Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877531
Antike Frescotechnik. 
Gattungen der Bilder. 
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lassen (s. Donner S. LXIV  dass Bilder fertig, auf eigenen Stuccotafeln 
gemalt und in die Wände eingesetzt werden sind, darunter möglicherweise das 
eine oder das andere, welches aus einer altern Wand herausgeschnitten worden 
ist. Wenn man früher eine viel größere Zahl von Fallen dieser Art annahm, 
so erklärt sich dies daraus, dass man die viele Bilder umgebende Einputzfuge 
mit einer Einsatzfuge verwechselte. Eingeputzt sind nämlich nicht wenige 
Bilder, und zwar so, dass entweder große, vom Sockel bis zum Fries oder bis 
zu einem bestimmten, scharf gegliederten Wandabsrahnitte reichende Bilder 
zuerst gemalt und nachher die Wand vollends bewerfen und bemalt werden 
ist oder dass, und dies ist bei den kleineren, umrahmten Mittelbildern. auf 
größeren Wandfiiichen der Fall, die Wand völlig bewerfen und bemalt, der 
Platz für das Mittelbild aber ausgespart oder der Stucco an dieser Stelle wieder 
ausgeschnitten und durch frischen Grund ersetzt wurde, um dem Maler den 
ganzen Vortheil frischer Tünche darzubieten. In beiden Füllen wurde dann 
entweder die umgebende Wand gegen das Bild oder das Bild gegen die Wand 
eingeputzt, was vielfach mit der höchsten Sauberkeit und Meisterschaft, nicht 
selten aber auch so geschehn ist, dass eine ganz feine Fuge übrig blieb- oder 
dass eine solche im Laufe der Jahrhunderte entstand. Diese Einputzfugen 
liegen aber stets im je nachdem spitzen oder stumpfen Winkel zur Wandiiäiche, 
während die wenigen wirklich eingesetzten Bilder von einer rechtwinkeligen 
Fuge umgeben sind. 
Indem es vorbehalten bleibt, das, was über den technischen Werth der 
pompejaner WillHlIIlEIlßTClGll und über gewisse Eigenschaften und Eigenthünl- 
lichkeiten derselben zu sagen ist, weiterhin mit den Erörterungen über ihren 
Stil und ihre künstlerische Bedeutung zusammenzufassen, mögen hier zu- 
nächst die (i attungen der Bilder übersichtlich zusammengestellt werden, wo- 
bei von der reinen Decorations- und Ornamentmalerei abzusehn ist. Von 
dieser ist früher (oben S. 522 ff.) gesprochen worden und es verdient in Betreff 
ihrer nur noch hervorgehoben zu werden, dass auch bei ihr so gut wie bei 
der plastischen Herstellung in Stucco, die ganze oder theilweise Schablone 
beinahe niemals angewendet, sondern Alles aus freier Hand höchstens unter 
zinwenrlung von Lineal und Zirkel ausgeführt wurde, wovon man sich leicht 
dadurch überzeugt, dass bei durchgehenden Ornamenten mit wiederkehrenden 
Formen, diese fast niemals ganz genau auf einander passen, sondern stets 
leise Verschiedenheiten zeigen. Vereinzelte Ausnahmen können hier kaum 
in Anschlag kommen und sind gewiss nicht im Stande, den bedeutenden 
Eindruck von Leichtigkeit und Sicherheit der Hand bei diesen alten Deco- 
rationsmalern in uns herabzustimmen. Sehr gewöhnlich nimmt die Nach- 
lässigkeit des Machwerks nach oben hin zu, und zwar nach Maßgabe des 
hier immer ungünstiger werdenden Lichtes; augenscheinlich sind an einer 
und derselben Wand mehre Hände beschäftigt gewesen, und während ein 
mehr oder weniger künstlerisch gebildeter Mann die Hauptbilder und die 
schwebenden Figuren der Nebenfelder gemalt hat, hat ein blos handwerker- 
mäßig geschickter Gehilfe die Umrahmungen und das architektonische Orna- 
ment hergestellt, ein Verfahren, welches an und für sich, ganz besonders 
aber bei der Massenproduction gerechtfertigt erscheint, durch welche der
        

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