Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877902
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Drittes Capitel. 
Die Malerei. 
dass ihre Erscheinung mit der umgebenden Natur in einen Eindruck aufgeht, 
wenn wir also mit einem Worte eigentlich nur das genrebaft realistische 
Stimmungsbild als rechtes Landschaftsgemältle anerkennen: dann freilich 
werden wir unter Allem, was wir in Pompeji Landschaftliehes finden, kein 
einziges echtes Landschaftsbild anzuerkennen vermögen. Denn eine Land- 
schaft ohne mehr oder weniger reichliche Zuthat von Menschenwerk in allerlei 
Baulichkeiten und ohne Staffage von Menschen, welche durchaus nicht als 
Kinder der Natur erscheinen, eine solche, obendrein eine bestimmte Gegend 
wiedergebende Landschaft kommt in Pompeji nicht vor. Aber freilich müsste 
man von diesem Standpunkt aus nicht Pompeji allein und nicht den Alten 
allein die Landschaftsmalerei absprechen, wie das ja auch gesehehn ist. sondern 
von ihm aus wird man sich folgerichtigerweise auch gezwungen sebn, die ganze 
moderne s. g. historische oder heroische Landschaft, die Poussins, (11. Lorrain, 
Koch, Reinhardt und Preller, als nicht vollgiltig zu bezeichnen. Sehränkt 
man aber das Gebiet der Landschaftsmalerei durch einen puristischen Schema- 
tismus der Gattungen nicht so ein, anerkennt man, dass der Landschafts- 
maler nicht auf ein Nachahmen der gegebenen Natur, sondern auf ein 
Schaffen in ihrem Sinne angewiesen sei, ainerkennt man die frei componirte 
ideale, die historische, die mehr oder weniger staffirte Landschaft, diejenige, 
welche mit spannender, pathetisch bewegter oder idyllisch stiller mensch- 
licher Statfage zusammen componirt ist, siebt man auch noch in bedeutsamen 
landschaftlichen Hintergründen von Figurenbildern ein Moment der Land- 
schaftsmalerei, dann wird die Sache etwas anders stebn , dann wird man 
sagen müssen, dass es unter den pompejaner Gemälden allerdings wohl 
keine vollendeten Muster, aber sehr gewiss unverkennbare Vertreter mehr als 
einer Gattung der Landschaftsmalerei giebt. Auf die vedutenartigen Prospecte 
und die von diesen sich absondernden, mit mehr Stimmung ausgeführten 
Bilder, von denen oben (S. 573 f.) gesprochen wurde, soll hier nicht wieder zu- 
rückgekommen werden, auch über die Landschaften mit dem Landscbaftlichen 
untergeordneter heroischer Staffage (S. 575) ist hier höchstens noch hinzuzu- 
fügen, dass ihrer einige durch bedeutungsvolle Stimmung, andere durch wei- 
tere Ausführung sich auszeichnen, wenn auch nicht verschwiegen oder ver- 
tuscht werden soll, dass der Zusammenklang des Landscbaftlichen mit der 
mythologischen Handlung nur selten ganz voll und rein ist, vielfach dagegen 
durch Zuthaten getrübt wird, welche uns vollkommen ungchörig erscheinen, 
wie z. B. der ionische Tempel und die vor ihm stehende Gewandberme in dem 
Bilde, welches den an den Kaukasus angeschmiedeten Prometheus darstellt 
(Hlbg. No.1128). Hier möge die Aufmerksamkeit noch auf die landschaft- 
lichen Hintergründe von Fignrencompositionen gelenkt werden, sofern diese 
mit dem Gegenstande der dargestellten Begebenheit in mehr oder weniger 
stimmungsvoller Übereinstimmung stebn. Dabei soll weder auf die starr über- 
hangenden Felsen am öden Strande des Meeres, unter denen die verlassene 
Ariadne erwacht, besonderes Gewicht gelegt werden, noch auf die stille Ein- 
samkeit, in welcher Perseus seiner Andromeda das grauenvolle Geheimniss 
des Medusenhauptes im Quell zeigt, oder diejenige hoch im Gebirg, in welche 
sich Ares und Aphrodite mit ihrer Liebe zurückgezogen haben, und auf
        

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