Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877881
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Drittes Oapitel. 
Die Malerei. 
einerseits schon gesagt, dass die Eigenthiimlichkeit der Frescotechnik jene 
Gluth und Zartheit des Colorits der Ölmalerei nicht zuließ, so dass man die 
pompejaner Bilder nicht mit modernen Ölgemälden, sondern nur mit der- 
gleichen Fresken überhaupt vergleichen darf. Andererseits ist nicht zu ver- 
gessen, dass wir das Colorit bei den allerwenigsten pompejaxier Bildern in 
seinem ursprünglichen Zustande sehn, da manche Farbe nach der jahrhunderte- 
langen Lage im Feuchten bald nach der Ausgrabung bleicht oder wie z. B. 
Zinnober, ganz verändert wird und da alle älteren Bilder mit einem Conser- 
vationsfirniss überzogen sind, der, namentlich indem sich Staub in ihm fest- 
gesetzt hat, den Farben viel von ihrer natürlichen Lebhaftigkeit nimmt. End- 
lich ist darauf hinzuweisen, dass auch in Betreff der Farben sich die Bilder 
des dritten und des vierten Stiles, beide in Übereinstimmung mit der Gesammt- 
decoration zu der sie gehören, sich wesentlich von einander unterscheiden 
und dass diejenigen des dritten Stiles einen kühleren Ton haben, als diejeni- 
gen des vierten. Im Ubrigen fehlt innerhalb der Scala der Frescofarben gewiss 
keine Stufe von der sattesten bis zur lichtesten Farbe, und grade durch be- 
wusste u11d absichtliche Zusammenstellung der Gegensätze sind die vor- 
trefflichsten Wirkungen erzielt. So z. B. in dem in Fig. 310 mitgetheilten 
Hilde von Achills Erziehung, wo der Gegensatz in der lichten, blühenden Car- 
nation des halbgöttlichen Knaben und den schweren braunrothen Tinten in 
dem Körper seines halbthierischen Lehrers nicht wirkungsvoller dargestellt 
sein könnte; so ebenfalls in den schwebenden Gruppen der Bakchanten und 
läakchantinnen. Wenn hier die männlichen Körper fast bronzefarben gehalten 
sind, so mag man darin eine Nachahmung der von südlicher Sonnengluth ge- 
bräunten Hautfarbe, welche man noch heute an neapolitanischen Fischern und 
Lazaronen sieht, erkennen; wenn aber die weiblichen Körper daneben, was 
keineswegs etwa in gleichem Maße der heutigen Wirklichkeit entspricht, von 
der durchsichtigsten Klarheit der Färbung sind, ohne dass sie als wesentlich 
verhüllter, also geschützter gegenLuft und Sonne gegeben werden, so wird 
man nicht wohl umhin können, in der gegensätzlichen Färbung des einen Ge- 
Schlechts und des andern eine bewusste Absicht des Malers, ein bestimmtes 
Streben nach Effect des Colorits zu erkennen. Und dies um so mehr, da ein 
solches Princip der Carnation in der ganzen alten Malerei gewaltet zu haben 
scheint, und in allerrohester YVeise noch in den älteren gemalten Thongefäßen 
auftritt, auf denen die Männer schwarz und die Weiber und Kinder weiß ge- 
malt sind. 
Wenn die Farbgebung in der Behandlung und Verbindung dieser Gegen- 
sätze, welche sich ähnlich im Verhältniss des Nackten zur Gewandung wieder- 
finden, als sehr durchdacht erscheint, so äußert sich in der Zusammenstellung 
deY Farben in größeren Compositionen ein höchst bedeutender Sinn für das 
Harmonische. Fast niemals wird man Farben neben einander finden, welche 
das Auge unangenehm berühren, der Accord der Farbe, den die moderne Op- 
tik bereßhnet hat, tritt uns auf überraschende Weise aus den besseren pom- 
pejaniSßlleli Gemälden entgegen. Deshalb sind, wie ebenfalls schon früher 
erwähnt, dm guten Blldel": S0 farbig sie sein mögen, niemals bunt und grell, 
und nur die Tlefe und Sättigung besonders in den Schattenpartien können wir
        

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