Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877513
Technisches. 
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während diejenigen Untersuchungen, welche sei es an den unverfälschten 
Rohmaterialien, sei es an unverdorbenen Gemäldestiicken vorgenommen sind, 
Resultate geliefert haben, welche mit den Ergebnissen der Untersuchungen 
über die Maltechnik in vollster Übereinstimmung stehn. Es steht nämlich, 
um es kurz zusammenzufassen, einerseits fest, dass in Pompeji bei den Wand- 
gemälden außer Rauchschwarz nur anorganische, mineralische und ausschließ- 
lich solche Farbensteffe verwendet sind, welche auch jetzt bei der Fresco- 
malerei angewendet werden, nicht ein einziger, Welcher nach antiken Aus- 
sagen und technischer Erfahrung sich (wie vegetabilische und animalische 
Farbenstoife und von den mineralischen z. B. lälciweilä) mit dem Fresco nicht 
verträgt, und andererseits, dass sich in den Gemälden selbst niemals irgend 
ein Bindemittel, weder thierischer Leim noch Eistoffe noch WVachs hat ent- 
decken lassen.  
Liegt hierin ein erstes und unzweideutiges Zeugniss dafür, (lass die 
pompejaner Wände in ihrer Gesammtheit a fresco gemalt sind, so finden 
wir ein zweites in der Zubereitung des Bewurfes, welcher mit dem modernen 
Frescobewurf im Prinzip durchaus übereinstimmt und sich nur dadurch zu 
seinem Vortheil von diesem unterscheidet, dass er, meistens ungleich sorg- 
fältiger und aus besserem Material bereitet, als der moderne, ungleich stärker 
(2 bis 2M; Mal so dick) aufgetragen werden konnte, woraus sich für die 
Malerei selbst die gewichtigsten Vortheile ergeben und woraus sich zugleich 
Eigenschaften der pompejaner Fresken erklären, welche an ihrer wahren 
Natur haben zweifeln lassen. 1)ie genauesten Vorschriften für die Bereitung 
des für Frescomalerei bestimmten Mauerbewurfes giebt Vitruv (VII, 3, 5), 
nach welchem außer der ersten groben Berappung der Wand nicht weniger 
als drei Lagen Sandmörtel und auf diese wieder drei Lagen Marmormörtel 
aufgetragen werden müssen, in welchen in der untersten Lage dem Kalke 
grobe, in der zweiten feinere und in der obersten ganz feine Marmorstiicke 
beizumischen sind. Jede dieser sechs Lagen Mörtel soll auf die untere auf- 
getragen werden, grade wenn dieselbe zu trocknen beginnen will, und die 
letzten drei müssen mit dem Schlagholz festgeschlagen werden, damit sich 
ihre Blasse so viel wie möglich verdichte. Als Erfolg dieser sorgsamen Be- 
reitung des liewurfes bezeichnet Vitruv (a. a. O.  7), dass in ihm weder Risse 
noch andere Fehler cntstehn können, während die so beworfenen Wände 
vermöge ihrer durch das Schlagen verdichteten und durch den Glanz der 
Marmortheileheu glatten Masse auch nach dem Auftrage der Farbe einen 
leuchtenden Schimmer behalten. 
Nun giebt es noch heutigen T ages antiken Mauerbewurf, welcher genau 
nach diesen Vorschriften hergestellt ist ; in Pompeji dagegen ist man vielfach 
von denselben abgewichen, theils wohl wegen der Eile des Aufbaus nach dem 
Erdbeben, theils aus Sparsamkeitsrücksichten. So ist der Marmorstucco häufig 
nur in zwei anstatt in drei Lagen aufgetragen, hier und da nur in einer einzigen 
und auch diese findet sich durch eine sehr dichte und harte Schicht ersetzt. 
welche aus Kalk und zerstoßenen Scherben rother T hongefäße besteht, um von 
anderen Eigenthiimlichkeiten ordiniirer Wände zu schweigen. Nichtsdesto- 
weniger ist auch der geringere Stucco in Pompeji und ohne Zweifel der meiste
        

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