Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877441
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Zweites Capitel. 
Die Plastik. 
dass irgend ein pompejaner Monument von echt alterthümlichcm Stile sei, ist 
nicht anzunehmen. In erster Reihe kommt hier die Artemis Fig. 281 in Frage. 
Es ist wahr, dass die Merkmale der Nachahmung des alterthümlichen Stiles 
grade bei dieser Statue weniger fühlbar und augenfallig hervortreten, als bei 
manchen anderen archaistischen Arbeiten, und (lass man grade sie eher, als 
manche andere für ein Originalwerk alter Kunst halten könnte, dessen Auf- 
findung in Pompeji dann eine ganz besondere Merkwürdigkeit sein würde. 
Allein vorhanden sind gewisse derartige Kennzeichen dennoch, und man wird 
sicherer gehn, wenn man auch diese Statue für archaistisch (d. h. nachgeahmt 
alterthümlich) , als wenn man sie für archaisch (echt alt) halt 23")  lhr gesellt sich 
am nächsten die Statuette einer  g. Venus Proserpina (abgeb. Mus. Borb. 
IV, 54), bei der aber keinerlei Zweifel sein kann, dass sie kein archaisches 
Originalwerk sei, und ferner kommen ein paar marmorne Oscillen "mit Relief 
in Betracht (oben Fig. 277, vgl. Mus. Borb. X, 15 und 16), deren erstes 
in sehr bestimmter Weise nachgeahmt alterthümlich ist, während die Reliefe 
des zweiten Oscillum eigentlich nur noch Spuren alterthümliccher Fonnbe- 
handlung zeigen, welche der absichtlich so arbeitenden lland eines späten 
Künstlers zuzuschreiben gewiss nichts im YVege steht. Wenn endlich lüinige 
in der Gruppe des Dionysos und seines Satyrn (Fig. 283 b) ebenfalls Spuren 
des Archaismus haben erkennen wollen, so ist ihnen durchaus nicht beizu- 
stimmen; was hier steif und beschränkt ist, kommt auf Rechnung spätern 
Ungeschicks, nicht auf diejenige früher Gebundenheit in der Formgebung. 
Gegenüber diesen archaistischen Sculpturen entsteht nun die Frage nach 
ihrer wahrscheinlichen Periode. Es ist Thatsache, dass die Nachahmung 
älterer Kunst, des, wenn man so sagen darf, kirchlichen Stils, in Griechen- 
land ziemlich früh begonnen und nicht unbeträchtliche Ausdehnung ange- 
nommen hat; nicht minder aber ist bekannt, dass bei weitem die grüßte 
Mehrzahl archaistischer Werke, die wir besitzen, aus der römischen Kaiser- 
zeit stammt, in welcher besonders Augustus und später wiederum Tladrian 
eine starke Liebhaberei für die Werke der alterthümlichen Kunst besaßen, 
welche natürlich von allen denen getheilt wurde, die irgendivie Hofluft 
athmeten oder mit den tonangebcnrlen Kreisen in Verbindung standen. Echt 
alterthümliche Kunstwerke sich anzuschaffen war aber nicht Jedermanns 
Sache, und so erwuchs eine nicht unbeträchtliche Fabrikation der Nach- 
ahmung. Dieser und damit der augusteischen und nachaugusteischen Epoche 
nun auch die pompejaner archaistischen Arbeiten zuzuweisen, wird schwer- 
lich etwas Wesentliches im Wege stehn. 
Auf den ersten Blick möchte es scheinen, als sei auch der bronzene 
Apollon Fig. 282 einfach unter die Zahl der archaistischen Werke zu rechnen, 
da bei ihm allerdings gewisse Züge eines Strebens nach alterthiimlicher 
Strenge hervortreten. Allein diese Statue wird mit gutem Bedacht erst hier 
und gesondert von anderen aufgeführt; denn sie ist ein kunstgeschichtlich 
sehr merkwürdiges Stück und geht wahrscheinlich nebst einigen anderen ihr 
mehrfach verwandten Statuen auf die unteritalische Schule des Pasiteles 
zurück, dessen Hauptthätigkeit in die Zeit des Pompejus fallt, und dessen 
Charakter durch große Sorgfalt einerseits und gelehrtes Studium und Nach-
        

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