Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877617
Römisch-cam-pazxisehes Genre. 
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Steigen wir von diesen untergeordneten Kreisen in diejenigen des Men- 
schenlebens auf, so müssen vorweg zwei nach Quellen und Ausführung sehr 
verschiedene Arten von Genremalereien unterschieden werden. Die erstere 
ist (liejenige, welche Ilelbig S. 356 ff. unter der Überschrift: nröniisch-cain- 
panisches Genres behandelt hat. ])ie Bilder dieser Art bieten in nicht ganz 
unbeträchtlicher Zahl aber in (lurchiveg künstlerisch untergeordneter Alls- 
fiihrung die realistische Darstellung von mancherlei Scenen aus (lßlll täglichen 
Thun und Treiben ohne Zweifel größtentheils in Pompeji selbst. In diese 
Classe sind jene schon früher (S. 392) mitgetheilten und besprochenen Bilder aus 
der Fullonica zu rechnen, welche die verschiedenen Acte der Tuchbereitung 
und Tuchwäsche darstellen, ferner die oben (S. 568 mit Anm. 2-11) angeführten 
Bilder einer Malerin, die in ihrem Atelier, von zivei Frauen belauscht, eine 
Dionysoshernie copirt (Hlbg. No. 1443), und eines Porträtmalers in parodischer 
Auffassung (I-Ilbg. N0. 1537). In einem Hause in Pompeji, in welchem außer 
einem Weinschank vielleicht ein unehrliches Gewerbe getrieben wurde, fand 
man die Wände des Gastzilnmers mit Malereien bedeckt, in welchen ver- 
schiedene Scenen aus dem Leben dieses Hauses geschildert sind. So zeigt 
das eine, um nur ein paar gut erhaltene Beispiele herauszuheben, ein Gelage 
von Personen ziemlich niedern Standes, die, um einen kleinen runden drei- 
fiißigen Tisch sitzend, unter lebendiger Unterhaltung aus Bechern Wein 
trinken, den ihnen ein kleiner Bursche kredenzt (Hlbg. No. 1504. ö), das 
andere Bild, Fig. 302 (Hlbg: 
No. 1487), lehrt uns zugleich  "H 
eine nicht uninteressante l 
Besonderheit des pompejani- .3, L1 
sehen Alterthunis kennen,   - e ' iri 
einen auch noch in einem Q  Ä i"; "fil  
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andern Bilde ahnhch wic-  ) iväm,  '94 rjNWZ-xx „ 
derkehrenden Weinwagen j    31' k l  
nämlich, auf dem der Wein l ' l   w): .1  y 
in einem großen Schlauche x wir     i];  
vor das Haus des Käufers         
oder Eigners gefahren wird.  
Diesen Schlauch müssen wir Fig. 302. Realistisches Genrebild; Weinwagen. 
uns aus einer nicht unbe- 
trächtlichen Zahl von Thierfellen zusammengenäht und durch die große vorn 
emporgebundene Öffnung gefüllt denken. Zum Ablassen des YVeines in die 
Amphoren, in denen man ihn im Keller aufbewahrte, bedient man sich einer 
röhrenförmigen Öffnung am hintern Theile des Schlauches, welche aus dem 
Bein eines Felles gebildet scheint. Das Zusammenfallen des großen Schlauches 
durch die fortschreitende Entleerung ist merkbar angedeutet, und ein guter 
Gedanke ist es, die Pferde losgeschirrt darzustellen, um damit anzudeuten, 
dass der Wagen vor diesem Hause lange anhalten, vielleicht ganz abgezapft 
werden soll. Da hier nicht alle Bilder dieser Art einzeln angeführt werden 
können, so mögen nur noch die trotz der Rohheit der Darstellung gegen- 
ständlich recht interessanten Forumsscenen (Hlbg. No. 1489) hervorgehoben 
37'"
        

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