Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1878163
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Anhang. 
Anmerkungen. 
gestürzt ist. Die Orchestramauer des bedeckten Theaters ist gänzlich auf den Boden 
gestürzt, d. h. diejenige, welche die Orchestra von der Scene trennt. Sie war fünf 
Palm hoch. Ein Wasserstrom, der von dem Keller des Isidoro herkam, hat diese 
große Meierei zu Boden geworfen , die Straße mit Erde gefüllt und sich dann in den 
Fluss ergossen. Ein anderer Wasserstrom ist von der Meierei des Iraee hergekommen 
und hat die ganze Straße verdorben, auf welcher man von der Porticus des Theaters 
zum Tempel emporstieg, indem er dieselbe so auffüllte, dass man wegen der 15 Palm 
hohen Verschüttung durchaus nicht durchdringen konnteu u. s. w. 1814, 10. Fe- 
bruar: wdie Mauer, welche die Basilika gegen Abend abschließt, war außen mit 
grandiosen Groteskarchitekturgemälden und Figuren in der Mitte derselben verziert. 
Die starken Fröste der letzten Tage haben diese fast alle herabgestürzt, ungeachtet 
die gewöhnlichen Vorsiehtsmaßregeln, die Ränder der Gemälde gegen die Wand ver- 
kitten zu lassen, ergriffen worden warenm Und weiterhin: vdie Gemälde in dem 
noch nicht lange aufgefundenen Hause nahe bei dem nördlichen Thore bleiben noch 
sehr feucht, und die unausgesetzten Regengüsse werden sie endlich noch ganz ein- 
weichen. Und obgleich ich die Verkittung an ihren Rändern hatte vornehmen lassen, 
hat der starke Frost, der in der Nacht von Samstag auf Sonntag eintrat, dieselben 
fast alle herabstürzen gemacht. Ich hatte auch angeordnet, dass die gewöhnlichen 
Ziegeldächer über ihnen angebracht würden, diese aber haben sich so gut wie voll- 
kommen unwirksam erwiesen, da die Bilder schon mit Wasser getränkt warena u. s. w. 
1816, 5. Januar: nim Amphitheater und zwar in dem Corridor zur Linken an der 
Morgenseite ist am 2. d. M. durch den unaufhörlichen Regen ein Bogen eingestürzt, 
welcher zwei Treppen der inneren Stufenreihe mit sich gezogen hat, während alle die 
übrigen weiter hinauf liegenden den Einsturz drohen. Einstweilen haben wir sie zu 
stützen versucht, aber ich bin der Meinung, es werde am besten sein, sie ganz weg- 
zunehmen, ehe sie zusammenbrechen, um so wenigstens die Stücke zu retten, um 
dieselben später wieder an ihren Platz bringen zu kÖIIDGILu 
Und wie auch unverständige und ruchlose Menschen bei der Zerstörung und Be- 
schädigung mitgeholfen haben, davon mögen,  abgesehn von den mehrfach in den 
Tagebüchern erwähnten kleineren Diebstählen und abgesehn ferner von der That- 
sache , dass in Pompeji sehr viele Wände durch eingekratzte moderne Namen verun- 
ziert und beschädigt, glücklicher Weise aber zugleich zu Schandmalen der Verletzer 
geworden sind,  ein paar bemerkenswerthe Beispiele angeführt werden. So heißt 
es unter dem 12. November 1763 wörtlich: nes ist dem Don Camillo Paderni (das ist 
der Director des Museums!) befohlen worden, er solle nicht wagen, Hand an die an- 
tiken Gemälde zu legen, welche sich bei den Ausgrabungen finden, ohne erst an 
Seine Majestät Bericht erstattet zu haben, da es dem besagten Paderni nicht zukomme, 
zu entscheiden, welche Bilder aus den Ausgrabungen weggenommen werden und 
welche daselbst verbleiben sollen , indem der König mit Entsetzen (con orrore l) ver- 
nommen hat, dass viele dieser antiken Gemälde zertrümmert worden 
sindß Damit vergleiche man folgende Notiz (Addenda p. 146): 1764, 25. Januar 
(also späterl) vaus einem Attest des Antonio Scognamiglio, des Oberaufsehers, lega- 
lisirt durch den Notar Jennaco von Torre dell" Annunziata geht hervor , dass auf Be- 
fehl des Don Camillo Paderni die Bilder, welche er für unnütz hält, zerstört worden 
sind, indem man den Stucco, auf welchen sie gemalt sind, mit Spitzhacken herunter- 
schlugw (Siehe auch: Winckelmann, Nachrichten v. d. neuesten Entdeckungen Anno 
1764 ß 70: ndass diejenigen Gemälde, welche nicht beträchtlich geachtet werden 
     auf ausdrücklichen Befehl der Regierung zerfetzet und verderbct werden, 
damit dieselben nicht in fremde Hände gerathena)  Unter d. 12. December wird be- 
richtet : vDon Camillo Paderni erhielt Erlaubniss nach Rom zu gehnu (etwa nfern von 
Madrid darüber nachzudenkene  1792 , 23. November: nin vergangener Nacht 
von Donnerstag auf Freitag hat man nahe bei dem Thor der Stadt (in dem s. g. Hause 
des Chirurgen) vier Bilder von den Wänden geschnitten (und gestohlen) nämlich die 
folgenden: in dem Zimmer, wo man ein Bild abzunehmen beschäftigt ist, welches 
einen Maler darstellt, der ein Idol copirt: einen Kopf; in dem anstoßenden Hofe
        

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