Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1871661
Fünftes Capifel. 
die Grabmonumente, welche sich zu beiden Seiten der Straße fortsetzen und 
einer eigenen Sonderbetrachtung vorbehalten bleiben. Sind wir etwa halb- 
wegs zur Stadt gelangt, so finden wir links ein nur theilweise ausgegrabenes 
ausgedehntes Gebäude. Es ist dies eine Villa, deren Eigenthiimer die Lage 
seines Biesitzthums an der Landstraße der Art verwerthete, dass er in einem 
Theil derselben eine mit einer Reihe von Schenklocalen (Tabernen) verbun- 
dene Herberge errichtete, Welche den gewöhnlichen Bedürfnissen der Rei- 
senden entsprach, und die wir vielleicht am treffendsten mit modernem Aus- 
druck als eine Fuhrmannseinkehr bezeichnen können. Zunächst an der Straße 
liegt ein 1813 ausgegrabener Bogengang, der den Gästen und Käufern Schutz 
gegen Sonne und Regen bot, hinter diesem die Schenkzimmer, deren geringe 
Bauart und rohe Malereien den wenig vornehmen Zweck der Anlage darthun. 
Jedes derselben hat zwei Hinterzimmer und eine Treppe zu oberen Kammern: 
vermuthlich war hier auch Gelegenheit zum Übernachten. Durch den letzten 
Bogen des erwähnten Bogenganges gelangt man zu der auch fiir Wagen be- 
stimmten Einfahrt in einen Hof, an welchem ein Stall und eine steinerne 
Tränke, so wie eine beträchtliche Anzahl kleiner Zimmer und zwei Treppen 
zu oberen Zimmern liegen. Man fand hier außer dem Gerippe eines Maulesels 
"und den Fragmenten eines Karrens eine Fülle von Hausrath aller Art: bron- 
zene Eimer, Mörser aus Kalkstein, Flaschen, Gläser, Schüsseln von Thon, Spin- 
deln, Würfel, WVage, Töpfe und Kasserolen. Ein kleiner Herd an der Straße, 
auf dem, wie noch heute in Neapel, für das gemeine Volk gekocht wurde, 
vollendet das Bild dieser antiken Kneipe. Ein schräg ansteigender Gang führt 
links zu höher gelegenen Räumen, welche vermuthlich die Wohnung des 
Hausherrn enthielten. Zu demselben Gebäude gehören auch die weiter an der 
Straße, gegen das Thor zu, folgenden Räume: vier Läden oder Tabernen, zwi- 
schen denen ein Gang in einen offenen Hof führt, in dessen Mitte ein von 
vier mosaikbekleideten Säulen getragener laubenartiger Bau und an der 
Rückwand eine gleichfalls mit buntem Mosaik bekleidete Brunnennische 
stand. Von diesen Säulen hat dieser ganze 1837 und 1838 ausgegrabene Com- 
plex seinen Namen, casa (Zelle colomze a musaico, erhalten. Auch gegenüber 
rechts an der Straße sind die Reste eines von breiten Pfeilern gebildeten 
Ganges und hinter demselben Läden. Vor einer Taberne am Siidende dieses 
Ganges stehn steinerne Bänke, und viereckige Löcher im Trottoir weisen 
darauf hin, dass man diese Sitze durch ein Holz- oder Zeltdach zu beschatten 
suchte. Diese Läden liegen an der Straßenfront der 1763 ausgegrabenen und 
wieder verschütteten s. g. Villa Ciceros, deren Einfahrtsthor sich etwas weiter 
nach der Stadt hin findet. Indem wir sodann rechts und links noch an einer 
Reihe von Grabmonumenten vorbeigeschritten sind, stehn wir am Herculaner 
Thore. Die erste Straße der Stadt, welche wir durch dies Thor betreten, trägt 
die augenscheinlichsten Spuren lebhaften Verkehrs und des Handels, der sich 
hier bewegte. Sie ist ausgezeichnet durch eine beträchtliche Zahl von Wirths- 
häusern und Schenken (Thermopolien), deren Gäste aus Inschriften an den 
Wänden als Sackträger, Kärrner und Maulthiertreiber erscheinen. An ihrer 
rechten Seite beginnen die großen, am Hügelabhange und auf der hier ein- 
gerissenen Stadtmauer erbauten, zum Theil dreistöckigen Häuser, welche
        

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