Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1878042
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Fünftes Capitel. 
Die untergeordneten Kunstarten und das Kunsthandwerk. 
außerhalb des Planes dieses Buches liegen. Es bleiben demnach eigentlich 
nur zwei Arten der Technik, welche hier eine etwas eingänglichere Betrachtung 
erheischen und lohnen, die Metallarbeit einschließlich der Goldschmiedekunst 
und die Glasarbeit.  
In Beziehung auf die Metallarbeit kann es sich wesentlich nur um die 
Ornamentik handeln, deren uns zwei technische Hauptarten entgegentreten, 
die Toreutik und die Empaestik. Erstere hat es mit der Herstellung plastischer 
Ornamente in Relief und in ganzen Figuren zu thun und hangt auf's innigste 
 mit der Plastik selbst zusammen, von der man sie nur des geringern Umfangs 
und des weniger selbständigen Charakters ihrer Arbeiten wegen trennen kann. 
YVir finden diese Art der Metallarbeit an fast allen Geräthen und Gefäßen, 
welche sich über die Befriedigung des bloßen Bedürfnisses erheben, und wir 
sind ihr an den Bisellien, Sesseln, Lampen, Candelabern, Dreifiißen, Eimern, 
Krateren, Heerden, YVaflfen begegnet. An diesen Geräthen und Gefäßen 
schafft sie das Ornament entweder in ausgetriebenen oder in gegossenen und 
mit dem Grabstichel vollendeten lrlormen, und zwar wieder bald aus einem 
Stück mit dem Illauptnrerk, bald durch Herstellung selbständiger Schmuck- 
theile, welche ziufgenicrtet oder aufgelöthet wurden. In den Formen schließt 
sich diese Metallarbeit wesentlich allen denen der übrigen Ornamentik und 
Plastik an, beginnt mit einzelnen vegetahilen Formen, erhebt sich durch die 
 g. Arabeske zum Figurenrelief und endet in der Darstellung der kleinen 
Rundbilder, welche sich z. B. als Deckelverzierungen mehrer Lampen, an 
Candelabern und sonst (in Fig. 232. 233. 234) linden. Nicht selten verbindet 
sie mit der Herstellung der plastischen Form den Schmuck der Versilberung 
und Vergoldung, wie denn auch die Herstellung von Ornamenten bronzener 
Geräthe aus getriebenem Silber und Gold nicht eben selten ist. Selbständig- 
keit der Erfindung und Formgeburlg wird man bei diesem untergeordneten 
Kunstzweige in der ltegel weder erwarten noch finden, obgleich allerdings 
einzelne größere Prachtgefäße aus dem Alterthum auf uns gekommen sind, 
welche die Hand wirklicher Künstler verrathen. Ohne uns aber grade Neues 
und Unerhörtes zu bieten, liefert uns die plastische Metallarbeit in Reliefen 
und Statuetten eine Fülle interessanter, zum Theil namhaften Kunstwerken 
im Kleinen nachgebildeter Gegenstände aus den verschiedenen Kreisen der 
Objecte der alten Kunst. Denn weder mythologische Bildwerke fehlen in 
dieser Reihe, noch Genrebilder aus dem täglichen Leben, ja, bei dem Ver- 
lust so unendlich vieler der großen Vorbilder muss uns mehr als eine dieser 
kleinen Nachbildungen zur Ausfüllung einer Lücke der kunstgeschichtlichen 
wie der gegenständlichen Monumentenreihe dienen. 
Im Allgemeinen darf zur Veranschaulichung der Producte der pompejaner 
Toreutik wohl auf die Abbildungen derselben in früher mitgetheilterl Figuren 
(230-"248- 253-255) verwiesen werden; doch schien es zweckmäßig, hier 
noch einige der schönsten Muster der verschiedenen Hervorbringungen dieses 
Kunstzweiges in einer etwas größern Abbildung (Fig. 316) zu vereinigen. 
Hier finden Wir Zuerst (w vgl. b) das überaus reiche und mit reinster Schärfe 
getriebene Ornament eines prächtigen Eimers, welcher dem in Fig_ 247 ab- 
gebildeten herculanischen ähnlich, aber in Pompeji gefunden ist. Bei c ist
        

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