Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877849
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Drittes Capitel. 
Die Malerei. 
anreihen ; vortrefflich ist auch, wie bereits bemerkt, die Erziehung des Achilleus 
durch Cheiron (Fig. 310), sehr wirkungsvoll die Entdeckung des Achilleus 
unter den Töchtern des Lykomedes (wohl am besten in der Oasa del questore 
Hlbg. N0. 1297, oben S. 337), auch Zephyros und Chloris (8.598); immer 
noch sehr schön gemalt, wenn auch nicht so unbedingt zu loben das große 
Bild Isis und I0 aus dem Isistempel (Hlbg. N0. 138), während auch die Einzel- 
figuren von Göttern innerhalb der Decoration in der Casa de! guestore (S.  
hervorgehoben zu werden verdienen. 
Wenden wir uns von dieser Erwähnung einiger der besten Bilder Pompejis 
zu dem Versuch einer allgemeinen künstlerischen Würdigung der pompe- 
janischen Malereien, welcher besonders deswegen von Wichtigkeit ist, weil 
uns dieselben, wie seines Ortes hervorgehoben worden ist, zum guten Theile 
die antike Malerei überhaupt vertreten müssen, so soll nicht abermals von den 
bereits früher erörterten eigenthümlichen gegenständlichen und technischen 
Bedingungen die Rede sein, unter welchen die pompejaner Bilder stehn, und 
ebenso darf hier die ganze Masse des flüchtig Hingeworfenen, Unbedeuten- 
den und Rohen bei Seite bleiben, welches nur als Zeugniss für die außer- 
ordentliche Handfertigkeit und Geschicklichkeit der alten Decorationsmaler 
seine Wichtigkeit hat. Halt man sich an den Hauptbestand dessen, was auf 
künstlerischen Werth Anspruch hat, so wird man, um mit den Figurenbildern, 
besonders den mythologischen zu beginnen, der großen Mehrzahl eine glück- 
liche YVahl des Gegenstandes zuerkennen müssen, man möge von seinem 
Interesse oder von seiner klaren und vollständigen Darstellbarkeit und Abge- 
schlossenheit, oder von seiner Anlage zur formalen Schönheit reden. Es sind 
nur sehr wenige Gemälde vorhanden, welche nicht eine in sich vollendete oder 
sich vollendende und deshalb aus sich selbst verständliche und erklärbare 
Handlung enthielten, die, bei vorausgesetzter Kenntniss der allgemeinen 
mythologischen Grundlage, selbst für uns keines Commentars bedürfen und 
eines solchen natürlich noch viel weniger für den alten Beschauer bedurften, 
welcher vermöge der zeitgenössischen Poesie, welche wie die Kunst aus helle- 
nistischer Quelle schöpfte und sich vielfach an die Darstellungen der Kunst 
anlehnte, mitten in den Kreisen des Mythus lebte, welchen die Gemälde 
schildern. Durchaus vermieden, ja dem gesunden und gleichsam instinctiven 
Sinn der Alten für die Grenzen jeder Kunst vollkommen fremd ist jene sym- 
bolisch-allegorische Malerei, welche unsere moderne Kunst auf bedenkliche 
Abwege zu führen droht. Überall ist mit dem Idealismus der Auffassung der 
gesündeste Naturalismus der Darstellung verbunden, wobei es allerdings nicht 
verkannt werden darf, dass den alten Malern in ihrem von vorn herein aus 
idealen und realen Elementen gemischten Mythus ein Gebiet offen stand, 
welches uns Modernen größtentheils verschlossen ist und durch kein Analogon 
ersetzt Wird. Auch auf die Composition äußert die glückliche WVahl und die 
frische und natürlich einfache Auffassung des Gegenstandes ihren Einfluss. 
Wall hat, wie 8011011 berührt wurde, vielfach von einer plastischen oder gar einer 
reliefartigen Compositionsrnanier der alten Malerei geredet; dieselbe lässt sich 
aber in der T hat so wenige der wirklichen Vorzüge oder Vortheile malerischer 
Composition über die plastische entgehn, dass man das sogenannte plastische
        

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