Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1871644
Fünftes Capitel. 
sondern zwischen anderen Häusern an den Straßen einer Stadt zu liegen. Und 
dies wird noch augenscheinlicher dadurch, dass ein solches Haus in der vierten 
Insula der ersten Region ausnahmsweise auch eine Seitenmauer aus Quadern 
hat: die Ausnahme erklärt sich einfach daraus, dass das Haus ein Eckhaus, 
jene Seitenmauer die Siidmauer der Insula ist, also auch an der Straße lag; es 
wird also hier die Existenz der Insula vorausgesetzt. Und eben so setzen die 
Reste alter Häuser in der sechsten Insula der siebenten Region Oäenbar die 
ziemlich unregelmäßige Form des Westendes der Insula voraus. So dürfen 
wir also für sicher halten, dass schon zur Zeit jener alten Kalksteinhäuser der 
Grundplan der Stadt wesentlich derselbe war, Welcher uns noch jetzt vorliegt. 
Dagegen müssen wir uns ein anderes wichtiges Resultat von Fiorellis 
Forschungen aneignen, nämlich seine Eintheilung der Gebäude Pompejis in 
drei zeitlich auf einander gefolgte Gruppen, deren charakteristische Eigen- 
thümlichkeiten im ersten Capitel des zweiten Theiles dargelegt werden sollen. 
Wir können Fiorelli nicht beistimmen, wenn er die Gebäude der ältesten 
Gruppe, die eben besprochenen Kalksteinhäuser, für älter hält, als die samni- 
tische Eroberung um 420  eher mögen sie bis ins dritte Jahrhundert hinab- 
reichen  auch nicht, wenn er den dorischen Tempel auf dem Forum trian_ 
gulare dieser Gruppe zuzählt; er ist vermuthlich alter. Um die Zeit der Stadt- 
mauer zu bestimmen, fehlt es an geniigendem Anhalt. 
Die Zeit der zweiten Gruppe nennen wir mit Nissen die T uffperiode, und 
schreiben mit demselben Gelehrten (pompejan. Studien S. 48) den durch sie 
bezeichneten Aufschwung der langen Friedenszeit zwischen dem hannibali- 
sehen und dem Bundesgenossenkriege zu. Sie ist zugleich die Zeit des ersten 
pompejanischen Decorationsstils. In ihr wurde Pompeji durch eine lebhafte 
Bauthätigkeit vollständig umgestaltet: es entstanden die Säulenhallen des 
Forums mit den beiden anliegenden Tempeln: dem J uppiter- und Apollo- (s. g. 
Venus-) tempel, die Basilika, die größeren Thermen, das größere Theater mit 
den beiden großen ihm benachbarten Portiken, die kleinere Porticus, in der 
wir eine Palaestra erkennen werden, endlich eine ganze Anzahl großer Privat- 
häuser mit Säulenhöfen (Peristylien)  
Von der dritten Gruppe, den Bauten der römischen Zeit, sondern sich, 
wie wir weiterhin sehen werden, als Unterabtheilung einige der ersten Zeit 
der sullanischen Colonie angehörige Bauten ab: das kleinere Theater, das 
Amphitheater, der s. g. Aesculaptempel, die kleineren Thermen, der innerg 
Theil der Porta marina. An diese Unterabtheilung knüpfen sich die Anfängg 
des zweiten Decorationsstils, während der letzte (vierte) hauptsächlich (1911 
meistens ziemlich kenntlichen Bauten aus der Zeit nach dem Erdbeben Von 
63 n. Chr. angehört 20). 
Wir kommen noch einmal auf die schon erwähnte Heerstraße zurück, 
welche von Neapel über Herculaneum und Pompeji nach Nuceria, führte_ Da das 
Herculaner Thor offenbar mit Rücksicht auf diese Straße angelegt worden ist, 
so dürfen wir nicht zweifeln, dass der Durchgangsverkehr ursprünglich von hier 
aus den kürzesten Weg zum Stabianer Thor einschlug, indem er durch die Via 
conszelezre, den Vicolo delle Terme und weiter entweder durch die Stmda degli 
Augustalz" oder über das Forum und die Strada deZP Abbondanza die Stabianer
        

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