Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877815
Die Landschaft. 
Allgemeine Würdigung der laompejanischen Malerei. 
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gange, WO die Männer keck die Frauen auf die Schultern genommen haben 
und nun unter ihrer Last zaghaft schwanken, und manches Witzige der Art 
von feinstem Salz. Er malte auch zunächst in unbedeckten Räumen Seestädte 
vom reizendsten Ansehn und zwar mit äußerst geringem Aufwandes Was hier 
angegeben ist, finden wir in Pompeji wieder, was jedoch nicht so verstanden 
werden will, als ob bestimmte Bilder des Tadius hier copirt worden wären. 
Das ist um so weniger der Fall, je weniger Wiederholungen, einige umrahmte 
Landschaften vielleicht ausgenommen, wir finden; die einzelnen Bilder sind 
ohne Zweifel selbständig componirt, vdas Rezept, wie ein solches Bild in einer 
gewissen Classe anzufertigen, war vorhanden, aber es war keine Schablone, 
nicht einmal im übertragenen Sinne des Wortesa (Woermann)  
Um nun zu einer allseitig gerechten Würdigung der pompejanischen 
Wandgemälde unter künstlerischen Gesichtspunkten zu gelangen, müssen 
nicht nur die schon im Vorhergehenden angedeuteten Beschränkungen, welche 
der decorative Zweck und die Frescotechnik den Malern auferlegten, sondern 
auch die Bedingungen erwogen werden, unter welchen die Bilder gesehn 
wurden. Es ist schon oben (S. 567 f.) daran erinnert worden, dass diese Be- 
dingungen, namentlich diejenigen der Beleuchtung vollkommen verschieden 
waren von denjenigen, unter denen wir die Bilder sei es an Ort und Stelle, sei 
es im Museum sehn, und auf einzelne Örtlichkeiten, wie das große Triclinium 
der Casa di Meleagro hingewiesen worden, wo die Gemälde unter ungefähr der 
antiken entsprechender Beleuchtung gesehn werden. Hier möge noch her- 
vorgehoben werden, dass das Licht in sehr vielen Zimmern, stark gedämpft 
und mittelbar einfallend, ein höchst ungünstiges war, ein solches, unter dem 
eine große Menge Feinheiten der Ausführung gar nicht hätten gewürdigt 
werden können und dass es daher nur natürlich und verständig genannt wer- 
den kann, dass die Maler auf solche Feinheiten von vorn herein verzichteten. 
Aber auch die eigenthümlich neutrale oder ganz allgemein gehaltene Beleuch- 
tung, unter welcher die gesammten Gegenstände, ganz abgesehn von den 
fehlenden Lichteifecten und Schlagschatten, gemalt sind, dürfte sich aus den 
Beleuchtungsbedingungen erklären, unter welchen die Bilder gemalt und 
gesehn wurden. Je bestimmter nun in unserer modernen Malerei Beleuchtung 
und Lichtführung durchgebildet sind, um so auffallender unterscheiden sich 
von modernen Bildern diese antiken Wandgemälde, in welchen Licht und 
Schatten wesentlich auf das Maß beschränkt sind, welches zur Modellirung 
der Körper und Formen nothwendig ist, ja es kann in dieser Behandlungs- 
weise der Grund liegen, warum die antiken Bilder manchem modernen Auge 
nicht im eigentlichsten Sinne malerisch behandelt erscheinen und warum man 
von einem mehr plastischen als malerischen Charakter derselben, allerdings 
mit Unrecht, geredet hat. 
WVenn man, um den freilich sehr ungleichen künstlerischen Werth der 
pompejaner Bilder durchgreifender als für jeden einzelnen Fall zu bestimmen, 
nach Classen oder Kategorien sucht, in welche sie sich ordnen lassen möchten, 
so wird man vorweg auf die Verschiedenheiten der Bilder von Wänden dritten 
und vierten Stiles aufmerksam zu machen haben. Von einer weiter gehenden 
kunstgeschichtlichen Gliederung der Gesammtmasse kann nicht die Rede sein ;
        

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