Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877497
Der decorative Charakter. 
Örtliche Verhältnisse. 
Beleuchtung. 
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gangen wird, mögen noch ein paar allgemeine Bemerkungen hier ihren Platz 
finden, welche für ihre Beurteilung, sei es für den, welcher sich an Ort und 
Stelle befindet, sei es für den, welcher auf Abbildungen allein angewiesen 
ist, wesentlich sind. Die allermeisten Hauptbilder, wenige der neuerdings 
ausgegrabenen und derjenigen, welche ganze Wände bedecken, ausgenommen, 
sind ausgehoben und in das Museum von Neapel gebracht worden, wo sie in 
älterer Zeit in der abscheulichsten Weise aufgestellt waren, während eine neue 
Aufstellung auch nicht für alle günstigen Platz und günstiges Licht hat schaffen 
können. Dass man die Gemälde aus den Wänden, zu denen sie gehörten, 
entfernt hat, muss als in den meisten Fällen nothwendig anerkannt werden; 
eine weitere leidige Thatsache aber ist, dass sehr viele namentlich der früher 
gefundenen Bilder sehr schlecht behandelt, nicht selten wiederholt mit unge- 
eignetem Firniss überstrichen und somit, zum Theil bis zur Unkenntlichkeit, 
entstellt und verschmiert sind. Dazu kommt, dass eine ganze Reihe der ange- 
wendeten Farben, durch die Feuchtigkeit, der sie Jahrhunderte lang ausgesetzt 
waren, angegriffen, jetzt durch Licht und Luft rasch verändert werden, ein Übel- 
stand dem man erst in der neusten Zeit zum größten Theil und wie man hofft, 
mit dauerndem Erfolge wenigstens zum Theil entgegen zu wirken gelernt hat. 
Wer also an Ort und Stelle das Wesen der Farbengebung studiren will, der halte 
sich mehr an die wenigen aus neueren Ausgrabungen stammenden noch in Pom- 
peji beündlichen Bilder, als an die in den Sälen des Museums aufgestellten, 
denen gegenüber man farbiger Nachbildungen aus der Zeit besserer Erhaltung, 
so unvollkommen sie sein mögen, nicht entrathen kann, wobei jedoch die höchste 
Vorsicht in der Prüfung zu empfehlen ist. Denn leider hat sich in allen 
Publicationen und in allen den zahllosen Copien, welche tagtäglich im Museum 
von Neapel gemacht und an die Reisenden verkauft werden, eine Behandlung 
festgesetzt, welche weder von der Zeichnung noch von dem meistens viel zu 
glänzend oder zu zart behandelten Colorit der alten Bilder eine rechte V or- 
stellung giebt. Den in Pompeji verbliebenen Bildern gegenüber vergesse man 
aber ein Anderes nicht. Allerdings sieht man diese noch innerhalb des ganzen 
Raumes und der ganzen Umgebung, für welche sie gedacht sind, allein man 
sieht sie, und zwar mit sehr wenigen Ausnahmen alle, in einer ganz andern 
Beleuchtung. Jetzt sind fast alle Räume offen, das hellste Sonnenlicht herrscht 
so gut wie überall; für dieses volle, helle Tageslicht und diese allseitige Be-_ 
leuchtung ist aber kein pompejaner Bild bestimmt gewesen, denn auch die- 
jenigen in Atrien und Peristylen standen in sehr gebrochenem Licht und waren 
von oben her entschieden beschattet, so dass sie nur Seiten- und halbes Ober- 
licht hatten. Noch ungleich weniger beleuchtet Waren die Gemälrle in den 
verschiedenen Zimmern, ja es ist in vielen Fällen schwer zu sagen, woher sie 
überhaupt die nöthige Beleuchtung empfingen Denn die Annahme eines 
Oberlichts durch die geöffnete Decke, welche ein geistreicher Kenner ausge- 
sprechen hatn"), ist deshalb unzulässig, weil fast überall ein oberes Stockwerk 
nachweisbar, dagegen eine Vorrichtung, welche auf eine geöffnete Decke 
schließen ließe, nirgendwo nachweisbar ist. Hoch angebrachte Fenster mögen 
in einzelnen Fällen dem Lichte Zugang verschafft haben, allein die mit 
Fenstern versehenen Zimmer gehören wohl in den seltensten Fällen (wie z. B.
        

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