Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877759
Heroenmythen. 
Römisches. 
Quellen und Vorbilder. 
.593 
den beigeschriebenen Namen: Dido, Aeneas (Sogl. N0. G02) und eine mit sehr 
zweifelhaftem Recht auf Aeneas und Polyphem (nach Aen. III, vs. 655 sq.) be- 
zogene, ebenso wahrscheinlich Odysseus angehende Darstellung. Sodann fin- 
den wir ein Mal die Wölfin mit den Zwillingen (Hlbg. No. 1384), und als einziges 
Geschichtsbild kommt der Tod der Sophoniba (aus der Oasa di Giuseppe II  
Hlbg. No. 1385) hinzu. Vereinzelt mag noch einiges Andere der Art zu Tage 
kommen; allein gewiss wird der gesammte Bestand des nicht aus griechischen 
künstlerischen Quellen Abzuleitenden allezeit ein sehr geringer bleiben und 
er beweist, dass der Kunst der damaligen Zeit die Gabe der eigenen Erlindung, 
wenigstens auf idealem Gebiete versagt war. 
Diese Thatsaebe möge uns nun zu einer etwas genauern Betrachtung 
der für pompejaner Gemälde nachweisbaren oder zu vermuthenden Quellen 
und Vorbilder hinüberführen, wobei zuerst von den Figurenbilrlern gesprochen 
werden soll. 
Dass in einer kleinen campanisehen Landstadt nicht Künstler ersten 
Ranges die Decoration der Privathauser und die mit denselben verbundenen 
Compositionen malten, ist so einleuchtend , dass besondere Beweise dafür 
anzuführen nicht nöthig ist. Dass nun aber diese ihrer Mehrzahl nach unter- 
geordneten Künstler die vielen bedeutenden, geistvollen und reizenden Com- 
positionen nicht oder wenigstens zum kleinsten Theile erfunden haben, ver- 
steht sich wohl ebenfalls von selbst, auch ohne dass man das für original zu 
achtende realistische Genre zum Vergleich herbeizieht. Bei einigen wirklichen 
Originalen, wie dem hereulanischen Monochroni von Alexandros von Athen 
(Hlbg. N0. 170 b), von welchem die drei weiteren mit ihm zusammen ge- 
fundenen (1241, 1405 n. 1464) nicht zu trennen sind, und dem pompcjanischen 
Mosaik von Dioskorides von Samos ist der Kiinstlername beigeschrieben. Auch 
ist es uns von alten Schriftstellern bezeugt, dass die Maler dieser Zeit sich 
vielfältig mit der Herstellung von Copien berühmter Meisterwerke befassten. 
Man braucht feiner nur die zahlreichen Darstellungen eines Gegenstandes, 
eben so viele Wiederholungen desselben Grundgedankens der Composition 
zu betrachten, um sich zu überzeugen, dass wir es nicht mit Originalen im 
eigentlichen und höchsten WVortsinne zu thun haben. Freilich ist es auf der 
andern Seite wieder viel zu viel gesagt, wenn ein geistreicher Kunsthistoriker 
die pompejanisrehen Wandgemälde mit den Kupferstichen nach berühmten 
Gemälden vergleicht, welche unsere Zimmer schmückengidenn diese wollen 
und sollen doch nur ihr Original, soweit es eine andere Technik erlaubt, genau 
wiedergeben, und es fragt sich, ob es in Pompeji auch nur eine einzige genaue 
Copie eines altern Bildes giebt. In Beziehung auf die nur ein Mal vor- 
handenen Compositionen muss diese Frage allerdings unbeantwortet bleiben ; 
wenn sich aber unter den vielen Wiederholungen eines und desselben Gegen- 
standes (z. B. Narkissos, Andromeda, Adonis, Ariadne u. a.) nicht zwei 
völlig übereinstimmende, ja kaum zwei finden, denen die feineren Motive 
der Composition in ihrem ganzen Umfange gemeinsam wären, so ist es augen- 
scheinlich, dass von (Copien im eigentlichen Sinne des Wortes, oder gar von 
Vervielfältigungen wie durch den Kupferstich nicht die Rede sein kann. In 
welchem Verhältniss der Abhängigkeit von ihren Originalen dann aber die 
Overbeck, Pompeji. 4. Auf]. 33
        

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