Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1871632
Übersicht über den Plan und die Monumente Pompej is. 
Wir unterlassen es, auf die Einzelheiten des bei Stadtgründungen und 
Anlage des Straßennetzes üblichen Verfahrens einzugehen, und bemerken nur, 
dass im technischen Sprachgebrauch die ostwestlichen Linien decumani, die in 
dieser Richtung zuerst gezogene Grundlinie decunzanus maximus, die nord- 
südlichen Linien cardivzes, die entsprechende Grundlinie cardo maximus ge- 
nannt wird. Im Anschluss hieran ist nach der zugleich mit der Numerirung 
der Regionen und Insulae durchgeführten officiellen Bezeichnung die Nolaner 
Straße decumanus major, die Stmda dell" Abbomlcmza mit ihren Fortsetzungen 
decumanus minor, die Stabianer Straße endlich cardo genannt worden. Die 
übrigen Straßen haben innerhalb jeder Region eine Nummer erhalten (m'a 
prima, secunda u. s.  Anlass zu dieser Numerirung hat eine in die Wand 
der Straße zwischen der ersten und zweiten Insula der ersten Region einge- 
kratzte Inschrift gegeben: dieselbe lautet m'a III, und man hat hierin eine 
Bezeichnung der Straße gefunden, Welche in der That die dritte von dem 
ndecumavzus minoru ist. Das Fundament ist also ein sehr schwaches; ohne 
Zweifel hatten die Straßen Namen, nicht Nummern, wie etwa in amerikani- 
schen Städten. Auch für den praktischen Gebrauch hat diese Numerirung 
geringen Werth, und es ist weit zweckmäßiger sich zur Bezeichnung einer 
bestimmten Localität nur der Nummern der Regionen und Insulae zu be- 
dienen. 
Es darf hier nicht verschwiegen werden, dass die Annahme von einer 
planmäßigen Anlage Pompejis nicht unbestritten ist, dass vielmehr Fiorelli auf 
Grund wichtiger, von ihm beobachteter Thatsachen zu einem ganz andern 
Resultat gekommen ist. In seinem im Jahre 1873 herausgegebenen Bericht 
über die Ausgrabungen von 1861-1872 theilt er nämlich sämmtliche Gebäude 
Pompejis in drei aus verschiedenen Perioden stammende Classen, deren erste 
er der altoskischen Bevölkerung zuschreibt, während die zweite von den um 
420 eingedrungenen Samniten, die dritte von den Römern herrühren soll. 
Jener ersten Classe gehört namentlich eine Reihe alter Privathäuser an, mit 
Fronten aus massiven Quadern des vom Sarnus abgelagerten Kalksteines 
(pietra di Same) und Innenmauern aus demselben Stein in eigenthümlicher 
fachwerkartiger Schichtung, ohne Kalkmörtel, mit Lehm als Bindemittel: 
Fiorelli zählt deren in dem bis 1872 ausgegrabenen Theil etwa 70. Es ist nun, 
nach Fiorelli, nicht denkbar, dass, wenn zur Zeit dieser alten Häuser die ganze 
jetzige Stadt bebaut gewesen wäre, dieselben bis auf diese geringen Reste sammt 
ihren Fundamenten hätten verschwinden können, und er schließt weiter, dass 
in jener ältesten Periode eben nur diese Häuser, keine zusammenhangenden 
Straßen und Insulae vorhanden waren, dass vielmehr diese erst später durch 
allmähliche Ansiedlung sich an jene vereinzelt liegenden Häuser angeschlossen 
haben. Doch ist diese Annahme unhaltbar. Jene alten Häuser liegen stets mit 
ihrer Front an den jetzigen Straßen, und setzen offenbar deren Existenz vor- 
aus. Sie finden sich stellenweise in ganzen Reihen, wie z. B. in der elften In- 
sula der sechsten Region, mit gemeinsamen Zwischenrnauern, also völlig 
städtischer Bauart. Sie haben durchaus ungemein feste Frontmauern aus Qua- 
dern, Seiten- und Innenmauern aus dem erwähnten fachwerkartigen Mauer- 
werk von geringer Festigkeit, sind also darauf berechnet nicht isolirt im Felde 
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