Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877826
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Drittes Capitel. 
Die Malerei. 
denn die Annahme, dass nicht wenige Bilder in die fertigen Wände eingesetzt 
seien, und die weitere, dass diese oder doch die vorzüglichsten unter ihnen, 
wie z. B. die großen und schönen Bilder in der (Jasa di Lucrezio (oben S. 317 f.) 
aus einer friihern und bessern Kunstzeit stammen, ist, wie ebenfalls schon 
bemerkt, als widerlegt zu betrachten. Mit den älteren Decorationsweisen aber 
(oben S. 521  sind Bilder überhaupt nicht verbunden. l)ie gegenständlichen 
und die technischen Verschiedenheiten der den beiden letzten Stilarten an- 
gehörenden Bilder istjedoch bedeutend genug, um ein Hervorheben wenigstens 
der wichtigsten Merkmale der einen und der andern zu rechtfertigen 255)  
Waszunächst das Gegenständliche anlangt, braucht kaum gesagt zu wer- 
den, dass alle diejenigen Malereien, welche nicht auf griechische Vorbilder 
zuriickgehn, also diejenigen, welche Helbig als vrömisch-campanische Sacral- 
bilderu bezeichnet, und diejenigen, welche er unter dem Titel: nrÖmisch-cam- 
panisches Genres zusammengestellt hat (s. oben S. 579) ausschließlich dem 
vierten Stil angehören, (lagegen die als: vhellenistisches Genrea charakteri- 
sirten (oben S. 580 f.) wenn auch nicht ausschließlich, so doch ganz überwiegend 
dem dritten. Ferner soll das soeben über die Landschaftsdarstellungeil des 
einen und des andern Stiles Gesagte nicht wiederholt werden; im nächsten 
Anschluss hieran ist aber zu bemerken, dass der dritte Stil es liebt, auch bei 
mythologischen Darstellungen den landschaftlichen Hintergrund ausführlicher 
zu behandeln, während in Bildern des vierten Stiles die Figiuen durchaus die 
Hauptsache sind und der Hintergrund meistens nur in ganz bescheidener 
Weise angedeutet wird. Es darf hierbei freilich nicht unerwähnt bleiben, dass 
es an derartigen Bildern auch auf Wänden dritten Stiles nicht fehlt. Obgleich 
ferner eine Reihe von Gegenständen den Wänden beider Stilarten gemeinsam 
ist, wie Ariadne und Theseus, Ariadne und Dionysos, Aktaeon, Odysseus und 
Penelope, Perseus und Andromeda, finden sich gewisse andere nur auf solchen 
dritten und wieder andere nur auf solchen vierten Stiles. Vergleicht man die 
beiden Folgen, so ergiebt sich, dass die Bilder heroischen und pathetischen 
Charakters überwiegend dem dritten, die mehr sinnlich reizenden wie z. B. 
Ganymedes mit dem Adler, Leda mit dem Schwan, Apollon und Daphne, 
Ares und Aphrodite dem vierten Stil angehören und dass im Ganzen betrachtet 
die Mannigfaltigkeit der Gegenstände im dritten Stile, dem viele der nur ein 
Mal vorkommenden Bilder angehören, beträchtlich größer ist, als im vierten. 
Mit der Auswahl der Gegenstände hangt dann ihre Behandlung zusammen; es 
ist bezeichnend, dass im vierten Stile, in welchem die sinnlichen Scenen über- 
wiegen, auch eine Freude an möglichst ausgedehnter Schaustellung des Nackten 
zu Tage tritt, während der dritte Stil Bekleidung liebt und auf schönen Falten- 
wurf viel Werth legt. Und ebenso ist der Typus der Figuren selbst in beiden 
Stilarten ein verschiedener; diejenigen des dritten Stiles sind Idealgestalten 
und verleugnen namentlich auch in der Gesichtsbildung nicht ihren grie- 
chischen UrsPmng, Während uns in den Bildern des vierten Stiles iiplnige, 
Sinnliche Gestälttlll begegnen, deren Gesichter einen realistischen Zug haben 
und ill Vielen Fällen den einheimischen Typus Campaniens wiedergeben 
mögen. Dagegen scheint die Fähigkeit den Gesichtsausdruck charakteristisch 
wiederzugeben in der Zeit d-CS dritten Stiles nicht eben sehr verbreitet gewesen
        

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