Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1871620
Fünftes Oapitel. 
fortlaufende Nummern erhalten: eine Einrichtung von größtem praktischen 
YVerth, durch welche es ermöglicht wird, irgend ein Haus durch drei Zahlen. 
ohne weitläuftige und oft missverständliche Beschreibungen zu bezeichnen. 
Eine andere Frage freilich ist es, 0b eine solche Theilung wirklich im alten 
Pompeji bestand. Vielmehr scheint aus den Ausgrabungen der letzten Jahre 
hervorzugehen, wie es auch auf unserem Plan angegeben ist, dass dies nicht 
der Fall war, dass nämlich die eine der vier Theilungslinien, die das Capuaner 
mit dem Nuceriner Thor verbindende Straße, nicht vorhanden, dass die durch 
das Capuaner Thor ausmündende Straße mit der Stabianer Straße nicht parallel 
ist, sondern nach Süden mit ihr convergirt und sich der Richtung des Forums 
und der Mercurstraße stark nähert. Es geht dies hervor aus der unregelmäßigen 
Form der östlichsten unter den auf der Süd-Seite der Nolaner Straße ausgegra- 
benen Insulae, deren Ostfront, wie es scheint, in der Richtung der durch das 
"Capuaner Thor ausmündenden Straße liegt. 
Die Frage nach dem Gründungsplan Pompejis ist noch nicht spruchreif : 
wir müssen das weitere Fortschreiten der Ausgrabungen abwarten. Doch 
dürfen wir, namentlich auf Grund der eben erwähnten neuesten Entdeckun- 
gen, Folgendes als ziemlich sicher betrachten. 
Die Richtung der ostwestlichen Straßen wird bestimmt durch die Linie 
der Nolaner Straße und die in ihrem östlichen Theil ihr parallele Straße zwi- 
schen Seethor und Sarnothor. Von dieser Richtung ist, so viel wir sehen, nur 
in dem südwestlichen Stadttheil abgewichen worden, wo auch der südlichen 
von den beiden genannten Hauptstraßen aus noch nicht erkennbaren Gründen 
eine etwas andere Richtung gegeben worden ist. Die bestimmende Linie für 
die nord-südlichen Straßen giebt die am Forum entlang bis an den Südrand 
der Stadt verlängerte Mercurstraße; denn eben die neuerdings festgestellte 
Richtung der durch das Capuaner Thor ausmiindenden Straße lässt uns anneh- 
men, dass auch die Straßen der östlichen Hälfte dem Forum und der Mercur- 
straße wenn nicht ganz so doch annähernd parallel sind. Dies von zwei Grund- 
richtungen beherrschte System wird aber durchbrochen durch die Stabianer 
Straße, welche nicht der Richtung des Forums, sondern einer Einsenkung des 
Bodens folgt, und offenbar angelegt wurde in der Absicht, mit möglichst 3,11- 
mählicher Steigung die Höhe des Stadthügels zu gewinnen. Um diese Diffe- 
renz der Straßenrichtung auszugleichen, mussten einige Insulae eine unregel- 
mäßige Gestalt erhalten : so die fünfzehnte der sechsten Region und die 
östlichste südlich der Nolaner Straße. Ebenfalls aus praktischen Gründen ist 
in der Nordwestecke der Stadt die Regelmäßigkeit des Straßennetzes durch- 
brochen worden. Sowohl die seltsame Lage des Herculaner Thors als der an 
dasselbe sich anschließende unregelmäßige Straßenzug erklärt sich nur daraus, 
dass hier die von Neapel über Herculaneum und Pompeji nach Nuceria füh- 
rende Straße die Stadt erreichte, und man bestrebt war, eine möglichst directe 
Verbindung mit dem Centrum der Stadt und weiter mit dem Stabianer Thor. 
aus welchem die Straße weiter ging, herzustellen. So ist, wie es scheint, das 
Straßennetz Pompejis hervorgegangen aus einer Combination eines vielleicht 
auf sacraler Grundlage beruhenden Liniensystems mit anderen Linien, welche 
nur durch die praktischen Bedürfnisse des Verkehrs bedingt waren 19)_
        

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