugieriger 
bei einer solchen Gelegenheit zum Opfer werdeß  1816, 28. December ist unter 
Anderem Folgendes verzeichnet: adie unbegrenzte Freiheit, mit der jede beliebige 
Zahl von Personen in diese königlichen Ausgrabungen eindringen kann, bringt sehr 
häufig das Ärgerniss mit sich, diese kostbaren Monumente misshandelt zu finden. 
Vergangenen Montag kam Herr Architekt Bonucci hierher und sah mit Verdruss, 
dass an den Säulen des Vestibüls der Porticus des Theaters die Brunnenmaske (an 
einer dieser Säulen) heruntergerissen und auf die Erde geworfen. eine der mit Blei 
vergessenen Klammern, mit der sie befestigt gewesen, gestohlen war. Die Aufseher 
versicherten , es sei ein österreichischer Soldat der Schuldige, und dasselbe ist auch 
des folgenden Tages weiter bestätigt wordena u. s. w. Vielleicht noch pikanter ist 
das Folgende. Unter dem 25. Mai desselben Jahres heißt es in den Addenda (S. 277): 
nam 24. des laufenden Monats gegen 8 Uhr italienischer Zeitrechnung begaben sich 
einige Ofiiciere der österreichischen Truppen, welche hier auf dem Durchmarsche 
sind. nach Pompeji, und indem sie das (kleinere) Theater besichtigten, nahmen sie 
einige bronzene Buchstaben der Inschrift mit, welche daselbst in den Fußboden ein- 
gelassen ist. Als aber der Sergeant der (in Pompeji als Wache befindlichen) Vetera- 
nen die Sache dem kurz darauf eingetroffenen General mittheilte, ließ derselbe ene 
kommen und zwang sie, ihren Raub an die Wächter abzugebenxr Der Schluss dieser 
Notiz ist schwerlich genau, wenigstens ist es gewiss, dass die entwendeten Buch- 
staben nicht wieder an Ort und Stelle gebracht wurden, was doch geschehn sein 
würde, wenn man derselben habhaft geworden wäre, sondern dass sie durch neue er- 
setzt worden sind, die man als solche nebst dem Stücke des Fußbodens, in welchem 
sie befestigt sind, noch heutzutage erkennen kann. Dabei ist aber der Name des 
Duumvirn, welcher hier genannt wird, aus Unkunde verändert worden; der Aus- 
grabungsbericht (Pomp. ant. hist. Vol. I, II, pag. 54) und ebenso Mazois IV, p. 56 
und Taf. 38 u. A. geben ihn richtig M-OUVLATIVS -M- F- n. s. w. , jetzt aber 
lautet er M  OLCONIVS -M- F  und ist in dieser Form nicht selten (auch in den 
I. R. N. 2242) publicirt worden , während doch der in den Mauerinschriften Pom- 
pejis unzählbzrre Male und auch in Steinschriften mehrmals vorkommende Name 
mehrer Holcnnii ohne Ausnahme mit anlautendem H geschrieben ist. Die gestoh- 
lenen Buchstaben sind UVLAT; in die Lücke setzte man LGON, und so wurde aus 
O(culat]IVS OflconlIVS. Von einer zweiten Verletzung derselben Inschrift durch 
österreichische Soldaten, welche ein R und ein O wegnahmen, wissen die Addenda 
zu 1809, '15. April zu berichten, s. Pomp. am. Inkl. I, III, p. 231. 
2) zu S. 4. Die im Text als einzig möglicher Ausweg bezeichnete Auffassung 
scheint die von Duhn's (Verh. d. XXXIV.Phil.-Vers. S. 154) zu sein. Denn Nisserrs 
Interpretation (Pomp.,St. S. 581) wird er doch schwerlich billigen. Wie dieser durch 
Strabo V, p. 245 begründen will, dass derselbe zwischen ärriweuw und drvomia nicht 
unterscheide, ist unverständlich; Strabo sagt dort: Dikaiarchia w a r fr ühe r Hafen- 
platz der Kymäer, während er V, p. 247 eben so deutlich sagt: Pompeji ist jetzt 
Hafenplatz von Nola, Nuceria und Accrrae- Von Duhlfs Ausspruch (a. a.  dass 
die Reste des griechischen Tempels nicht auf viel altere Zeit als 310 v. Uhr. deuten, 
dürfte doch näherer Begründung bedürfen. Was NissenlsEtymologie des Namens 
betrifft, so müssen hier, und leider noch an manchen Stellen des geistreichen Buches, 
Wendungen wie: ves ist nicht möglich zu leugnen  kann nichts anderes bedeutena 
 die Stelle von Beweisen vertreten.
        

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