Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1878103
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Fünftes Oapitel. 
Die untergeoxdneten Kunstarten und das Kunsthandwerk. 
erhielten. Wenn dieses (lurch die äußerste Zartheit seiner Arbeit ausgezeich- 
nete Ilalsband nur in seiner besondern Form von unseren modern antiken 
Stücken der Art abweicht, so haben wir für das darüber abgebildete Schmuck- 
stück, welches ebenfalls um den Hals getragen wurde, unter unseren Schmuck- 
sachen keine Analogie. Es ist dies eine sogenannte bullu; an dem in scharfen 
Schraubengängen gewundenen elastischen Draht, welcher um den Hals ging 
und hinten mit ein paar Haken in einander griff, hangt vorn an einer ver- 
zierten dünnen Platte eine linsenförmige Kapsel, die eigentliche Bulla. Die- 
selbe diente zur Aufbewahrung der Amulette, durch welche man allerlei Krank- 
heiten und Zauber und den bösen Blick abzuwenden glaubte, und wurde von 
Gold hauptsächlich von den Sprösslingen edler Geschlechter in der Jugend ge- 
tragen und nach glücklicher Vollendung der Jugend beim Eintritt in das reifere 
Alter den schützenden Laren geweiht.  Von derjenigen Arbeit der pompe- 
janer Goldsrshlniede, welche sich, Figuren bildend, der eigentlichen Plastik 
nähert, bietet die erste Probe eine Heftnadel, mit der man das Obergewand 
zusammensteekte; auf eine nähere Besprechung der seltsamen Gestalt eines, 
wie  scheint, dem bakchischen Kreise angehörenden, aber mit Fledermaus- 
flügeln versehenen Genius, Welcher das Ornament bildet, kann hier nicht 
eingegangen werden; zu bemerken ist nur noch, dass unter den leider nicht 
veröffentlichten Bildchen von Gold sich vorzugsweise Kindergestalten linden. 
welche nach dem Maßstabe zu beurteilen sind, den wir an die niedere Metall- 
arbeit überhaupt anzulegen haben. Ihren Gipfel erreicht die pompejaner 
Goldschmicdekunst in den Ilervorbringungen, mit welchen sie sich dem Ge- 
biete des Bronzearbeiters nähert, welches oben geschildert wurde, in der Ver- 
fertigung von Gefäßen mit Ornamenten und Figuren in getriebenen Reliefen, 
zu denen die edlen Metalle ihrer großen Dehnbarkeit wegen sich besonders 
eigneten. In der beifolgenden Ansieht sind drei silberne Becher aus Pompeji 
in ganzer Gestalt und von den beiden mit Figuren geschmückten die Reliefe 
in größerer Zeichnung zusammengestellt, welche demjenigen, der solche be- 
wundcrungswviirtlige Arbeiten des Alterthums nicht in den Originalen kennt, 
wenigstens einigermaßen von denselben eine Vorstellung vermitteln können. 
Der erste dieser Becher ist an sich einfach mit vier einander zu je zweien ent- 
sprechenden Rebzweigen verziert, welche aber mit eben so vielem Geschmack 
um den Körper des Gefäßes geordnet sind, wie sie sich durch feine und reine 
Modellirung auszeichnen. Ist schon dieses kein alltägliches Stück Arbeit, so 
wird es doch an Interesse weit übertroffen durch die beiden anderen Geschirre. 
Auf dem erstem derselben ist eine Apotheose Homers dargestellt, welcher in 
der Mitte der Vorderseite von einem mächtigen Adler emporgetragen wird, 
während die allegorischen Gestalten der Ilias mit dem Helm, Schild und 
Speer links und der Odyssee mit der Schiffermütze und dem Ruder ausgestattet 
rechts zur Seite auf den feingeschwungenen Arabesken sitzen, welche nach 
hinten das ganze Bildwerk schließen. Eine an mehren Stellen anfgehängte 
Guirlande umzieht den Rand des Gefäßes über der Darstellung, zwei Schwäne 
(der eine fast ganz zerstört), die Vögel Apollons, erheben sich mit dem Dichter 
zu den himmlischen Höhen des Olymp. Über die Sinnigkeit der (lomposition 
im Ganzen und im Einzelnen und über den Adel der Formen ist angesichts
        

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