Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877357
Bron zesmtxletten. 
Hause des Vico del balcone pensile gefundene, in _jeder Hinsicht bewunderungs- 
würdige Bronzestatuette (Höhe ohne die Basis 0,59  deren nach einer Pho- 
tographie gemachte Abbildung das Titelblatt dieses Buches schmückt, und 
welcher, wenn sie nicht die Krone aller bisher in Pompeji gefundenen Kunst- 
Werke ist, sich nur der tanzende Satyr der Casa de! Fauna als ebenbürtig an- 
reihen kann. Der Name, welcher dieser unbeschreiblich weichen und dabei 
dennoch frischen, lieblichen Jünglingsgestalt zu geben ist, steht auch heutigen 
Tags nach vielfachen Erörterungen noch nicht über allen Zweifel fest, obgleich 
die allgemeine Ansicht, sich je länger, desto mehr der gleich in den ersten 
Zeiten nach der Auffindung ausgesprochenen Erklärung zuneigt, dass der 
mit einem Panther spielende Dionysos zu erkennen sei T16). Allerdings hat 
Minervini, dessen Resultaten sich auch Fiorelli in allem Wesentlichen an- 
geschlossen hat  in einem gelehrten Aufsatze Gründe für die Benennung 
der Figur als Narkissos geltend zu machen gesucht, und dieser Name ist 
jetzt der am allgemeinsten gebrauchte. Allein wenn er auch ohne Zweifel 
Manches für sich zu haben scheinen mag, so stehn ihm doch nicht allein einige 
nebensächliche Umstände entgegen, das Ziegen- oder Rehfell nämlich, das 
von der linken Schulter des Jünglings herabhangt und um seine linke Hand- 
wurzel geschlungen ist, und der Epheukranz mit Beeren, welcher sich durch 
sein Haar schlingt, sondern die Situation, nach welcher hier Narkissos den 
Sclnneichelvvorten der Echo lauschend dargestellt sein soll, entspricht nicht 
dem Narkissosmythus. Die angeführten Einzelheiten, welche Minervini für 
Narkissos vergeblich zu rechtfertigen sucht, weisen mit Bestimmtheit auf den 
dionysischen Kreis hin, und ihnen gegenüber ist zur Erklärung der Statue 
wohl der Gedanke an einen Satyrn ausgesprochen worden, welche in ihren 
edelsten Gestaltungen nicht allein in ganz ähnlicher Zartheit und weicher 
Jllgendblüthe, sondern auch ohne jegliches thierische Abzeichen (Spitzohren 
und Ziegenschwvänztehen] vorkommen, durch welches sie sonst bezeichnet zu 
Sein pflegen. Ob aber irgendwo ein Satyr mit einer so zierlichen Fußbe- 
kleidung nachweislich ist, wie sie unser Jüngling trägt, ist sehr fraglich, und 
Gleiches dürfte von Pan (Diopan) gelten, welchen ein weiterer Erklärungs- 
Versuch in dem Jüngling erkennen möchte, so dass man sich auch mit 
dieser Erklärung nicht zufrieden geben kann, so wenig an der gelegentlich 
rein menschlichen und jugendschönen Bildung des Pan gezweifelt werden soll.  
Für die Benennung als Dionysos wird neuerdings von mehren Seiten besonders 
die Parallele eines von Michel Angele zu einer Gruppe ergänzten, lebensgroßen 
Marmortorso in Florenz T1") geltend gemacht, welcher, das lasst sich nicht ver- 
kennen, mit der in Rede stehenden pompejaner Figur eine große, wenn auch in 
der Bewegung des Leibes vielleicht nicht vollkommene Ähnlichkeit hat. Das 
Unglück ist nur, dass an dem i-lorentiner Marmor der Kopf, beide Arme und die. 
Beine von den Knien abwärts der Ergänzung angehören und dass, wenngleich 
eine abgearbeitete Stelle an der linken Hüfte mag schließen lassen, dass die 
florentiner Figur in Übereinstimmung mit der pompejauer Bronze die linke 
Hand hier aufgestützt hatte, ihr Motiv doch nur vermuthet werden kann. Nun 
S011 freilich nicht geläugnet werden, dass für den florentincr Torso die An- 
nahme, dies Motiv habe in dem Spielen des Gottes mit einem neben ihm am
        

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