Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1878005
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Viertes Capitel. 
Die Mosaiken. 
angeführt werden, es muss genügen, drei Abhandlungen von Landsleuten zu 
nennen, welche die Palme errungen haben, ohne dass der Werth mancher 
fremdländischen Arbeit gelaugnet werden soll; den Aufsatz von Gervinus 
in seinen kleinen histor. Schriften VII, S. 435-487, die Besprechung von 
 Müller in den Göttinger gel. Anzeigen 18341 S. ll8lw-ll9ö, und die 
kürzere, aber nicht minder vorzügliche Abhandlung WVelckers in seinen 
kleinen Schriften III, S. 460-475. 
Von der größten Wichtigkeit,  unumgänglich nöthig zum Verständniss 
der Composition ist zunächst die Feststellung des Gegenstandes. Es genügt 
hier nicht, gegenüber ganz verfehlten Erklärungen, auf die nicht näher ein- 
gegangen zu werden braucht, irgend eine der Perserschlachten Alexanders 
anzunehmen, sondern man muss auf's bestimmteste daran festhalten, dass die 
Schlacht bei Issos gemeint und im Wendepunkt der Entscheidung dar- 
gestellt sei. In mehren Berichten über diese Schlacht wird das persönliche 
Zusammentreffen der Könige, des Alexander und Dareios, sowie namentlich 
bei Qu. Curtius III, 27 der Umstand hervorgehoben, dass, nachdem mehre 
persische Große, Welche sich schützend vor dem Großkönig auf seinem Kriegs- 
wagen aufgestellt hatten, vor den Augen desselben gefallen waren, Dareios 
der persönlichen Gefangenschaft nur dadurch entging, dass er seinen Königs- 
Wagen, dessen Gespann in Unordnung gerathen war, verließ, ein ihm bereit- 
gehaltenes Pferd bestieg und auf diesem entrann. Diese, und nur diese 
Scene, mag sie eine historische Wahrheit oder eine sagenhaft ausgeschniückte 
Geschichte sein, enthält den Schlüssel unseres Bildes und besonders die Er- 
klärung für das in so auffallender Weise neben dem Königswagen in den 
Mittelpunkt der Composition gestellte Pferd. Mit unwiderstehlicher Gewalt 
ist Alexander an der Spitze seiner Reiter herangedrungen, schon ist der 
Königswagen des Dareios gewendet, einer der edelsten Perser, der hier für 
jene Mehrzahl derselben gewählt ist, und in dem wir nach der Auszeichnung 
durch seine Tracht den Feldherrn und Bruder des Königs, Oxathres erkennen 
dürfen, obgleich diesen die historischen Berichte nicht nennen, deckt den 
Rückzug. Da stürzt sein Rappe, von einer lnakedonischen Lanze getroffen, 
zusammen, und ehe der Reiter sein Ross ganz verlassen kann, braust Alexan- 
der heran; nichts achtet er's, dass ihm der Helm vom Ilaupte gestürzt ist, 
nichts, dass er nach den historischen Berichten selbst im Schenkel verwundet 
ist, mit dem Stoß seiner gewaltigen Lanze durchbohrt er den Perserfeldherrn. 
Entsetzen und panischer Schrecken fasst die Perser, die allen Widerstand auf- 
geben und, die Lanzen auf die Schulter geworfen, in wilder Flucht dahineilen. 
Mit der äußersten Anstrengung treibt der Wagenlenker des Königs sein in 
Ulwrdnllng gerathenes und bäumendes Viergespann; vergebens! nur eine 
Hoffnung den König zu retten bleibt, einer seiner edlen Begleiter ist vom 
Pferde gesprungen, das er dem König überlassen will. vDarius abera, um mit 
den schönen YVorten WVelekers fortzufahren, nwendet auf seinem Wagen sich 
um, sieht die Rettung mit dem Rücken an, vergisst sich und die Schlacht über 
dem Gefühl und der Pflicht eines Königs und eines Bruders gegen den sinken- 
den Feldherrn und Beschützer, und streckt den Arm nach seinem Getreuen 
aus. Dieser Arm begleitet eine Rede, und die Worte des Erhabenen, die das
        

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