Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877606
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Drittes Capitel. 
Die Malerei. 
wie selbst einige feiner beobachtete Scenen des Thierlebens, z. B. ein kleiner 
Hund im Streite mit einem größern und einer Katze um ein Stück Fleisch 
(Illbg. N0. 1606), eine Schlange, welche sich gegen eine Maus anfbiiumt und 
diese mit dem Blicke bannt, so wenig endlich wie einige größere Bilder in der 
Art des in Fig. 301 wiederh0lten,_welches in mäßig ausgeführter Landschaft 
Thierstück. 
einen Löwen darstellt, der zwei voll Entsetzen tliehende Stiere jagt. oder wie 
jenes (Hlbg. No. 1521, M. B. XIY, 44), in welchem in sehr lebensvoller Auf- 
fassung ein Eber von zwei Hunden gestellt wird, und so noch einiges Yer- 
wandte. Sehr verschieden von diesen Thierstiicken und Thierlandschaften 
sind jene großen, ganze Wände hedeckenden Thierbilder wie das schon früher 
(S. 278) erwähnte, Welches der Casa (Zellen caccia den Namen gegeben hat. Der- 
gleichen große Darstellungen kommen auch sonst vor und zeigen mannigfaltige 
Thiere theils friedlich, theils im Kampfe, auch von Menschen gejagt oder von 
Jagdhunden angegriffen, und Wiederum die Menschen angreifend. selbstver- 
ständlich in m. o. w. ausgeführten, als Fels- und Bergwildnisse charakteri- 
sirten Landschaften. Es ist schon a. a. O. die auch von Anderen getheilte 
Vermuthung ausgesprochen worden, dass die Thierhetzen im Amphitheater 
manche derartige, im Allgemeinen durchaus poesielos geschilderte Scenen zur 
Anschauung gebracht haben und so diese Bilder wie jene an der Briistungs- 
mauer der Arena des Arnphitheaters (S. 181) angeregt haben mögen. Ein 
neuerdings ausgegrabenes Bild 747) zeigst eine ganze Schar von Thieren zahmer 
und wilder Art wie in einer großen Schaustellung neben und über einander 
gruppirt und mag aus ähnlicher Quelle geflossen sein. Ein cigcnthiimliches 
Interesse erregen endlich zwei in einem Hause des T7500 J Eumacltia als 
Gegenstücke gemalte große Thierbilder, von welchen das eine ziemlich sicher 
und daher wahrscheinlich auch das andere aus der 'l'l1ierfabel gedossen ist 245). 
Jenes (Hlbg. No. 1584) stellt einen wahrurheinlich krank daliegenden Löwen 
da? vor dem ein Hirsch mit vorsichtig vorgestelltem linken Vorderfuße wie zu 
augenblicklicher Flucht bereit stehniwahrend im Hintergründe ein Leopard 
eine Gazelle Vßrfülgt. Der Inhalt des Bildes stimmt deutlich genug mit der 
in verschiedenen Wendungen überlieferten Fabel vom kranken Löwen überein. 
Für das Gegenstück, welches einen Bären darstellt, der sich mit einem Eber 
zum Kamllf anschickt: Während im Hintergrund ein grimmig blickender Löwe 
liegt, ist eine Parallele in der antiken Thierfabel nicht erhalten, doch würde 
sich eine solche leicht im Geiste bekannter Geschichten erfinden lassen.
        

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