Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1878017
Die Alexanderschlacht. 
Getümmel verschlingen würde, sind im Bilde vernehmlich, und geben ihm eine 
Größe, wodurch das Grausenhafte der Scene gemildert und die fürchterliche 
physische Gewalt des Augenblicks wie von einem Genius der Kunst gezügelt 
wird. Dem Sieger, der in ruhiger fester Haltung vordringt und nun nahe 
daran ist, die Drohung wahr zu machen, die e1' ausgesprochen haben soll, den 
Darius in der Schlacht selbst zu tödten, wird durch diese königliche Haltung 
und menschliche Größe ein so gutes Gegengewicht gegeben, dass das Mitleid 
nicht weniger als die Furcht sich reinigt durch die Kunst, ja dass der Unter- 
liegende eigentlich als der Sieger erscheint. Indem die Entscheidung der 
Schlacht in ihrem rechten Mittelpunkte klar vor uns liegt und die eingreifen- 
den, malerisch so kräftigen Einzelheiten in einfacher, weise gewählter Mannig- 
faltigkeit sich vor unseren Blicken ausbreiten, reißt doch die magische Gewalt 
des großen und schönen und so würdig und ansprechend ausgeführten Ge- 
dankens Sinn und Theilnahme überwiegend zu sich hinß Auf Einzelheiten des 
Costüms, auf den Ausdruck und die Porträtahnlichkeit in den Köpfen, welche 
unsere kleine Nachbildung nicht wiedergeben kann, und keine der bisherigen 
Publicationen genügend wiedergiebt, kann hier nicht eingegangen werden, 
nur auf einige meisterhafte Züge in der Composition sei hingewiesen. Welch 
ein feiner Tact zeigt sich darin, dass die siegreich andringenden Makedonier 
nur ein Drittheil, die fliehenden Perser zwei Drittheile des Bildes einnehmen, 
wodurch zugleich die Hauptpersonen in die Mitte gerückt werden. Wenn 
der Reiterangriff, der die Schlacht entscheidet, in seiner vollen Wucht und 
Gewalt zur Anschauung kommen sollte, so durfte er nicht dadurch geschwächt 
werden, dass der Maler die Situationen der Andringenden persönlich ve1'- 
schieden motivirte, ein gleichmäßig unwiderstehliches Heranbrausen der 
Schaar ist hier das einzige Ausdrucksvolle ; ein solches lasst aber große Mannig- 
faltigkeit nicht zu. Deshalb genügt hier der kleine Raum. In den Personen 
des geschlagenen Heeres aber mussten die verschiedenen Abstufungen des 
Eindrucks gemalt werden, wenn das Bild der Flucht wahr sein sollte; panischer 
Schrecken, Entsetzen, Zorn, Theilnahme für den sinkenden Feldherrn, für 
den bedrohten König musste in den verschiedenen Individuen dargestellt 
werden und ist in ihnen dargestellt. Und dazu musste ein breiteres Feld in 
Anspruch genommen werden. Wie vortrefflich ist es gedacht, dass Alexander 
den Helm verloren hat, der neben ihm an der Erde liegt. Indem der Künstler 
so sich die Gelegenheit verschaffte, das Porträt des großen Eroberers unge- 
störter, namentlich sein mähnenartig emporgebäumtes Haar darzustellen, legt 
er durch diesen Zug in diese Figur den Ausdruck des Ungestümen, der kaum 
durch ein anderes Mittel so gut erreicht werden konnte. Wie wirkungsvoll ist 
der Gegensatz des gestürzten Pferdes, welches die Katastrophe herbeifiihrt, und 
des zur Flucht des Königs bereitgehaltenen; wie tief durchdacht ist, Dareios, 
der sich selbst vergisst, zunächst von solchen Personen umgeben darzustellen, 
die voll Aufopferung auch nur an den bedrohten König, nicht an sich denken; 
jenem Wagenlenker, der auf seine Weise in seiner Pflichterfüllung aufgeht, 
und noch ungleich mehr dem edlen Perser, der, indem er sein Ross dem König 
bietet, als ein sicheres Opfer, wie fest und kräftig! vor uns steht. Aber man 
wende den Blick Wohin man will, man studire das Gemälde nach allen Seiten
        

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