Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877791
Verhältniss zu den Quellen. 
Auswahl der Compositionen. 
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der vorherrschenden Farbe der einzelnen Bilder, welche  obgleich über diesen 
Punkt die Forschung noch nicht zu Ende geführt ist  oft mit der Gesannnt- 
oder Grundfarbe der Decoration in Übereinstimmung steht und derselben 
harmonisch angepasst ist; das gilt wohl auch von etwas verschiedenen, aber 
an sich gleichgiltigen Stellungen und Bewegungen der verschiedenen Wieder- 
hohnigen derselben Figur, von Zusätzen und Auslassungen von Nebendingen 
und vielleicht auch von Nebenpersonen. (ienau freilich den Grad der Selb- 
ständigkeit und der Abhängigkeit der pompejaner Maler ihren Vorbildern 
gegenüber zu bestimmen, ist für jetzt nicht möglich und wird wohl um so 
weniger je möglich sein, je weniger genau wir nicht allein die Originale und 
die Vorbilder kennen, sondern auch das wahrscheinlich sehr verschiedene 
künstlerische Vermögen der einzelnen Maler zu ermessen im Stande sind. 
Wenn aber die größere oder geringere künstlerische Freiheit der pompe- 
janer Maler gegenüber ihren Vorbildern und wenn das nähere oder entferntere 
Verhaltniss derselben zu den Originalen den Satz nicht aufzuheben vermag, 
dass den pompejaner Wandgemälden Originale der hellenistischen T afelmalerei 
zum Grunde liegen, so muss doch um die Beziehungen der Nachbildungen zu 
den Originalen richtig zu fassen wohl beachtet werden, dass es sich bei den 
Wandgemalden stets nur um die YViedergahe einer Auswahl aus den Original- 
schöpfungen der Diadochenzeit handeln kann. Eine ganze Kategorie von (je- 
genstanilen, die grauenhaften, tief tragischen und pathetisehen mussten, wie 
schon früher bemerkt, als zur Decoration von Privatzimmern ungeeignet bei 
Seite gelassen werden und sind in der That mit wenigen Ausnahmen vermie- 
den worden. Auch sehr ausgedehnte und ügurenreiche Compositionen eigneten 
sich nicht zum Schmucke der kleinen Zimmerwände, auf denen sie nur in 
sehr verjüngtem Maßstabe hatten wiedergegeben werden können; sie sind 
daher vermieden, und es giebt kein pompejaner Bild, das eine ziemlich be- 
schränkte Fignrenzahl iiberschritte. Andererseits fehlt bisher jede Spur der 
Nachahmung mancher auf einzelne Figuren beschränkter XVerke grade der 
berühmtesten Meister der Zeit Alexanders und seiner Nachfolger, eines Apelles 
und Protogenes, ohne Zweifel aus dem Grunde, dass die pompejaner Künstler 
die Unmöglichkeit begreifen mochten, mit ihren technischen Mitteln Bilder 
nachzuahmen, deren Hauptwerth in der vollendeten Durchführung und der 
virtuosen Handhabung einer von der ihrigen ganz verschiedenen Technik und 
in dem Ergebniss derselben, glänzendem Colorit und feiner Abtönung bestand. 
Dahin gehört es auch, dass Lichteffecte, welche nach bestimmten Zeugnissen 
in der hellenistischen Periode der Malerei mit Liebe behandelt werden sind, 
sich in den pompejanischen Wandmalereien so selten wiederfinden , dass 
gradezu nur zwei Bilder desselben Gegenstandes, Pero, welche ihrem Vater 
Kimon im Kerker die Brust reicht (Hlbg. N6. 1376 und Sogl. N0. 599), wobei 
ein schmalerer oder breiterer Streifen Sonnenlichtes durch ein hohes Fenster 
in den Kerker fallt, als solche genannt werden können, in welchen die Dar- 
stellung eines Lichteffectes versucht, aber nicht einmal durchgeführt ist, in- 
dem der Sonnenstrahl auf die Beleuchtung der Figuren kaum einen Einfluss 
ausübt. YVenn das (iegentheil, d. h. eine fein abgetönte und effectvolle Be- 
leuchtung von älteren Beobachtern bei einem Bilde behauptet wird, welches
        

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